Typeface of the Month: Oldschool Grotesk

von Kilotype

Autor: Isabella Krüger

Schreiber und Leser der Oldschool Grotesk unternehmen eine leicht exzentrische Reise in das viktorianische Britannien. Durch die organischen aber dennoch geometrischen Formen ist die neue Schrift vom deutschen Schriftenverlag Kilotype eine Bereicherung eurer Display-Schriften-Auswahl, aber trotzdem auch für den Einsatz als Fließtextschrift geeignet.

Oldschool Grotesk gewährt einen Einblick hinter die Fassade serifenloser viktorianischer Letteringkultur. Die auffälligen und markantesten Aspekte der frühen britischen Groteskschriften und architektonischen Beschriftungen dieser Zeit sind ihr eigentümlicher Ausdruck und die aus heutiger Sicht oft exzentrischen Details. Dahinter verbergen sich zeitgleich aber auch die Anfänge des Modernismus, die Bestrebungen zu Beginn des Industriezeitalters nach Struktur und Klarheit, und damit der Aufbruch in eine neue Ära.

Ein zentrales Element, welches das Design maßgeblich beeinflusste, ist eine Gravur aus dem Jahr 1864 am Eingang eines verlassenen Bahnhofs im Londoner Stadtteil Southwark, damals Teil der Charing Cross Railway Co. Die Lettern sind mitnichten ein Paradebeispiel geometrischer serifenloser Schriften, aber sie sind unverkennbar britisch. Das zeigt sich vor allem im Buchstaben G, dem, so wie er in dieser Art häufig in den Straßen Großbritanniens und Schriftmusterbüchern dieser Epoche zu finden ist, der Querstrich fehlt.

Oldschool Grotesk vereint eine Reihe dieser Merkmale, jedoch in einer rationalisierten, modernen, geometrischen Formsprache. Die Proportionen der Großbuchstaben sind klassisch gehalten und untermauern die frühgeometrische Herkunft. Die Kleinbuchstaben hingegen sind proportional ausgeglichener, wenn auch nicht uniform. Das Hauptmerkmal der Schrift lässt jedoch historische Bezugspunkte weitestgehend vermissen. Betrachten wir die Einschnitte zwischen runden und geraden Elementen doch etwas näher, zum Beispiel am kleinen g. In großen Punktgrößen verleiht dieses Detail den leichteren Schriftschnitten eine scharfe, funkelnde Textur. Bei dunkleren Schnitten hingegen entfalten die kleinen Kurven eine weiche Geschwollenheit, wie man sie aus dem Druck mit Holzlettern gewohnt ist.

Die Schrift ist vorrangig für Display- und Editorialzwecke konzipiert. Weitere nennenswerte Merkmale sind die Unterstützung von mehr als 400 Sprachen (Lateinisches Alphabet), eine umfangreiche Liste von Symbolen, alternative Zeichen (ja, ein rundes a) und verschiedene OpenType-Features.

Oldschool Grotesk

Schriftverlag: Kilotype (@kilotype)
Designer: William Montrose
Veröffentlichung: Februar 2019
Format: ttf, woff, woff2
Schnitte: 9 Schnitte von Air bis Heavy
Preis: ab 60 Euro (kostenlose Proben erhältlich)