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Disko!

Popkonsum jetzt

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Die Süddeutsche Zeitung gibt seit kurzem eine Diskothek für zu Hause heraus. Nach der Bibliothek und Cinemathek (die hundert jetzt aber wirklich besten Filme aller Zeiten auf DVD) (Klassisches vom Klavier gibts auch, aber eher Hochpreis) die bessere Spex-CD zur Tageszeitung mit Jahresüberblicken von 1955 bis 2004. Und zwar in einem Begleitbuch, mit pophistorischer Hilfestellung durch Essays etwa von Diedrich Diedrichsen, Johannes Waechter oder Philip Oehmke. Eigene Kompetenzsteigerung und Geschmacksverfeinerung also garantiert, Bildungsdefizite behoben. Scheinbar obligatorische Bildstrecken (Das war unser Jahr) runden all das dufte ab.
20 Songs pro Jahr, kostet 9.90.

www.sz-mediathek.de

Offensichtlich zielen die Reihen auf Gewinne im derzeitigen Positionierungsgerangel auf dem Zeitungsmarkt. Andere Tages- oder Wochenzeitungen lassen sich ja auch einiges einfallen.
Aber was bezweckt die Sueddeutsche darüberhinaus mit dieser Offensive auf die wahrscheinlich ohnehin kulturell gut befüllten Regale ihrer LeserInnen? Sollen hier Bindungen an die SZ über Jahrzehnte hinweg sichtbar gemacht oder Nostalgisches bedient, womöglich zunehmend versiegendes kulturelles Wissen auf Dauer, in enzyklopädischer Form bewahrt werden – oder eine jugendliche Leserschaft auf diese eigentlich unschlagbare Paarung (d i e Tageszeitung plus Regalbefüllung) dauerhaft eingeschworen werden?


Nun kommt es womöglich ziemlich uncool, die eigene Wohnung mit solchermassen spiessigen, enzyklopädischen Sammlungen herzuzeigen, zumindest für diese vermeintliche Zielgruppe.
Daher kann man sich schon fragen, was denn das alles soll. Wobei ein paar Einzelstücke sicherlich durchgehen.

Aufgefallen sind mir jedenfalls die Collagen/Illustrationen, die – in Berlin – plakatiert recht gut rüberkamen und gelungen erscheinen. Nur warum sind die Bücher Innen wie Aussen derart unbeholfen gestaltet (erklär mir mal einer die Jahreszahlen, die wirklich ziemlich grossen Lettern auf dem Cover, typografisch besehen. Oder die schwarze Quasibanderole.) ? Das erstaunt umso mehr, da das typografisch und im Layout souveräne SZ-Magazin zumindest redaktionell dafür verantwortlich zeichnet. Material (Umschlag, Papier, Druck) ist auch nicht so dolle. naja.

Die 2000er Illustration soll wohl Peaches sein. Lustig.
Dass da richtig gute Musik drin ist sei hier übrigens nicht bezweifelt.

Wie findet ihr das?