17 Uhr: Haus der Kulturen/Typo Hall: Jim Rakete, der bekannte Fotograf aus Berlin, der schon zwei Fotobücher herausgebracht hat, betritt die Bühne und startet mit seinem Vortrag, der den Titel "Für bare Münze" trägt.

Er berichtet über ein Treffen vor ein paar Jahren, als viele Menschen an einem langen Tisch saßen und über einen möglichen Kanzlerkandidaten diskutierten. Das war damals Rudolf Scharping und es ging u.a. auch darum, ob er sich den Bart abrasieren würde. Das war damals schon ein Abgleich von Images. Diese Diskussion von damals gibt es jetzt wieder, nur dreht es sich hier um einen anderen SPD-Politiker, nämlich Kurt Beck. Das Bart-Problem ist laut Rakete ein Problem der Volkspartei.

Ist Kurt Beck, um es mit dem Modewort 2008 auszudrücken, nicht authentisch genug? Bei solchen Menschen mit Bart, die einem an seine Lehrer von früher erinnern, will man nicht wissen, was diese anziehen, wenn sie sich ihren Anzug entledigen. Bei diesem Statement gab es natürlich wie erhofft Gelächter. Die Kanzlerin, die Jim Rakete nicht als "die Urheberin des Glamours" bezeichnet, weiß wie wichtig ihr eigenes Erscheingungsbild für sie ist. Waren ihre Wahlplakate doch "Photoshop pur". Politiker seien bekanntermaßen auch immer Politikverkäufer - wie wahr. Wenn wir generell über "ein definiertes Image" reden, reden wir auch immer gleichzeitig über Persönlichkeit. Und Image, so weiter in der Rede, sei ja schon immer eine Koalition. Aufgrund von Images kommt die Wahrheit abhanden, es herrscht ein Verdrängungswettbewerb der Aufmerksamkeit.

Die Fachfotografie, um die es schon in dem Vortrag von Henneka heute Mittag ging, wird nahezu von den Fähigkeiten von Photoshop geschluckt. Früher war eines der schönsten Komplimente: "Er war ein Original." Dies ist unserer heutigen Zeit nicht immer zu erkennen.

Im weiteren Verlauf des Vortrags, den Jim Rakete recht kurz und ansprechend gehalten hat, erzählt er, dass er ein Jahr lang Fotos von Leuten gemacht hat, die er früher schon einmal fotografiert hat. Das Ganze kam dann in Buchform unter dem Bewusstsein: Das Buch könnte das letzte seiner Art sein. Es entstand aus dem Bedürfnis heraus, "das Echte" noch einmal sehen zu wollen. "Das Echte" wird immer wichtiger. Wie bei MTV unplugged, da geht es auch um echte Musik. Und bei Jim Rakete geht es um "seine Backstage-Geschichte", um den Leuten zu zeigen: "So sehen die wirklich aus."

Die anschließende Fragerunde war wie alle vorherigen nicht besonders sinnvoll. Bei der Antwort auf die Frage, warum der Fotograf keine Bilder, keine Images, von sich gezeigt hat, legt er Wert darauf, dass er nicht so gut darin ist, sich selbst zu verkaufen. Das machen andere hier bei der Konferenz schon. Rakete sieht seinen Platz daher schon besetzt. Und wirklich herausragende Persönlichkeiten, die er in seiner Laufbahn fotografiert hat, möchte er auch nicht nennen. "Die waren alle toll und es ist eine klasse Verbindung entstanden." Aber Günther Grass, Bruce Springsteen und Bryan Adams, waren schon super, wenn er denn doch welche nennen muss.

Das schönste Zitat von Jim Rakete war für mich: "Ein Foto ist immer eine Trophäe einer Begegnung", sprich: die Chemie muss stimmen. Und die stimmt bei Jim Rakete, der bis auf die Nina Hagen Band-Fotos, welche eher masken-haft waren, eigentlich nur ungeschminkte Bilder von den Leuten macht.

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