Kontiki / Felix Braden

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Die Schriftart Kontiki simuliert digital einen handgemachten Holzdruck, ist aber weniger aufwendig in der Produktion und besser zu korrigieren. Dem Designer bietet das die Möglichkeit ein Druckbild, ähnlich einem traditionellen Holzschnitt zu schaffen, ohne dass er etwas dem Zufall überlassen muss. Der Charme von manuell hergestellten Drucksachen hat einen besonderen Wert und ist heute ein Zeichen für Qualität und guten Geschmack. Daher eignet sich Kontiki hervorragend für Werbung, Verpackungs-, Editorial- und Corporate Design. 

Für die Erstellung der Schrift wurden 193 Glyphen per Hand aus fünf Holzplatten geschnitten und manuell gedruckt. Aus unzähligen Testdrucken wurden die interessantesten vier ausgewählt und digitalisiert um die unterschiedlichen Schnitte von Kontiki zu erstellen. Zu jedem der 560 Zeichen bietet die Schrift vier verschiedene Druckbilder und gibt dem Designer die Möglichkeit zu variieren und ein bewegtes Schriftbild nach seinen eigenen Vorstellungen zu schaffen.

Die Kontiki Familie bietet vier Schnitte mit unterschiedlichem Druckbild als separate Schriftdateien mit jeweils 560 Glyphen. Die Pro Version vereint alle 2.240 Zeichen in einer Schriftdatei und enthält die einzelnen Varianten als »Stylistic Alternates«. Außerdem ermöglicht das OpenType Feature »Contextual Alternates« eine zufällige Variation der Glyphen mit unterschiedlichem Druckbild. Beim Kauf der Pro Version sind die einzelnen Schnitte kostenlos enthalten. Wer mit seiner Layout-Software keinen Zugriff auf diese OpenType Features hat, sollte besser die Einzelschnitte verwenden. Alle anderen sollten aber auf jeden Fall die Pro Version nutzen, schon wegen des optimierten Kernings bei Glyphen aus unterschiedlichen Schnitten.

Kontiki enthält Versal- und Mediävalziffern für Fließtext und Tabellensatz sowie mathematische Zeichen und gängige Währungszeichen in allen vier Schnitten. Um den Bedürfnissen der globalen Kommunikation gerecht zu werden bietet Kontiki eine umfangreiche Sprachunterstützung für alle west-, ost- und mitteleuropäischen Sprachen: Afrikaans, Albanisch, Baskisch, Bosnisch (Latein), Bretonisch, Dänisch, Deutsch, Englisch, Färöisch, Finnisch, Französisch, Filipino (Tagalog), Frisisch, Galizisch, Grönländisch, Isländisch, Indonesisch, Irisch, Italienisch, Katalanisch, Korsisch, Kroatisch, Kurdisch (Latein), Leonesisch, Niederdeutsch,  Niederländisch, Luxemburgisch, Malagasy, Malaiisch (Latein), Norwegisch (Bokmål), Norwegisch (Nynorsk), Okzitanisch, Polnisch, Portugiesisch, Rätoromanisch, Rumänisch, Schottisch-Gälisch, Schwedisch, Serbisch (Latein), Slowakisch, Slowenisch, Sorbisch (Nieder - und Ober-), Spanisch, Swahili, Tahitisch, Tschechisch, Turkmenisch, Ungarisch und Wallon.

Tuna unterstützt die folgenden OpenType Features: Standard Ligatures, Lining Figures, Oldstyle Figures, Tabular Figures, Tabular Old Style Figures, Fractions, Nominators, Denominators, Inferiors, Ordinals, Contextual Alternates. Dieses Feature ist nur in der Pro Version enthalten und ermöglicht eine zufällige Variation der Glyphen mit unterschiedlichem Druckbild. Die unterschiedlichen Stylistic Sets können natürlich auch manuell ausgewählt werden.

Inspiriert von den handgemachten Drucken seiner Frau, entschied sich Felix Braden einen kompletten Schriftsatz in Holz zu schneiden und manuell zu drucken. Er begann bei einer seiner Lieblingsschriften – Century Schoolbock – den Wechselstrich zu reduzieren, um auf dieser Basis eine Clarendon zu zeichnen. Ein leichter und ein fetter Schnitt wurden digitalisiert, um daraus einen halbfetten Schnitt zu interpolieren und in Holz zu schneiden.

Nach Testläufen mit verschiedenen Materialien und Größen, entschied er sich für einen Holzschnitt mit einer Schriftgröße von 150 Punkt und schnitt einen kompletten Schriftsatz auf fünf Druckplatten. Auch beim Papier waren viele Testdrucke nötig. Letztendlich fiel die Wahl auf ein mattgestrichenes Druckerpapier mit glatter Oberfläche, denn auf rauhen Papieren sind die Druckeffekte kaum sichtbar und gehen durch die starke Papierstruktur verloren. Jede Platte wurde in einer Auflage von 30 Stück gedruckt und jeweils vier Qualitäten für die Digitalisierung gewählt: ein normaler Druck, einer mit halber Kraft und zwei Folgedrucke ohne neuen Farbauftrag.

Danach wurde der komplette Satz gescannt und alle Glyphen eines Druckgangs in einer Bilddatei gesammelt. Um einfache Pfade für die Vektorisierung (mit Georg Seiferts Glyphs-Erweiterung »Trace Image«) zu bekommen, mussten die Bilder mit einem Weichzeichner und dem Helligkeit-interpolieren-Filter in Photoshop bearbeitet werden, denn in einem gut funktionierenden Font sollten die einzelnen Glyphen nicht mehr als 1.000 Punkte und nur gerade Konturlinien besitzen. Danach wurden alle Zeichen in Glyphs bearbeitet, optimiert und die Fonts generiert.

Felix Braden lebt und arbeitet in Köln. Er hat an der Fachhochschule Trier Kommunikationsdesign bei Andreas Hogan studiert und mit Jens Gehlhaar bei Gaga Design gearbeitet. Er war eines der Gründungsmitglieder von Glashaus-Design, und arbeitet zur Zeit als Art Director bei MWK Cologne und als freischaffender Schriftgestalter. Im Jahr 2000 gründete er die Foundry Floodfonts und gestaltete viele kostenlose Schriften, die über Adobe Typekit verfügbar sind (Moby, Bigfish, Hydrophilia, u.a.). Seine kommerziellen Schriften werden vertrieben vom Fontshop (FF Scuba), Floodfonts (Capri, Sadness, Grimoire), URW++ (Supernormale), Volcanotype (Bikini) und Ligature Inc (Tuna als Kooperation mit Alex Rütten). FF Scuba ist einer der Gewinner des Communication Arts Typography Annual 2013 und wurde in vielen Bestenlisten genannt darunter Typographica, Typefacts, Typecache und Fontshop. Kontiki war für den German Design Award 2019 nominiert.

Kontiki

Foundry: Floodfonts
Designer: Felix Braden
Veröffentlichung: Oktober 2018
Format: OTF / TTF
Schnitte: Fine, Rancid, Rotten, used
Preis pro Schnitt: bis 17. November im Angebot für 9,– Euro, sonst 17,99 Euro
Preis Familie: bis 17. November im Angebot für 27,50 Euro, sonst 54,99 Euro

 

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