Signing-Tehran_01.jpg

Signing Tehran – Eine Designreporteage

Diplomarbeit von Wahideh Abdolvahab, FH Düsseldorf

Author:

 

Im Rahmen ihrer Diplomarbeit verbrachte Wahideh Abdolvahab, fünf Monate im Iran. Während des fünf-monatigen Aufenthaltes in der Hauptstadt Teheran, betrieb sie eine intensive Recherche über iranisches Grafikdesign.

Um sich einen genaueren Eindruck über die Designer selbst, ihre Arbeitsweise und insbesondere über die Arbeitsbedingungen in Teheran zu verschaffen, besuchte sie viele dieser Designer persönlich und begleitete sie einen oder mehrere Tage lang.

Alle Erfahrungen und Eindrücke, die sie auf dieser spannenden Reise erlebte, Arbeiten der iranischen Designer, Interviews und Reportagebilder aus deren Alltag und das Leben in der 12 Millionen-Einwohner Stadt Tehran, hat sie in ein 730 Seiten starkes Buch zusammengefasst.


Wahideh im slanted Interview

slanted: Gib uns bitte ein paar Informationen über Dich und/oder die Firma, für die Du arbeitest.
Ich heisse Wahideh Abdolvahab und bin 28 Jahre alt. In diesem Sommersemester habe ich an der FH Düsseldorf das Kommunikationsdesign-Studium mit dem Diplom beendet. Nach einer kurzen Erholungspause suche ich nun nach dem passenden Job.

slanted: Was ist Deine Grafikdesign Richtung? Wie würdest Du Deinen Stil bezeichnen? Wo liegen Deine Stärken?
Ich arbeite mit viel Liebe zum Detail. Eine besondere Richtung kann ich aber nicht benennen. In den letzten Jahren habe ich meine Vorliebe für Buch- und Magazingestaltung entdeckt. Hoffe mich in dieser Richtung weiter entwickeln zu können.

slanted: Wo arbeitest Du am liebsten?
An einem grossen Schreibtisch, auf einem bequemen Stuhl, vor einem Mac, umgeben von interessanten Menschen.

slanted: Was inspiriert Dich?
Ich versuche mir immer so viel wie möglich anzuschauen, Ausstellungen, Bücher, Magazine, Filme… Ich reise aber auch sehr gerne und neue Eindrücke aus fremden Kulturen können oft inspirierend sein. An meiner Diplomarbeit ist das sehr gut zu erkennen.

slanted: Kannst Du uns eine kleine Beschreibung Deiner Arbeit geben?
In über 730 Seiten habe ich die Entwicklung des iranischen Grafik Designs seit Beginn (vor ca. 50 Jahren) bis Heute chronologisch in einem Buch zusammengefasst. Dabei bekommt der designinteressierte Leser nicht nur einen Einblick in die Entwicklung des iranischen Grafik Designs der letzten Dekaden, die von mir geführten Interviews und Bildreportagen beantworten viele Fragen bezüglich der Arbeitsweise und Arbeitsumfeld der Designer in Tehran und was sie beeinflusst und inspiriert.

Darüber hinaus gebe ich in einer fünfteiligen Bildreihe Einblicke in das Tehraner Alltagsleben aus verschiedenen Perspektiven; „SIGNING TEHRAN“, „MOVING TEHRAN“, „LIVING TEHRAN“, „COOKING TEHRAN“ und „STYLING TEHRAN“.

slanted: Warum hast Du diese Arbeit gemacht? Wie bist Du auf die Idee gekommen? Was steckt dahinter?
Vor ca. 1 1/2 Jahren kam ich zum ersten Mal mit iranischem Grafik Design in Berührung. Ich war erstaunt über die Qualität der Arbeiten und konnte es kaum glauben, dass es meine Landsleute sind, die diese tollen Arbeiten liefern. Nicht, weil ich es ihnen nicht zugetraut hätte, sondern, weil diese Menschen, die gerade in einem Land wie dem Iran leben, ganz anderen sozialen und politischen Bedingungen ausgeliefert sind, als wir in Europa. Das Wort Freiheit hat da eine andere Definition. Wie können Künstler, deren Freiheit eingeschränkt ist trotzdem kreativ sein und wunderbare Arbeiten zustande bringen? Inwiefern ist ihre Arbeit durch Religion und Staat beeinflusst?…

Um auf diese vielen Fragen, die mich beschäftigten Antworten zu finden, beschloss ich für mehrere Monate nach Tehran zu fliegen um die Designer selbst zu befragen und mir vor Ort einen Eindruck zu verschaffen.

Obwohl ich in Tehran geboren bin und meine Kindheit dort verbracht habe, war es für mich das erste Mal, dass ich nach 20 Jahren meine Heimat besuchte. Mit nichts in der Hand setzte ich mich im September 07 ins Flugzeug richtung Tehran, nicht ahnend, dass ich fünf Monate später mit 40 kg Übergepäck, vielen Interviews, über 3000 Bildern und vielen neuen, interessanten Bekanntschaften zurück nach Deutschland fliegen würde.

slanted: Was möchtest Du mit Deiner Arbeit erreichen/aussagen?
Angesichts der Nachrichten, die uns in Europa über den Iran erreichen, werden besonders in jüngster Vergangenheit mit diesem Land nur Schreckensmeldungen über Krieg, fundamentalistische Staatsoberhäupter und deren Atomprogramme in Verbindung gebracht. Mit meiner Arbeit möchte ich den Menschen, die den Iran nur aus den Nachrichten kennen, einen ganz neuen Einblick auf das Land und insbesondere auf seine 12 Millionen-Einwohner Hauptstadt, Tehran ermöglichen.

slanted: Wie/Wo wäre die ideale Anwendungsweise?
Wäre toll, wenn sich im europäischen Raum, einen Verleger finden würde, der dieses Buch produziert!!!! Bin auf der Suche und gebe mein Bestes.

slanted: Arbeitest Du eher darauf los oder gibt es lange Konzeptionsphasen?
Bevor ich anfange zu arbeiten, brauche ich unbedingt eine „Einarbeitungszeit“. Das heiss, dass ich mich erst mit dem Thema beschäftige, z.B. durch Internetrecherche, um mich damit genauestens auszukennen. Dann kann ich erst loslegen.

slanted: Wie lange hast Du an Deinem Werk gearbeitet?
Die meiste Recherchearbeit habe ich in Tehran gemacht. Wieder in Deutschland, begann die eigentliche Arbeit, ich musste anfangen mich durch den mitgebrachten Berg an Materialien zu arbeiten, alles zu ordnen und ein Konzept zu entwickeln, die Theorie zusammenstellen und dann anfangen zu gestalten. Nicht zu vergessen das Durchhören und Übersetzen der Interviews, welches sehr zeitaufwändig war. Für das alles habe ich insgesamt vier Monate gebraucht.

slanted: Wer hat Dich betreut und wie hast Du davon profitiert?
Herr Prof. Victor Malsy und Herr Prof. Uwe J. Reinhardt von der FH Düsseldorf waren meine Betreuer. Die beiden haben mir von Anfang an gezeigt, dass sie Voll und Ganz hinter mir stehen und haben mich in allem unterstützt. Sowohl während meines Aufenthaltes in Tehran, als auch später haben sie mich sehr gut begleitet und mich immer durch ihr Feedback und Kritik inspiriert und weitergebracht.

Sehr ermutigend in dem Auf und Ab der Diplomphase, die wohl jeder durchmacht, fand ich die zweiwöchigen Diplomkorrekturen, die in der Gruppe stattfanden. So konnte man sich auch mit anderen, ähnlich verzweifelten Diplomanden austauschen und teilweise ganz neue Gesichter kennenlernen. Kann ich nur empfehlen.

Hast Du Deine Arbeit handgemacht (gedruckt, veredelt etc.)?
Druck: Hani Mohammadian Printproduktion
www.theprinting.com
+49 173 53 68 998

gedruckt wurde auf der HP Indigo

Papier:
Munken Lynx 130g

Papierformat:
180 x 240 mm

Schrift:
Helvetica Neue (T1) 25 Ultra Light und 35 Thin

Buchbinder:
Buchbinderei Bruno E. Mensch
Spichernstr. 69
50672 Köln
+49 2241 38 34 38

Prägung:
Heißfolienprägung

Umschlag:
Original handbemalter Stoff aus Isfahan | Iran (typisch für Iran)

Umfang:
730 Seiten

slanted: Hast Du Vorbilder? Was interessiert Dich an dieser/n Person/en? Welche Arbeiten gefallen Dir?
Reza Abedini, den ich in Tehran kennenlernen und mehrere Tage begleiten durfte, finde ich sehr interessant. Abgesehen von seinen preisgekrönten Arbeiten, die ich fantastisch finde, hat er mich als Mensch durch seine offene, unkomplizierte, zugleich freche Art begeistert. (rezaabedini.com)

slanted: Was sind Deine Pläne für die Zukunft?
Momentan bin ich auf der Jobsuche und hoffe in einem guten Editorial oder CI Büro unterzukommen.
Meine Professoren und ich sind natürlich sehr bemüht einen passenden Verleger für das Buch zu finden.

Das sind erst einmal meine nächsten Ziele. Danach sehen wir weiter…

slanted: Vielen Dank für deine beeindruckende Arbeit.