15.03.2012

Walter-Tiemann-Preis 2012: Preisverleihung und Ausstellung

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Als kurz vor dem Jahreswechsel die Jury zusammenkam, um über die Walter-Tiemann-Preiswürdigen zu beraten, lagen knapp 100 Bücher aus den Niederlanden, der Schweiz, aus Österreich, Großbritannien, Ungarn und Deutschland auf dem Tisch. Zur Jury gehörten der Preisträger von 2010 David Bennewith aus den Niederlanden, Mirjam Fischer aus der Schweiz, Michael Mauracher aus Österreich sowie Marion Blomeyer und Hendrik Schwantes aus Deutschland. 

Wichtige Entscheidungskriterien, die in den zweitägigen Gesprächen eine wiederkehrende Rolle spielten, waren die konzeptionelle Idee, die hohe Qualität von Typografie und Grafikdesign, der sinnfällige Einsatz der Mittel sowie Momente der Überraschung, die Bücher bereithalten können. 

Der Walter-Tiemann-Preis wird immer jünger

Der diesjährige Preisträger steht für das insgesamt sehr junge Durchschnittsalter der Teilnehmer in diesem Jahr. Phil Baber (geb. 1987) aus Amsterdam erhält den mit 5.000 Euro dotierten Walter-Tiemann-Preis für den Titel »#+02.00«. Das Buch ist ein Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen dem Grafikdesigner und Textautor Philip Baber und der Künstlerin Saskia von Imhoff. Eine vorausgehende Installation von Saskia Imhoff, augestellt in der Verbeke Foundation in Belgien, lieferte das Material für »#+02.00«. Die verwendeten Bilder und Objekte wurden wie zur Dokumentation gescannt, die Bildresultate bildeten die Basis für das Buch. 

Entstanden ist mehr als ein Katalog zum Beweis des stattgefundenen Ereignisses. Es handelt sich um ein eigenständiges Werk, das Reproduktion und Übersetzung wörtlich nimmt und zugleich die Klassifikationsprinzipien der Wissenschaft auf die Kunst bezieht. Hintergründe des Konzeptes werden durch die formalen Entscheidungen im Buch lesbar. Beigefügt ist ein Essay von Jasper Coppes. Wie die beiden Hauptautoren absolvierte auch er die  Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam.                      

Förderpreis

Der mit 1.500 Euro dotierte Förderpreis geht in diesem Jahr an Katharina Triebe (geb. 1984) für »Nachtwandel«. Sie beendete erst im vergangenen Jahr ihr Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und untersuchte dafür das Verhalten von Pflanzen bei Nacht. Das Phänomen des Pflanzenschlafes beschäftigt Wissenschaftler seit Jahrhunderten. Der Text von Franz von Paula Schrank von 1792, der im Buch neu gedruckt wurde, war für die Grafikdesignerin Anlass, auf Spurensuche zu gehen. Die dabei entstandenen Nachtaufnahmen aus botanischen Gärten, bei denen Katharina Triebe Unterstützung durch der Fotografen Marcel Noack erhielt, sind von großer Poesie und bilden mit den grafischen Anleihen aus botanischen Lehrbüchern eine überzeugende visuelle Erzählung. Ein weiterer Text, »Der Pflanzenschlaf« aus Patrick Geddes »Leben und Wirken von Sir Jagadis C. Bose« aus dem Jahr 1930 schafft mit den erläuternden Texttafeln den Rahmen für die Bilder. Eine exzellente Typografie durchzieht das Buch von der ersten bis zur letzten Seite.

Shortlist

Die Jury entschied sich auch in diesem Jahr, aus jenen Büchern, die bis zur letzten Diskussionsrunde als potentielle Preisträgerwerke auf dem Tisch lagen, eine Shortlist zu bilden.

»Armand Schulthess« aus der Edition Patrick Frey ist einem Outsider gewidmet, dessen Nachlass in Teilen vom Autor Hans-Ulrich Schlumpf bewahrt und erschlossen wurde. Elektrosmog gestaltete die Publikation und bereitete die Fragmente dieser sehr eigenen schriftlichen und zeichenreichen Materialien auf. Die sehr gut organisierte, die Informationen klar strukturierende Typografie macht das Buch zu einem wunderbaren Kompendium. 

Roma Publications aus Amsterdam war mit »On the self-reflexive page« des Gestalters Louis Lüthi im Wettbewerb. Es ist eine Art anschauliches Verweisbuch auf moderne Ideen der grafischen Buchsprache, auch wenn sie zum Teil aus zurückliegenden Jahrhunderten stammen. Zusammengestellt nach einfachen Kategorien legt es Referenzen  gegenwärtiger Gestaltung offen. 

Das Dutch Art Institute brachte mit »the helix and the museum«, in gestaltete Form gebracht von Corina Neuenschwander, ein konzeptuelles Künstlerbuch heraus, das auf der Ebene zeitgenössischer Konvention mit Fiktion und Behauptung spielt. 

Aus einer ganz anderen Buchkategorie stammt »Hans Joachim Reuter: Leuchtende Bilder«. Es ist der Titel für ein Werk, das sich der ästhetischen Faszination bildgebender Verfahren in der Wissenschaft widmet. Konzept und Gestaltung kommen von Felix Stumpf und Peter Brugger.

Des fünfte Buch der Shortlist, »Pascal Danz. Ist so«, ist eher ein Heft und erschien im Modo-Verlag begleitend zu einer Ausstellung. Die Publikation gibt den Bildern des Künstlers Pascal Danz viel Raum und wird zum schönen, unprätentiösen Beispiel zeitgenössischer Kataloggestaltung. 

Preisverleihung und Ausstellung

Am 15. März 2012, 19.00 Uhr wird der Walter-Tiemann-Preis im Festsaal der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig vergeben. Begleitet wird der Festakt mit einer kleinen Ausstellung der ausgewählten Werke. Der Eintritt ist frei.

Text und Bilder: Julia Blume, Florian Hardwig; Verein zur Förderung von Grafik und Buchkunst e.V.

Weitere Informationen: http://waltertiemannpreis.de

Nachfolgend ein paar Bilder von der Preisverleihung am 15.03.2012!

 

 

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