Vortrag & Live-Präsentation | Freitag, 19.3.2010 | 15 Uhr | Leipzger Buchmesse (Halle3, G400)
Von vier Seiten fadengeheftet und somit hermetisch verschlossen wartet es auf den Leser.
Doch Vorsicht!
Ergreift man seinen roten Faden, der einem den einzigen Weg durch das Buch weist, muss man sich einer Sache gewiss sein: Dieser rote (Aufreiß-)Faden bedeutet gleichzeitig die Zerstörung des Buches. Der Weg in das Buch führt über das Aufreißen des Buchrückens – dann weiter in diagonalen Rissen mitten durch die Seiten.
Die einzige abstrakte Erzählung ist der Farbverlauf eines gedruckten Quadrates von weiß nach schwarz über die 60 Seiten des Buches. Doch auf dem Weg zeigt sich, dass die offensichtliche materielle Zerstörung zu einer Wandlung des Buches führt. Dreiecke klappen zu den Seiten heraus und ergeben so immer neue Graukombinationen. Andere Seiten fallen ganz heraus und geraten in Vergessenheit.
Am Ende reisst der rote Faden heraus. Das Buch ist gelesen, kaputt, und doch bleiben die entstandenen Formen als Erinnerung an den zurückgelegten Weg.
Mittels einer eigens entwickelten Bindung entstand ein Buchobjekt, das sich dem Betrachter zunächst physisch verschließt. Nur mit Inkaufnahme der gleichzeitigen Zerstörung wird der Leseprozess möglich.
Ein Aufreissfaden – sonst meist nur aus dem Verpackungsbereich bekannt – ermöglicht das Öffnen des Buches mittels physischer Gewaltanwendung.
So gibt jede zerrissene Seite zugleich den Blick frei auf die nächste. Der sprichwörtliche »Rote Faden« zerstört das Buch, das er durchzieht.
Dabei wird auch die Form des Buches skulptural immer weiter umstrukturiert, bis am Ende nur ein einzelner Faden und ein
Haufen Papier übrigbleibt.
Spielerisch berührt diese Arbeit Bereiche des Erzählens, des Lesens und des Diskurses über die Zukunft des Buches in seiner gegenständlichen Form.
Mehr Infos und ein Video des Zerrisses auf:
www.tankyou.de


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