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›Q‹

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Kaum ein Buchstabe des lateinischen Alphabets der so sehr den Moden und Trends, den Individualisierungen der Schriftschneider und ihren Vorlieben für Ornamentales oder Rationales, für Gewelltes oder Gepfeiltes, Untersetztes oder Hineinragendes Anlaß zur Gestaltung geboten hat.

In manchem Auftreten entfernt an das Symbol für Durchschnitt erinnernd, kann man doch gerade an ihm gut den Charakter und Qualität einer Schrift erkennen und einordnen. Kein Wunder also, daß er in ebendiesem Wort ›Qualität‹ eine führende Rolle innehat – wie aber auch, und das ist nicht unwichtig für eine Schrifttype, wie für Geschriebenes im Allgemeinen, in einem weiteren Kriterium, der ›Quantität‹.

Bezeichnend auch, daß die Ursprünge von Schrift und und Text, die Frage (Question) und das Zitat (Quote), direkt von ihm eingeleitet werden. Er steht damit zugleich rahmend als Symbol unserer Wissens- und Informationsgesellschaft – und nicht zuletzt hat ihn Hollywood auch deshalb als Namen für einen genialen Erfinder von technischen Innovationen für subversive Aktivitäten gewählt.
Seine verwandschaftlichen Beziehungen zum runden, vollständingen ›O‹ nicht verleugnend, gibt ein, wie auch immer gearteter Appendix, diesem Letter jedoch die in vielen Fällen dringend notwendige Gewichtung, eine Dynamik, den Drive – eben jenes Extra, welches das hohle Innere seines Artgenossen erfolgreich attakiert, in Frage stellt oder hervorhebt.

Ob dies nun in Pfeilform oder als ringelnde Schlange (man bemerke: frz. und engl. Queue) erfolgt, prägt er zweifelsohne entscheidend den Stil eines gesamten Schriftsatzes und ist zugleich treffender Verweis auf einen Kern – der durch sinnvolle Texte ausgefüllt werden will.

Exotische Grüße aus San Serife,
Kwotes
11.05.04

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