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Thomas Lupo: Anleitung zum Ausbrechen

Samstag, 19 Uhr / Hall

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»Schauen Sie doch mal unter Ihren Sitz. Vielleicht finden Sie da eine Kamera.« – So beginnt der Vortrag von Thomas Lupo, dem ehemaligen Studenten des Fachs Visuelle Kommunikation an der DESIGN PF, der heute als Art Director bei Jung von Matt arbeitet.

Diejenigen, die nun eine Kamera finden, sollen doch bitte ein paar Fotos machen, sowohl während des Vortrags als auch danach. Die Bilder der später wieder zurückgebrachten Kameras werde er nächste Woche auf der Seite arthelps.de online stellen.

Thomas Lupo spricht in seinem Vortag vom Potential, das in jedem Kreativen steckt, aber leider zu wenig genutzt wird. Viele Leute in der Design-Branche hätten das Gefühl, nichts Sinnvolles zu tun. Eine Menge Arbeiten seien nicht nachhaltig. Seine zentrale Frage in dieser Problemstellung: Wie kann man ausbrechen?

Auf seiner Hochzeitsreise ist er auf die Favelas (in Brasilien) aufmerksam geworden. Er beschloss mithilfe eines Kreativprojekts den Kindern zu helfen. Später kam er zurück, mit dem Ziel den Kindern dort durch ein kreatives Projekt zu helfen. Da man von Außen, als Tourist keine Chance hat, in die Viertel zu gelangen und immer ein Abstand bestünde, arbeitete er in einer Kindertagesstätte – wurde »Teil des Systems«.

Der Kontakt zu den Kindern war schnell geknüpft, es ergab sich ein erstes Thema: Monster. Die anfänglichen Skizzen wurden zu großen Plakaten und schließlich zur Wandgestaltung. Ein weiteres »Ausbrechen«, raus aus der Kindertagestätte, auf die Straße. Das Projekt kam gut an, Familien, Nachbarn, alle wollten an ihren Häuser eines der Monster sehen.

Die Kinder machten durch diese Streetart auf sich aufmerksam, zunächst in der Favela selbst. Aber dabei blieb es nicht. Thomas Lupo fasst ihre Arbeiten in einem Buch zusammen und bringt ihre Geschichten mit nach Europa (die Publikation »Pra Fora« erscheint demnächst). Das Geld, das eingenommen wird, soll zurück gehen und der Kindertagesstätte zugute kommen.

Die Monster waren nur ein Teil des großen Projekts. Weitere Themen waren: Schriftgestaltung, T-Shirts, genähte Stoff-Monster, Stencils und vieles mehr. Aus Karton bauten sich die Kinder Gegenstände, die sie nicht besitzen (können): Kameras, Stereoanlagen, Handys, Computer, … Zum Teil mit eingesetzten echten Batterien. Stundenlang wurde mit der neuen Ausrüstung gespielt, auch »Konzerte« wurden aufgeführt.


Etwas, das Thomas Lupo immer noch (wohl am meisten) beeindruckt, sind die Aufnahmen, die mit Lochkameras gemacht wurden. Zusammen mit den Kindern baute er diese ganz einfachen Lochkameras und erklärte, wie sie funktionieren. Die Bilder entstanden dann ohne ihn. Und genau daher kommt das Mystische, das Geheimnissvolle. Die Kinder fotografierten meist vom Boden aus, da sie nicht wackeln wollten. Auf den Fotos sind Freunde, Geschwister, Innenräume und Straßenecken zu sehen. Ein leichter Schleier liegt darüber, wie ein Filter, außerdem sieht man einen ausgefranste Kontur, die jedes Foto umrandet (durch den Cutten bei der Herstellung der Kamera entstanden).

Was Lupo mit seinem Projekt sagen möchte ist, dass jeder, und gerade wir als Designer, das Fähigkeit hat, die Welt zu verändern – mit eben solchen Projekten. Aufbauend auf dem Favela-Projekt hat er auch Art Helps gegründet, eine Initiative von Kreativen und Künstlern, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, durch Kreativität Potentiale von Menschen in benachteiligten sozialen Lebensverhältnissen zu entdecken und zu fördern.

Wer also demnächst auf die Homepage von Art Helps geht, um die Fotos der unter den Sitzen gefundenen Kameras zu sehen, kann noch viel mehr entdecken!

Leider hat der Akku meiner Kamera nicht ganz mitgearbeitet. Deshalb: Viele weitere Bilder und Eindrücke von Pra Fora hier.