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Erik Spiekermann

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Am Samstag-Abend, einem Tag nach Erik Spiekermanns Geburtstag (bei dem ich natürlich nicht eingeladen war) und kurz nach dem letzten Typo-Vortrag 2008, wollte ich lieber etwas essen und auf die Typo-Party ins „Tape“ gehen anstatt gleich ein paar Zeilen zu Erik Spiekermanns Rede zu schreiben. Daher erst jetzt ein Rückblick.
(Bild oben: © gerhardkassner.de)

Von den Moderatoren wurde Erik Spiekermann, zu dem man in unseren Kreisen eigentlich nichts mehr sagen muss, als ein Mann beschrieben und angekündigt, der eine unendliche Energie hat und der immer nach vorne schaut.

Zum Einstieg trug er eine kleine Büttenrede vor, in der Manier von Kurt Weidemann beim Font-Fight am Donnerstag-Abend. Mit folgendem Satz zum Schluss: „Eines darf man nicht vergessen, nicht an Sprüchen werden wir gemessen.“ Mal wieder ein kleiner Verweis (oder war es ein Zitat?) auf einen seiner („Lieblings“-)Kollegen. Seitenhiebe machten die Sprecher bei ihren Reden auf der Typo übrigens häufiger.

Dann fuhr Erik Spiekermann mit einem Understatement fort, dass ihn, wenn man es ihm abnehmen kann, sympathischer wirken lässt als bei dem Font-Fight vergangen Donnerstag: „Meine Arbeit besteht darin, Leute zu finden, die mit mir gute Arbeiten machen, also Leute zu finden, die Dinge besser können als ich.“

Weiter ging es mit einem Rückblick auf sein Leben. Er erzählte von den Anfängen, als er eine Druckerei aufmachen wollte, aber auch von seiner Schlampigkeit und, dass er ein Mensch ist, dem schnell langweilig wird. Letzteres ist auch ein Grund, warum er kein Reinzeichner wurde. Für alle, die ihn und seine Vorträge noch nicht so lange kennen, zeigt er ein Bild auf dem er noch Haare hatte und auch ein paar Screens mit den ganzen Schriften, die er im Laufe der Zeit entworfen hat (u.a. Heidelberg, Meta, Gravis, ZDF, …).

Zur Auflockerung folgte dann ein kleines Ratespiel bei dem man aufgrund von Schriftzügen die zugehörigen Marken erraten sollte. Damit wollte der Tyopgraf und Gestalter zeigen, wie einfach Corporate Design ist und, dass „eine Marke nichts weiter ist als eine Hausschrift.“

„Images“ lautete ja das Thema der diesjährigen Typo. So präsentierte Spiekermann eine Milchverpackung, die in Deutschland erfahrungsgemäß immer blau oder grün dargestellt wird, statt mit dem echten Logo mit einem ARAL-Logo an der Stelle wo das Logo gewöhnlich platziert ist. Diese Milch würde nie jemand kaufen. „Vorurteile sind eben auch Urteile,“ meinte er.

Das nächste Thema waren typische Schriften verschiedener Länder: Die Helvetica ist im Land des Bieres oder des DINs, also Deutschland, die Hausschrift. (Auch die DIN-Schrift, die eine Designversion der Helvetica ist, wurde zu einer Allerweltsschrift.) Die „Mistral“ ist für Frankreich typisch. Dänemarks Hausschrift ist die „Via“ und hat als besonderes Merkmal das nicht nach unten geschlossene „g“. In Holland müssen die Schriften schmal sein. So wie jedes Land die Schrift hat, die es verdient, so ist es auch mit der Musik (Bsp. Heino).

Nach diesen kleinen Weisheiten kam Spiekermann zu seinen eigenen Arbeiten und vier Fallstudien (Gravis, Bosch, Düsseldorf International, Deutsche Bahn).

Gravis, der Berliner Apple Dealer und Apple Dealer Deutschlands, erhielt von Spiekermann ein Logo aus einer Kombination von digitalen und analogen Elementen.

Bei Bosch bemerkte Spiekermann, dass es unter anderem auch arabische und kyrillische Ausprägungen der Hausschrift gibt. Die Breite der Hausschrift wurde auf die der Arial angepasst, um auch beim Nicht-Vorhandensein der Schrift dennoch gleich erkennen zu können, dass es sich um Bosch handelt. Leider hat die Bosch-Schrift auch eine türkische Zeitschrift in die Hände bekommen und für ihre Publikation verwendet, welche diesen Font wohl nicht mehr verwenden darf.

Düsseldorf International, der Rhein-Ruhr-Flughafen von früher, bekam ebenso von ihm ein neues Gesicht.

Die Deutsche Bahn, deren von Weidemann erstelltes Logo hausintern beim Kunden nur „Keks“ genannt wird, verzeichnete bekannter Weise häufig Managerwechsel und entsprechend lange konnte Spiekermann bezahlt „Schriften hin und her schieben“ und im Manual austauschen. (Ich habe leider keinen Kunden der mir dies bezahlt!).
Bei der Bahn sind Briefings manchmal ganz kurz und knapp: „Mach mir mal ne Schrift für schmale Züge.“ Gezeigt werden dann nur zwei Fotos von den Zügen. Und statt „Hamburgefonts“ steht bei der Präsentation von Schriften einfach „Bahnsteig“, weil dies die Ingenieure besser verstehen. In großen Firmen wie der Bahn gehen Präsentationen und Kundentermine oft lange, dies hat sicher jeder schon einmal gemerkt. Daher legt Spiekermann diese Treffen am Besten auf 15.30 Uhr, weil der Kunde nur bis 16 Uhr arbeitet und dann die Meetings sehr kurz bleiben. Zum Schluss berichtete Spiekermann noch, dass er den Kampf gegen senkrechte Linien verloren hat. Diese gibt es noch immer auf den Fahrplänen. „Bei Tabellen braucht man keine senkrechten Linien,“ so Spiekermanns Ansicht.

Nach dem Vortrag wurde noch ein 4-minütiger Abschluss-Film mit Impressionen von der Typo gezeigt, den es auch hier zu sehen gibt.





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