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Toys, Tricks & Tools

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Die Designblast ging am 18. November in die sechste Runde. Seit dem ersten Event (2006), damals noch unter dem Titel “Communication Next”, zieht die kostenlose Designkonferenz jährlich zahlreiche Besucher in die Räumlichkeiten der HfG in Karlsruhe – so auch dieses  Jahr. 

Da gestalterische Prozesse und Projekte nicht nur gedacht werden können, kommt für jede Konzeption irgendwann der Punkt der Manifestation. Spätestens dann stellt sich die Frage, mit welchen Mitteln dem Wunderwerk an Gedanken Ausdruck verliehen werden soll. Die 2011er Konferenz stellte dies in den Mittelpunkt und eröffnete den Besuchern Einblicke in die Werkzeugpalette der perfekt ausgewählten Sprecher. 

Der sympathische Franzose Sebastien Noel von Troika eröffnete als erster Sprecher die Konferenz. In seinem exzellenten Vortrag beschreibt er, wie wichtig dem 3-köpfigen Team bei Troika die kontextuelle Verknüpfung zum traditionellen Handwerk aus Industrie und Praxis ist. Kaum zu glauben, dass unter diesem Vorsatz solch sinnliche Objekte wie die “Cloud” für die British Airways entstehen konnten. Diese Objektinstallation passiert der Besucher des Londoner Flughafens beim Aufgang in den Lounge-Bereich. Ein wolkenartiges Gebilde, dessen Hülle komplett aus den Flip-Scheiben von Anzeigetafeln besteht. Der Wechsel der Scheiben kleidet das Objekt ständig neu, appliziert atemberaubende Muster mit einem ganz eigenen, aber auch vertrauten Geräusch.

Weiter ging es mit Harrison von OSP (Open Source Publishing), einem Designer aus Brüssel, der sich selbst der “F/LOSS” Bewegung angeschlossen hat – eine Bewegung, die es sich zum Ziel gemacht hat alle Projekte mit frei verfügbaren Open-Source-Anwendungen zu gestalten und umzusetzen. Alle Mittel zur Gestaltung müssen »frei« verfügbar sein.

Karl Nawrot, ein Partner des Studios Voidwreck, gab darauf folgend Einblick in seine Schablonen-Experimente. Er zeigt wie man das vermeintlich »Gleiche« durch Veränderung simpler Parameter wie Richtung, Stellung und Seite immer wieder neu variieren und gestalten kann. Seine Arbeiten bewegen sich vorwiegend im Schwarz und Weiß. Ein weiteres Mittel, um den Betrachter nicht vom strukturellen Fokus zu trennen. Herausragend waren seine Kreisschablonen, die mit unterschiedlichsten Mustern gestanzt ein luxuriöses Tool für Gestaltung ohne Rechner sind. Durch diese Formbeschränkung kreiert er spröde Gebilde aus Grafik, Raum und Typografie.

Für artifizielle Klang- und Sound Projekte sorgte im Anschluss Yuri Suzuki, der das Publikum an zahlreichen Kreationen aus seinem Labor teilhaben lies. Dabei hält er Betrachter bzw. Zuhörer immer die feine Idee des Ganzen vor Augen. Die “Sound Chaser” fahren zerschnittene Schallplattenringe, die zu einer Art Carrera-Bahn zusammengelegt werden ab und spielen krächzend ein Sample aus den zusammengelegten Plattenteilen ab. Das Projekt “White Noise” ermittelt die Menge an Umgebungslärm und kontert diesen mit der gleichen Menge “White Noise”, einer Idee von schönem Umgebungsklang wie etwa Vogelstimmen.

Im Anschluss stellte Uta Eisenreich ihre Versuche mit Ordnungssystemen und Spielstrukturen vor, welche in Ihrem Buch “A Not B” visuell aufgearbeitet wurden. In Ihrer fotografischen Arbeit scheint die Vorliebe für soziokulturelle Untersuchungen hindurch. So entwickeln ihre oft zwanghaft wirkenden Arrangements aus Gegenständen und Abbildungsperspektiven eine merkwürdige menschliche Narration und legen das Spannungsverhältnis zwischen Begriff und Bild frei.  

Als letzten Vortrag berichtete der Typograf Radim Peško an Hand von ausgewählten Projekten vom Kern seiner Arbeit, welcher sich neben der Entwicklung von typografischen Systemen vor allem auf die Analyse, Auswirkung und Dokumentation von kulturellen Wirklichkeiten bezieht. Radim Peško zeigte eindrucksvoll was es bedeutet eine feingliedrige, grafische Begleitung für Kulturprojekte zu gestalten – wie bei der Dokumentation des Projektes “FROM MORNING TILL NIGHT” bei dem ein ganzes tschechisches Dorf in die Peripherie der Tate zog und Ihre Wirklichkeit in den Alltag des Londoner Stadtlebens transportierte.

Außerdem wurde, wie immer, der :Output Award durch Florian Pfeffer an die glücklichen Preisträger überreicht und der Abend endete in einer beachtlichen Party. Alle Beteiligten, voran natürlich die engagierten Studenten der HfG machten diese Veranstaltung zu einem hochkarätigen Event in der Landschaft des europäischen Designs. 

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