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Overnewsed but uninformed

Diplomarbeit von Stefan Bräutigam an der FH Mainz

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Nachrichtenvermittlung war Anfang unseres Jahrhunderts noch auf einige wenige Medien beschränkt. In den 30er-Jahren waren es vor allem staatliche Einrichtungen, die für die Qualität der öffentlich bereitgestellten Informationen bürgten. Heute übernehmen Nachrichtenagenturen, Zeitungen, Internetportale oder Fernsehsender diese Funktion. Die Verarbeitung, Aufbereitung und Lieferung von Nachrichten ist zum Geschäft geworden.

Mit dem jederzeit möglichen Zugriff auf Nachrichten über unterschiedlichste Kommunikationskanäle hat sich eine weite Medienlandschaft mit unzähligen Informationsproduzenten und -lieferanten entwickelt. Für die Rezipienten wird es immer schwieriger, die Authentzität von Nachrichten festzustellen. Sie suchen Quellen, denen sie vertrauen können.

Overnewsed but uninformed hilft bei der Suche. Abläufe werden beschrieben, Besitzverhältnisse und Abhängigkeiten offen gelegt und Nutzerverhalten anschaulich dargestellt. Hintergrundinformationen und die Beobachtung und Analyse der realen Nachricht eines Brückeneinsturzes in Minneapolis vermitteln die Basis, auf der der Rezipient Nachrichten besser bewerten und einordnen kann.

Format: 41,5 x 59 cm (aufgefaltet 83 x 59 cm)
Umfang: 20 Doppelseiten + 2 Bonusposter
Schriften: Serifa und Simple
Papier: Norske Skog – Nornews 45g/qm – Zeitungspapier
Druck: Plotter HP Designjet 500 PS und Siebdruck 1c (weiß)

Mehr Informationen zum Projekt findet Ihr unter www.overnewsed-but-uninformed.de.

Interview mit Stefan Bräutigam

Slanted: Gib uns bitte ein paar Informationen über Dich.
Stefan: Ich heiße Stefan Bräutigam, bin 28 Jahre alt und komme ursprünglich aus Marburg. Nach Abitur und Zivildienst habe ich in einer Werbeagentur eine Ausbildung zum Mediengestalter für Digital- und Printmedien absolviert und danach noch ein Jahr dort gearbeitet. 2003 begann ich das Kommunikationsdesignstudium an der FH Mainz. Im 5. Semester ging ich für ein Auslandssemester an die Faculty of Design der Swinburne University of Technology in Melbourne, Australien. Im Dezember 2007 habe ich mein Diplom als Designer erhalten und seit Anfang dieses Jahres arbeite ich als Selbstständiger für verschiedene Kunden, die ich auch schon zu Studienzeiten betreut habe.

Slanted: Was ist Deine Grafikdesign Richtung? Wie würdest Du Deinen Stil bezeichnen? Wo liegen Deine Stärken?
Stefan: Meine Stärken liegen in der Typografie, dem konzeptionellen Gestalten und dem Buch- bzw. Editorialdesign. Meinen Stil sehe ich eher in der sachlichen Gestaltung – weniger ist mehr – und meiner Meinung nach sollte hinter jeder Gestaltung ein gutes Konzept mit einer Aussage stecken.

Slanted: Wo arbeitest Du am liebsten?
Stefan: Am liebsten arbeite ich umgeben von anderen Kreativen. Im Austausch und in Zusammenarbeit entstehen neue Sichtweisen, es gibt neue Einflüsse und Inspirationen.

Slanted: Was inspiriert Dich?
Stefan: Wenn man die Augen offen hält, findet man Inspirationen an jeder Ecke. Besonders gut gelingt mir dies auf Reisen in fremden Ländern und im Kontakt mit anderen Kulturen. Auch Arbeiten von anderen Designern, egal ob berühmt oder unbekannt, finde ich sehr inspirierend und motivierend. Und dann gibt es da ja noch die unendliche Inspirationsquelle: das Internet.

Slanted: Kannst Du uns eine kleine Beschreibung Deiner Arbeit geben?
Stefan: Ich habe mich kritisch mit der aktuellen Nachrichtenlandschaft auseinandergesetzt. Dabei ist eine 20-seitige Zeitung entstanden, deren Doppelseiten auch als Poster aufgehängt werden können. Auf jeder Doppelseite wird ein Themengebiet aus der Welt der Nachrichten mit Hilfe einer oder mehrerer Infografiken vertieft. Zusätzlich gibt es noch 2 Bonusposter, die der Zeitung gefaltet beiliegen.

Slanted: Warum hast Du diese Arbeit gemacht? Wie bist Du auf die Idee gekommen? Was steckt dahinter?
Stefan: Wie kann man die täglich auf uns einprasselnden Nachrichten richtig filtern? Dies war eine der Fragen, die mich schon seit längerem beschäftigte. Zudem hat es mich interessiert wie die Nachrichten entstehen, wer sie auswählt und wie sie sich verbreiten. Ich fand es auch interessant zu beobachten, wer welche Nachrichten konsumiert und welche Wege durch neue Technologien, wie Web 2.0, möglich wurden. Auch die Besitzverhältnisse und Abhängigkeiten der Unternehmen, die an der Verarbeitung, Aufbereitung und Lieferung von Nachrichten beteiligt sind, interessierten mich. Ich hatte den Plan diese mehr oder weniger versteckten Bündnisse offen zu legen.

Slanted: Was möchtest Du mit Deiner Arbeit erreichen/aussagen?
Stefan: Es sollte ja schon jedem klar sein, wo z.B. der Unterschied zwischen der Tagesschau und den RTL II Nachrichten liegt. „Overnewsed but uninformed“ gibt dazu Hintergrundinformationen und bereitet die gesammelten Daten so auf, dass der Leser die täglichen Nachrichten besser einordnen und bewerten kann. Zudem hilft die Zeitung bei der Suche nach authentischen Nachrichtenquellen und zeigt neue Wege der Nachrichtenvermittlung auf.

Slanted: Wie/Wo wäre die ideale Anwendungsweise?
Stefan: Vielleicht als Beigabe zu einer der großen renommierten Tages- oder Wochenzeitungen.

Slanted: Arbeitest Du eher darauf los oder gibt es lange Konzeptionsphasen?
Stefan: Kommt auf die Aufgabe an. Ich gehe aber eher systematisch an die Sache heran. Gerade bei meiner Diplomarbeit war eine lange Konzeptionsphase unabdingbar. Ich denke auch, dass ein gutes Konzept die Basis für eine gute Gestaltung bildet.

Slanted: Wie lange hast Du an Deinem Werk gearbeitet?
Stefan: Insgesamt 6 Monate. Davon waren ca. 4 Monate Recherche und Konzeption und 2 Monate Gestaltung und Produktion.

Slanted: Wer hat Dich betreut und wie hast Du davon profitiert?
Stefan: Betreut wurde ich von Prof. Philipp Pape, bei dem ich schon zuvor zwei Kurse belegt hatte. Durch seine konzeptionelle Ausrichtung und seine guten Ratschläge hat er mich immer ein Stück vorangebracht. Aber auch von meinen Kommilitonen und meinem Mitbewohner habe ich immer wieder hilfreiches Feedback bekommen.

Slanted: Hast Du Deine Arbeit handgemacht (gedruckt, veredelt etc.)?
Stefan: Zum einen sind alle Grafiken handgemacht, was heißen soll, dass ich sie alle von Hand in Freehand oder Illustrator gebaut habe und sie nicht von einem Programm wie Processing generiert sind. Zum anderen habe ich die Zeitungsbögen selber im Copyshop mit einem Plotter bedruckt und auch ein Teil des Siebdrucks habe ich selbst realisiert.

Slanted: Hast Du Vorbilder? Was interessiert Dich an dieser/n Person/en? Welche Arbeiten gefallen Dir?
Stefan: Es gibt viele verschiedene Designer und Büros deren Arbeiten ich toll finde. Auch das Grafikdesign aus Holland oder aus der Schweiz finde ich immer wieder beeindruckend. Während meines Studiums habe ich mich mal eine Zeit lang mit Josef Müller-Brockmann beschäftigt. Ein Vorbild in dem Sinn ist er nicht, ich finde jedoch, dass seine Arbeiten von fundamentaler Bedeutung sind.

Slanted: Was sind Deine Pläne für die Zukunft?
Stefan: Zurzeit arbeite ich an meinem Portfolio und bin auf der Suche nach einem Designbüro das zu mir passt. Ich möchte mich weiterentwickeln und noch einiges dazulernen.

Danke und alles Gute!

Hier noch ein paar Bilder zur Arbeit!