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goon Magazin n°19

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goon wurde in diesem Blog noch nicht vorgestellt, oder? Die Berliner Publikation erscheint sowohl als DIN A5 Printausgabe, als auch als pdf-Mag und packt alle Infos auch nochmal auf eine Website. (In der letzten Ausgabe haben wir ein paar Illus gestaltet und über unser Büro erschien ein schöner Artikel: Der Quirl im Design).

Goon recherchiert gründlich, die Artikel und Tips sind gut bis sehr gut.

Der Quirl im Design (goon Magazin n°19)

Die Karlsruher Design- und Mediaagentur Finest/Magma führt Design und Werbung zum Bastard-Pop

Finest/Magma ist ein wahrer Hybrid, ein Cyborg aus Zeichen und Geschäftsideen. Anfang 2006 aus einer Werbe- und einer Designagentur entstanden, finden sich mit Fotografen, Illustratoren, Designern, Beratern, Media- und Marketingexperten die unterschiedlichsten Menschen unter einem Dach und beschnuppern sich derzeit noch neugierig nach dieser »Ehe der Kontraste«, wie es Mitgeschäftsführer und Grafikdesigner Lars Harmsen formuliert. Einer solchen Personalstruktur entsprechend sind auch die daraus resultierenden Produkte Mischungen aus verschiedensten Konzepten und Stilen – was vor allem den Mitarbeitern der ehemaligen Designagentur Magma zuzurechnen ist. Insbesondere deren Liebe zu Schriftarten – Fonts –, aus der bislang das Font-Label Volcano und das Magazin Slanted entstanden, vermittelt einen Eindruck ihrer Arbeitsweise.

Vergesst Purismus
»Für die Schriftart ›Magneta‹ haben wir Magnetbuchstaben vom Kühlschrank fotografiert. Die ›Punta Negra‹ basiert auf der ›DIN‹, welche am Kopierer hoch und runter kopiert wurde, bis sie eben rau aussah. Fonts spiegeln sehr gut die Zeichen der Zeit wider«, erklärt Lars Harmsen. »Mit dem Siegeszug der Computer hat es eine Fülle neuer, sehr revolutionärer Fonts gegeben, welche nur entstehen konnten, weil es ein neues ›Werkzeug‹ gab. Jetzt ist formal alles Wichtige ausprobiert und ausgelotet worden. Heute geht es meines Erachtens eher um den Inhalt.« Der Bezug zum Kontext sei somit wichtiger geworden, so Harmsen. Ihn und seine langjährigen Kollegen – insbesondere Illustrator André Rösler und Fotograf Christian Ernst, mit denen er für diese Ausgabe die Rubrikenbilder erarbeitete, sowie Grafikdesigner Ulrich Weiss – fasziniert vor allem das Sampeln, »also das Mischen von Originalen aus unterschiedlichen Epochen/Schriftfamilien zu Hybrid-Schriften. Font-Design steht heute dort, wo Musik schon lange angelangt ist: In der Mischung von Stilen und Instrumenten, auf der Suche nach einer neuen Identität, stets die Herkunft zitierend.«
Nicht zuletzt in ihrem jüngst erschienenen Kunst-(Reise-) Buch »Bastard – Choose My Identity« (siehe goon #18) verwirklichten sie diese Idee. Ähnlich dem musikalischen Stil des Bastard-Pop, der völlig verschiedene Genres sampelt und daraus eine neue, einzigartige Melange hervorbringt, überlagern die Designer und Künstler auch in ihrem Brotjob Fotografie, Illustration und Design, um sie miteinander zu harmonisieren und gleichzeitig Gegensätze bewusst zu nutzen. »Ein grundsätzliches Prinzip unserer Arbeit ist es, kleine Irritationen und Verschiebungen zu schaffen. Nur an Ecken und Kanten bleibt man hängen. Unser Design will nicht nur glatt sein, es soll auch dieses Moment der Überraschung, der Störung und Irritation haben.«

Vertrauen in Gegensätze
Solche Überraschungen findet Lars Harmsen dabei nicht selten direkt bei seinen Kollegen, deren unterschiedliche Arbeitsweisen und Mentalitäten in der Gesamtkonzeption letztlich genau das Erwünschte ergeben – eben einen Bastard, der auch die Grenzen zwischen den Künstlern verwischt. »Ich denke, dass Fotografen alle einen an der Erbse haben. Fotografen finden Grafiker bekloppt, und Illustratoren schweben auf einem anderen Planeten. Bei uns funktioniert es trotzdem. Vielleicht deshalb, weil jeder von uns sein Instrument sehr gut beherrscht und wir so etwas wie eine Band bilden. Jeder hat mal sein Solo, manchmal ist es ein Duett, und dann eben auch ein gemeinsames Stück. Die eigene Arbeit ist somit nur ein kleiner Teil eines Ganzen. Kein Kampf. Sondern Spiel. Und das macht natürlich unheimlich Laune.«

Text: Jens Pacholsky, Illustration: André Rösler

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