Zukunftsforum Zeitschriften

Rückblick Zukunftsforum Zeitschriften

Autor: Isabella Krüger

Wir waren für Euch am 4. Dezember 2018 beim Zukunftsforum Zeitschriften, welches im Literaturhaus am Salvatorplatz in München stattfand und eine Veranstaltung der Akademie der Deutschen Medien war. Im Fokus der Veranstaltung stand »der Kunde« oder auch die »Customer Centricity«.

Wir waren sehr neugierig, was wir dort zu erwarten hatten, da wir schließlich selbst Herausgeber eines Magazins sind. Um 10 Uhr begann der erste Vortrag von Erhard F. Heinold, Geschäftsführer von Heinold, Spiller & Partner, um uns ein Update des Zeitschriftenmarktes zu geben und zeigte uns ein recht ernüchterndes Bild der momentanen Lage. In den letzen 50 Jahren hat sich der Mensch zu einem medialen Wesen entwickelt und nutzt im Durchschnitt die digitalen Medien zehn Stunden pro Tag, 1964 waren es nur drei. Das gesamte Medienzeitbudget der Bevölkerung bleibt relativ stabil, obwohl über die Jahre immer neue Medien hinzukommen. Zudem sind die Verkäufe von Zeitschriften und Büchern stark eingebrochen. Doch die nachfolgenden Redner gaben Einblick in ihre Verlage bzw. Strategien, um die Situation wieder verbessern zu können.

Direkt im Anschluss sprach Stephanie Walter, Geschäftsführerin Legal von Wolters Kluwer, darüber wie sie ihr Unternehmen mit neuen Entwicklungen für die Zukunft fit machen will. Bei Wolters Kluwer setzt man auf digitale Lösungen und verabschiedet sich von der »Loseblattsammlung«. Stattdessen arbeiten sie daran ihr Onlineportal immer weiter auszubauen um Online-Verträge und Online-Recherche von juristischen Werken anbieten zu können. Zudem probiert sich Wolters Kluwer in der Entwicklung von Apps und baute eine KI-Abteilung von 40 Leuten auf.

Nach der kurzen Stärkung zeigte uns Klaus Kallenbrunnen, Chief Digital Officer von Martin et Karczinski, dass man sich auf die Bindung seiner Kunden konzentrieren sollte. Angefangen mit der Zielgruppendefinition, weiter mit dem Zielgruppenverständnis um Zielgruppenemphatie zu entwickeln und zur Zielgruppentreue zu gelangen. Wenn man weiß wer seine Kunden sind, kann man sich in sie hineinversetzen und die eigene Perspektive ausschalten. Ein langer Weg, der sich aber lohnt.

Anschließend hörten wir Christian Hanke, Creative Director von edenspiekermann, der sich häufig für seine Polemik entschuldigte, da er der Verlagsbranche mit einem Augenzwinkern vorwarf, dass diese ihre Kunde nicht kenne und appellierte, alte Verlagsstrukturen aufzubrechen, um ein Teil der Zukunft zu sein und nicht durch Mitbewerber abgehängt zu werden.

In der folgenden Mittagspause wurden alle Teilnehmer von der im Erdgeschoss liegenden Brasserie OskarMaria verköstigt. Im Nachmittagsprogramm berichtete Dr. Klaus Krammer, Geschäftsführer vom Krammer Verlag, dass er seine Zielgruppe ganz genau kenne. Es seien Handwerker mit denen das Unternehmen auf andere Weise versuchen muss Umsatz zu generieren. Sehr erfolgreich ist der vom Krammer Verlag gegründete Fernsehsender SHK-TV. Die gedrehten Sendungen werden in einer App für Handwerker ausgestrahlt und geben Rat zu Montage, Produkten, etc. Alles frei von Werbung und finanziert über ein Abonnentenmodell.

Anschließend fand eine Interaktive Workshop Session statt. Es wurden drei verschiedene Workshops angeboten, wobei wir uns für den Workshop »Paid Content: Analyse Best Practices« von Dr. Marco Olavarria, Geschäftführender Gesellschafter von Berlin Consulting, entschieden. Nach einer kurzen Einführung in das Thema und einen Beispiel aus dem Publikum, erarbeiteten wir eine Paid-Content-Canvas. Ein sehr spannender Bereich, doch leider reichte die Zeit des Workshops nicht, um zu einem Ergebnis zu kommen.

Die letzten beiden Redner waren Dr. Benjamin Wessinger, Geschäftsführer Deutscher Apotheker Verlag, und Michael Höcker, Leiter Online Marketing Strategie des Landwirtschaftsverlag. Dr. Benjamin Wessinger wurde von vielen mit großen Erwartungen empfangen, da er seinen Vortrag »Rezepte gegen den Abo-Schwund: Wie der Deutsche Apotheker Verlag die Leser auf allen Kanälen anspricht« angekündigt hatte. Eine seiner Strategien ist es, weiterhin neue Zeitschriften zu gründen, um Leser differenzierter anzusprechen, da die Leserschaft der »Mutter-Zeitschrift« Deutsche Apotheker Zeitung sinkt.

Michael Höcker, Leiter Online Marketing Strategie des Landwirtschaftsverlag, erzählte von seinem Erfolg vom Posting von Traktorbildern in Social Media Netzwerken und hatte damit die Lacher auf seiner Seite. Besonders der Versand von Schweinepreisen per WhatsApp brachte einige Aufmerksamkeit von der Seite einiger Bauern. Einer sendete eine amouröse Nachricht an den Verlag zwecks Kennenlernens eines bestimmten Schweines. Doch Spaß beiseite, diese Beispiele zeigten, dass man mit Kreativität seine Kunden zu erreicht, relevanter Content eine zufriedenstellende Reichweite erzeugt und durch aktives Community Management eine enge Kundenbindung erzeugt wird.

Am Ende des Zukunftsforum Zeitschriften hatte noch einmal Erhardt F. Heinold das Wort und danke allen für die Teilnahme.