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von der anstrengung weniger lesbar zu sein

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Das Buch „Von der Anstrengung weniger lesbar zu sein“ möchte die Grenzen zwischen Lesbarkeit, Informationsvermittlung und ästhetischem Formenspiel ausloten.

Wie hat sich das Rezeptionsverhalten bezogen auf visuelle Kommunikation verändert? Wie wird Typografie heute wahrgenommen und warum funktioniert experimentelle Typografie, obwohl doch anerkannte GrafikerInnen das Gegenteil behaupten?

Der Leser wird mit vielen Fragen konfrontiert, deren Antworten nicht servierfertig zubereitet sind. Es kann nicht die eine Wahrheit geben, so dass auch nicht immer klare Antworten gefunden werden können. Stimmen von Außen sollen die unterschiedlichen Positionen dokumentieren, so dass der Leser möglichst unterschiedliche Blickwinkel kennen lernt. Er wird dazu veranlasst seine eigene Wahrnehmung zu reflektieren und eigene Antworten zu finden.

Interview mit Anke Enders:

- Bitte stell dich kurz vor.

Mein Name ist Anke Enders, ich habe Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Mainz studiert, mit der Ausrichtung auf Printdesign/ Typografie. Im vergangenen Wintersemester habe ich mein Diplom absolviert und arbeite nun als freiberufliche Designerin.

- Wie bist du auf dein Diplomthema gekommen?

Ich wollte mich auf jeden Fall mit Typografie beschäftigen, nicht nur im praktischen Sinne, d.h. z.B. eine Schrift zu entwerfen, sondern mich auch theoretisch damit auseinandersetzten. Mich interessierten zu diesem Zeitpunkt und auch heute noch die Hintergründe, die Zeitgeschichte und die Entwicklung von Schrift und somit der Typografie. Da sich immer wieder Diskussionen darüber ergeben, ob Schrift Kunst sein kann, was Kunst und was Design ist und wie wichtig Lesbarkeit ist, fand ich es sehr spannend mich dieser Grundproblematik anzunehmen. Ich wollte herausfinden, ob Typografie Kunst sein kann, ob Synthesen zwischen Kunst und Typografie geschaffen werden können und wie sich die beiden Themenfelder gegenseitig beeinflusst haben. Darüber hinaus interessierte mich noch, was Gestalter und Typografen immer wieder dazu bewegt experimentell zu arbeiten? Warum sie die zu vermittelnde Information zum Teil mehr verschlüsseln als entschlüsseln? Manche Objekte – aus dem Grafikdesign und der Typografie – kommen Kunstobjekten gleich. Wieso legt man sich ungern fest, ob es nun Design oder Kunst sein soll?

- Wie wird denn Typografie heute wahrgenommen?

Nun, dass ist nicht einfach und nicht allgemein zu beantworten. Ich kann nicht von „der“ Wahrnehmung“ sprechen. Zumal es immer mindestens zwei Ausprägungen gibt. Zum einen gibt es den gemeinen PC-User, welcher ohne Rücksicht auf Verluste die ihm verfügbaren Schriften wahrlos einsetzt, sie manchmal „missbraucht“ oder im schlimmsten Fall sogar verunstaltet. Ohne sich darüber bewusst zu sein, was er/sie eigentlich tut. Durch die freie Verfügbarkeit und Verwendung von Schriften am eigenen Computer haben Fachleute immer stärker an Autorität einbüßen müssen, so hat der professionelle Umgang mit Schrift zum Teil an Wichtigkeit verloren. Auf der anderen Seite stehen jene Fachleute, Typografen, Gestalter mit entsprechendem Fachwissen. Diese nehmen Typografie auf sehr differenzierte und sensible Weise wahr. Es wird nach neuen Methoden für das Darstellen von Schrift im digitalen Raum geforscht. Schriften werden optimiert und neuen Lesegewohnheiten angepasst. Es passiert viel im Bereich der digitalen Medien. Aber auch im Printbereich bewegt sich einiges, das war aber auch noch nie anders.
Schon immer wurde experimentiert, provoziert und reduziert. Und das soll auch so bleiben!

- Wer hat dich betreut? Welche Professoren?

Betreut hat mich in erster Linie Prof. Jean Ulysses Völker (Typografie und Editorial Design). Zu dem habe ich auch Gespräche mit Frau Dr. Petra Eisele (Design- und Mediengeschichte) und Frau Dr. Simons (Kunst- und Kulturgeschichte) zur theoretischen Untermauerung des Themas geführt. Aber einen ebenso wichtigen Beitrag haben meine Kommilitonen, Freunde und Kollegen geleistet. Sie haben mir konstruktive Kritik entgegen gebracht und mich immer wieder neu motiviert.

- Wie war der Ablauf?

Insgesamt hatte ich 6 Monate Zeit. Zwei Drittel habe ich für Recherche, Konzeptfindung und Entwurf beansprucht, ein Drittel für die Gestaltung, Reinzeichnung und Produktion. Wir haben uns innerhalb einer Diplomgruppe regelmäßig getroffen und unsere Konzepte und Entwürfe mit dem betreuenden Professor besprochen. Generell finde ich die Reflektion innerhalb einer Gruppe sehr wichtig, da man immer wieder durch neue Sichtweisen und Ideen angeregt wird.

- Welche Schriften findest du sehr interessant?

Meine Favoriten unter den aktuellen Schriften sind die Fonts von Underware. Sie haben Charme, eine gewisse Leichtigkeit und Witz ohne unseriös zu wirken. Aber auch Klassiker wie z.B. die Garamond finde ich interessant, da sie schon so lange „auf dem Markt“ und immer noch im Einsatz ist. Meine geheime Leidenschaft liegt bei den Frakturschriften. Dort finde ich besonders die neuen Interpretationen sehr spannend und schön anzusehen. Leider findet man selten passende Einsatzgebiete dafür.

- Welche Zeitschriften liest du regelmäßig?

Regelmäßig lese ich keine Zeitschriften. Gelegentlich die „Page“, „Novum“ oder auch die „Du“. Ansonsten stöbere ich hin und wieder durch verschiedenste Magazine, die mir in die Hände kommen, aber bevorzugt lese ich Bücher.

- Auf welchen Internetseiten verbringst du deine Zeit am liebsten?

Auf www.typografie.info, www.wikipedia.de, www.studivz.net, www.typeradio.org, www.slanted.de natürlich, aber auch viele Seiten, die mit Design nichts zu tun haben.

Vielen Dank für das Interview!

Kontakt zu Anke Enders: [email protected]

Einige Bilder:














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