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Novo Argumente, Das Debattenmagazin

Offener Brief an Art Direktor Chris Steurer

Autor:

Lieber Chris ,
vor einigen Wochen hast Du mir vier Ausgaben des unabhängigen Magazins Novo Argumente zukommen lassen. Erst einmal Glückwunsch zu diesem Debattenmagazin! Ein sympathisches und ambitioniertes Projekt.

Mir ist gleich aufgefallen, dass in jeder Ausgabe auf der zweiten Seite direkt gegenüber dem Inhaltes immer die Beschreibung des Magazins abgedruckt wird. Ein schönes Manifest, das jeder erst mal inhalieren soll:


NovoArgumente ist ein unabhängiges Debattenmagazin. Wir streiten für Fortschritt und Humanismus und für eine bessere Zukunft durch mehr Wachstum und Freiheit für alle. Uns interessieren Fakten und nicht, was das Stimmungsbarometer misst. Dabei sind wir skeptisch gegenüber selbstgefälliger Volkserziehung, bürokratischer Kleingeistigkeit und neoreligiöser Moral. NovoArgumente schaut genau hin, beschreibt und analysiert. Wir wollen die Demokratie mit neuem Leben füllen, laden zur offenen Debatte ein und bieten dabei auch Raum für Standpunkte und Kontroversen, die die Pfade des Zeitgeistes verlassen. Mitstreiter sind willkommen.

Das Magazin ist seit 1992 auf dem Markt. Markus Peichl (LeadAcademy) schreibt: „NovoArgumente ist ein mutiger Versuch, sich gegen die Langeweile und die Beliebigkeit auf dem Zeitschriftenmarkt zu stemmen. Hier ist sofort ein eigenständiges Konzept zu erkennen, das für inhaltliche Qualität steht.“

Mir ist aufgefallen, dass es wohl kein Budget für Fotos gibt. Wenn, dann sind diese so langweilig, dass sie (alter Trick) auf den Kopf gestellt werden, wie z.B. das Cover der Juli/August Ausgabe. Ist in dieser Flut von bildüberladenen Magazinen die textlastige Publikation der Gegenentwurf, welcher signalisieren soll: hier geht es um Inhalte und nicht um Oberfläche? Wenn dem so ist: welche Bedeutung bekommt dort Typografie? Soll sie kitzeln oder sachlich übermitteln? Ich muss gestehen: mich hat die Typo nicht verführt in die Texte zu gelangen. Die Klaviatur ist für mein Geschmack etwas zu leise und spröde gespielt worden. Aber auch das mag etwas sein, was Chefredakteur und Geschäftsführer Thomas Deichmann so wollte: kein Schnickschnack sondern Klarheit. Warum wird aber auf einen Vorspann zu den Artikeln verzichtet?

Bei Gestaltung interessiert mich die Frage: muss eine Sache so aussehen wie wir es gewohnt sind? Muss ein Grafikmagazin flippig, ein Debattenmagazin nüchtern, ein Saturn nach Schweinebauch und eine Milchverpackung nach Milch aussehen? Wollen wir als Gestalter Erwartungen erfüllen oder durch Überraschung eine Auseinandersetzung mit dem Inhalt provozieren? Welche Gleichung macht eine Designarbeit erfolgreich, bezogen auf das Kräfteverhältnis Zielgruppe-Inhalt-Design?

Mich würde brennend interessieren, welche Argumente es bei Novo gewesen sind, das Magazin so zu gestalten wie es ist. Für Heribert Seifert (Neue Zürcher Zeitung, Schweiz) setzt Novo „auf eine Mischung aus hedonistischem Individualismus, der für die Verantwortung des Einzelnen plädiert, und Interesse an einer libertären Demokratie. Die Frankfurter Zweimonatszeitschrift möchte gern das intellektuelle Zentralorgan der Wende werden.“ War dies das gestalterische Leitmotiv?