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Jumi Jami – Kochen ohne Tiere

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Kathi Bretsch hat sich in ihrer Diplomarbeit im Sommersemester 2011 in der Klasse von Prof. Niklaus Troxler mit den Themen Genuss, Ernährung und den bewussten Umgang mit Lebensmitteln beschäftigt. Entstanden ist ein sehr illustratives Kochbuch, das den fahlen Beigeschmack von veganer Küche beseitigen soll.


Kathi Bertsch schreibt über ihre Arbeit: »Das Kochen ist neben der Illustration meine große Leidenschaft, da ich lange rein vegan gelebt habe und noch immer Vegetarierin bin, war die Auseinandersetzung von Ethik und Verantwortung im Bezug auf die eigene Ernährung schon lange eine wichtige Thematik für mich. Jedoch hat mich die Verbissenheit vieler Bücher und Kochbücher dieses Themenkreises gestört. Um dieses Stigma abzuschütteln und weg vom »grauhäutigen, mageren Veganismus« zu kommen, zeige ich mit den hier konzipierten Rezepten wie schmackhaft und ideenreich vegane Küche sein kann.

Es gibt mittlerweile etwas mehr als eine Handvoll veganer Kochbücher auf dem deutschen Markt, nahezu alle sind bieder gestaltet und meist ohne Fotos der Rezepte. Sie funktionieren als reine Nachschlagewerke. Für mich steht beim Kochen jedoch die Kreativität und der Schaffensprozess im Vordergrund. So habe ich nach einem Buchkonzept gesucht, dass diese Herangehensweise widerspiegelt. Daher wurden die Rezepte streng von den Bildseiten getrennt, so kann das Buch als Inspirationsquelle, wie ein illustrativer Bildband genutzt, durch das Auftrennen der Seiten jedoch auch klassisch zum Nachkochen verwendet werden.

In Zeiten des Internets ist es für ein Kochbuch nicht mehr ausreichend nur die Rezepte abzubilden, da diese meist im Netz gesucht und gelesen werden. Ein zeitgemäßes Buch muss einen Mehrwert besitzen, der es wieder und wieder attraktiv macht und die Lust zum Durchblättern anregt. Durch die Vielzahl an Illustrationen, deren unterschiedliche Techniken und den informativen und spannenden Geschichten die hinter den Bilder stehen, wird das Buch zu einer Entdeckungsreise durch die Welt der Zutaten. Der Inhalt der einzelnen Illustrationen wird ebenfalls in den aufzutrennenden Textseiten erläutert, da sie in ihrer Komplexität sehr unterschiedlich sind.

Durch die Vielfalt der Abbildungen bleibt das Buch, Seite für Seite spannend. Zu jedem Gericht wurde recherchiert, was es für interessante und spannende Dinge über die Zutaten oder die Speise in seiner Gesamtheit zu erzählen gibt. Ob Zeichnung, Malerei, Stempeltechnik, der Einsatz von Kohlepapier oder Multimedia-Collagen, jedes Gericht erhält einen individuellen Ausdruck.

Die Kapitel-Trennseiten bilden das Zusammenspiel von Text und Illustration, die verwendete Super Grotesk wird manuell interpretiert und fungiert so als Schnittstelle der beiden Buchebenen. Den Textseiten wurden Auszüge aus den Zeichnungen zugefügt um eine schnelle Orientierung zu ermöglichen und die Zugehörigkeit der Rezepte klar zu strukturieren. Jedes Kapitel hat eine eigene feine Hintergrundstruktur (Linien, Karo, Punkte…), die die Kapitel und ihre Rezeptseiten in sich zusammenhalten.

Da die Bildebene des Buches sehr prägnant ist, wurde die Schriftebene bewusst leise gehalten um zu verhindern, dass die beiden Teile konkurrieren.«

Jumi Jami – Kochen ohne Tiere

Format: 27×21 cm
Papier: GardaPat 13, klassica, 115 g/m²
Cover: folienkaschiert, matt
Druck: Digitaldruck
Auflage: 4 Stück
Inhalt: 258 Seiten
Verarbeitung: Japanische Bindung, klebegebunden, Blattkanten perforiert
Schrift: Super Grotesk
Rezepte: 55
Kapitel: 4 (Suppen, Salate, Hauptspeise, Dessert)

Wir haben Kathi ein paar Fragen zu ihrer Arbeit gestellt:

Slanted:Wie bist du auf dein Diplom-Thema gekommen bzw. was war der Grund, ein Kochbuch zu gestalten?
Ich liebe das Kochen und mir macht es unglaubliche Freude Menschen davon zu überzeugen, dass köstlich nicht gleich mit tierischen Produkten zusammenhängt. Da ich sehr lange rein vegan gelebt habe und nun noch immer Vegetarierin bin, war das Thema Genuss und ein Bewusstsein für das, was man isst schon immer präsent. Seit langem ertappe ich mich dabei, wie selten man noch ein Kochbuch zur Hand nehme, da ja alles im Netz so leicht abrufbar ist.
Zudem gibt es im veganen Bereich kaum interessant gestaltete Bücher. Daher fiel der Entschluss schnell ein andersartiges Buch zu entwickeln. Welches durch einen Mehrwert besticht, das man einfach so gerne anschaut, wie Kunstbildbände oder Illustrationsbücher. Und so ist das Buch “Jumi Jami – Kochen ohne Tiere” entstanden, das als reiner Bildband funktionieren kann oder als klassisches Nachschlagewerk für Rezepte.

SlantedDu hast sogar eigene Kochrezepte kreiert. Wie bist du vorgegangen? Hat dich jemand aus dem Ernährungs-/Kochbereich unterstützt? Hattest du »Vorkoster«?
Ich organisieren in unregelmäßigen Abständen einen veganen Sonntagsbrunch und mache Caterings bei Akademieveranstaltungen bis zu 50 Personen, daher hatte ich schon die notwendige Routine um um mit dem 6-Wochen-Amok-Kochplan von 150 Rezepten klarzukommen. Mein ganzer Freundeskreis musste quasi Essen bis zum Umfallen und bewerten und komplettes Buffet für den Brunch bestand auch nur aus zu testenden Rezepten.
Da es bei Rezepten immer schwierig ist zu sagen, man hätte sie neu kreiert, da irgendwo, wie auch in der Kunst, einer das bestimmt schon mal gemacht hat. Ich habe mich da ganz auf mein Gespür verlassen, habe Dinge umgemodelt die ich als nicht stimmig erfand oder ganz frei ausprobiert, ob das, was im Kopf gut schmeckt auch auf dem Teller funktioniert. Ca. 100 Rezepte waren top, 50 eher so naja oder ganz furchtbar. Während der Diplomzeit war es jedoch nicht möglich so viele Rezepte zu illustrieren, daher wurde eine Auswahl von 55 Stück getroffen.

Slanted: Die Art der Illustration ist sehr vielfältig. Gibt es ein System, wie du an welcher Stelle illustriert hast? Und wie viele Zeichnungen sind insgesamt im Buch zu finden?
Von System kann man nicht sprechen. Ich wollte das Buch so vielfältig wie Möglich halten und habe daher zu unterschiedlichen Techniken gegriffen, um die Aufmerksamkeit des Lesers immer neu entfachen. Für mich als Gestalter hat sich das genauso bemerkbar gemacht, jeden Tag anders an ein Bild heranzugehen hat meine Motivation immer wieder angespornt. Das Buch enthält 55 Rezeptillustrationen und 11 weitere Illus, die offensichtlich oder in den Innenseiten der Kapiteltrennseiten, des Vorworts usw. versteckt sind.

Kathi ist momentan auf der Suche nach einem Verlag, der ihr Kochbuch veröffentlichen möchte. Angebote und Infos bitte an [email protected].

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