bauhaus imaginista – Moving Away: The Internationalist Architect / Moskau

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Das Bauhaus (1919-33) war in seinem 14-jährigen Bestehen aktiver Bestandteil der internationalen Bewegung der Moderne. Der erste Direktor der Schule, Walter Gropius, einer der Mitglieder der Internationalen Kongresse für Moderne Architektur (CIAM), half dabei, ein Netz von modernistischen Architekten in ganz Europa und den Vereinigten Staaten zu schaffen – wie sein dritter und letzter Direktor, Mies van der Rohe. Hannes Meyer, der zweite Direktor der Schule, stand im Dialog mit der Avantgarde der Sowjetunion und Lateinamerikas. Der weltweite Ruf der Schule war Basis für die Schaffung von modernistischen Konzeptionen in Form, Methode und Ethos in Architektur und Design.

 

Die Moskauer Ausstellung bauhaus imaginista – Moving Away: The Internationalist Architect beschäftigt sich mit der komplexen Beziehung zwischen Bauhaus und Sowjetunion durch die Erfahrungen ehemaliger Bauhaus-Lehrer und -Studenten in Moskau in den 1930er Jahren. Sie eröffnete vorletzte Woche im Moskauer Garage – Museum of Contemporary Art im Gorki Park.

 

Hintergrund: Von Anfang an waren die Designideen des Bauhauses stark von der russischen Avantgarde beeinflusst, wobei sich die Kommunikationswege zwischen ihm und der Moskauer Design- und Architekturschule Vkhutemas (1920-30) schon früh etablierten. Als Hannes Meyer 1927 die neu gegründete Bauabteilung am Bauhaus Dessau gründete, wurde diese russische Verbindung durch regelmäßige Besuche, Gastvorträge und Ausstellungen gestärkt.

 

Nach seiner politisch motivierten Entlassung im Jahr 1930 reisten Meyer und sieben seiner Bauhaus-Studenten auf Einladung der Sowjetregierung nach Moskau. Zu dieser Zeit waren Besuche von Architekten und anderen Ingenieuren üblich. Während seiner Zeit in der Sowjetunion arbeitete Meyer für eine Reihe von Instituten und arbeitete an mehreren städtischen Projekten mit. Als Meyer 1936 in die Schweiz abreiste, arbeiteten seine ehemalige Studenten für die sowjetischen Staatsagenturen weiter und waren federführend bei der Gestaltung von Bildungseinrichtungen, Inneneinrichtungen und Wohnanlagen. Sie führten städtebauliche Studien durch und planten Großstadtneubauten wie Orsk im südlichen Ural. 

 

Unter Stalins Regime wurden avantgardistische Ideen kurzerhand abgelehnt, mehrere Bauhaus-Architekten inhaftiert und sogar zu Tode verurteilt. Viele verließen die Sowjetunion mit den Säuberungsaktionen Stalins und verstreuten sich in die unterschiedlichsten Teile Europas, Asiens und Südamerikas. Mitte des 20. Jahrhunderts tauchten dann an Orten wie Ungarn, Chile, der Deutschen Demokratischen Republik und Nordkorea die am Bauhaus ausgebildeten Architekten als Städteplaner und Pädagogen auf.

  

bauhaus imaginista: Moving Away konzentriert sich auf einige dieser Architekten / Planer: Der zweite Bauhaus-Direktor Hannes Meyer; Philipp Tölziner, der mit ständigem Wohnsitz in Moskau blieb; der kürzlich verstorbene Konrad Püschel, der in Weimar starb; und Lotte Stam-Beese, die erste Frau, die in der Bauabteilung des Bauhauses Dessau studierte. Heute sind die Bestände ihrer Ländereien auf mehrere Institutionen verteilt: das Bauhaus-Archiv Berlin, das Archiv der Stiftung Bauhaus Dessau, das Archiv des Deutschen Architekturmuseums Frankfurt (DAM), das gta-Archiv der ETH Zürich und das Niederländische Architekturinstitut. 

Für die Ausstellung im Garage wurden zeitgenössische Künstler und Theoretiker eingeladen, auf diese persönlichen Archive zu antworten und Material zu den sozialistischen Hintergründen der Architekten und zur Arbeit in der Sowjetunion zu produzieren. Beteiligt waren die Künstlerin Alice Creischer, die Theoretikerin Doreen Mende und die Forscher Tatiana Efrussi und Daniel Talesnik. Die Ausstellung präsentiert deren Antworten und beinhaltet auch Material, das durch die Lesungen der Teilnehmer generiert wurde, sowie ausgewählte Archivbestände, die von den Kuratoren Marion von Osten und Grant Watson ausgewählt wurden. 

 

Im Rahmen des öffentlichen Ausstellungsprogramms wird zudem die Künstlerin Wendelien van Oldenborgh ihre Forschung über das Leben und das zeitgenössische Erbe von Lotte Stam-Beese vorstellen, die nach der Umsetzung ihrer Ideen in Orsk 1935 in die Niederlande zog und nach dem Zweiten Weltkrieg für ihre Arbeit zur Rekonstruktion von Rotterdam berühmt wurde. Van Oldenborghs Arbeiten werden 2019 auf der Jubiläumsausstellung im Haus der Kulturen der Welt (HKW) Premiere feiern, in Moskau konnte man bereits im Rahmen der Archive Talks einen Eindruck anhand eines Script-Readings und Screenings erhaschen.

 

Mehr Einblicke gibt es mit einer kleinen Video-Dokumentation der Ausstellung von Silke Briel und einer Zusammenfassung der Archive Talks. bauhaus imaginista ist eine Zusammenarbeit zwischen der Bauhaus Kooperation Berlin Dessau Weimar, dem Goethe-Institut und dem Haus der Kulturen der Welt. Das Forschungsprojekt mit verschiedenen Ausstellungsstationen findet anlässlich des 100 -jährigen Gründungsjubiläums des Bauhauses statt. bauhaus imaginista wird ermöglicht durch Mittel der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), die Kulturstiftung des Bundes (KSB) unterstützt die Ausstellung in Berlin, das Auswärtige Amt die Auslandsstationen.

Fotos: © Julia Kahl, © Silke Briel

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