Interviews

BLOCK. / Diplomarbeit von Jessica Gil Barrionuevo und Brigitte Minz an der Fachhochschule Düsseldorf

in , , , ,

Ein Land, zwei Menschen, zwei Städte zur gleichen Zeit. Jede Person für sechs Monate in einer Stadt. Die eine in Miami, die andere in New York. – In ihrer Diplomarbeit an der Fachhochschule Düsseldorf (Fachrichtung Kommunikationsdesign) haben sich Jessica und Brigitte mit dem Prinzip des Städtevergleichs auseinandergesetzt.

Es geht um den Wohnblock, der durch das typische Straßenraster amerikanischer Großstädte geprägt wird. Der Vergleich zwischen Miami und New York zeigt Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Städte auf. Ein 20 Kilometer langer “Walk” durch die Stadt, von der Peripherie bis in das Zentrum, hat eine gute Betrachtungsmethode der Blöcke ergeben, in der es möglich war, einen vielseitigen Einblick des urbanen Lebens im Block zu zeigen. Beim fließenden Übergang dieser zwei Stadtregionen wurden etliche Unterschiede und Kontraste der Blöcke sichtbar. Hinzu kamen die deutlich zu spürenden verschiedenen kulturellen Einflüsse, die zu einem großen Teil das Stadtbild dominieren und prägen.

Durch das Hervorheben der Unterschiede im Block sowie das Einbeziehen des Zufalls konnte in beiden Städten ein wahrheitsgetreues Bild wiedergegeben werden. Der Block ist eine perfekte Ergänzung des rechteckigen Straßenrasters und zusammen ergeben beide Formationen eine klare Struktur in der Stadt. Der Block gehört zur Identität der Menschen. Er bietet ihnen einen Lebensraum, der Gruppen von Menschen zusammenhält, die dadurch besser miteinander kommunizieren können.

Das Buch “Block” bietet mit seiner zweisprachigen Ausgabe (deutsch/englisch) eine gute Vorraussetzung für eine große und internationale Zielgruppe. Inhaltlich gibt er einen theoretischen/informativen und einen subjektiven/persönlichen Einblick des urbanen Wohnblocks. Diese werden in der Gestaltung durch den unterschiedlichen Umgang der Typografie definiert und hervorgehoben.

Wie ist Euer Projekt entstanden? Wie kam es, dass ihr beide zur gleichen Zeit in amerikanischen Städten wart?

Die Anfänge unseres Projekts liegen relativ weit zurück. Im Rahmen des Bewerbungsprozesses im Jahr 2010 für ein Praktikumssemester im Ausland hat sich eine zufällig entstandene parallele Aufnahme in Agenturen jeweils in den Städten Miami bzw. New York für uns ergeben. Schnell wurde uns bewusst, dass wir diese Besonderheit und einzigartige Chance für uns nutzen wollen. Eine gemeinsame Gruppenarbeit für das Diplom war bereits grob geplant und konnte so thematisch in Verbindung gebracht werden.

Mit Miami und New York, zwei Städten zur gleichen Zeit von uns besucht bzw. bewohnt, bot sich für uns die optimale Vorraussetzung, einen Vergleich aufzustellen. Interessant war es, von Anfang an zu erfahren, wie jede von uns ihren Auslandsaufenthalt unter den verschieden Einflüssen seiner Stadt erleben würde und wie unterschiedlich ein Fazit dabei ausfallen könnte. Das Projekt entwickelte sich zu einer Stadtbetrachtung, ein Städtevergleich zwischen Miami und New York. Der Reiz des Projekts lag definitiv in der Vorgabe, dass beide Städte ohne persönliche Voreindrücke bzw. Vorurteile untersucht wurden. Entstanden sind viele unterschiedliche Wahrnehmungen und Eindrücke, die im weiteren Prozess des Projektes immer weiter eingegrenzt wurden, bis letztendlich eine konkrete Betrachtung der Blöcke entstand.

Die Fotos zeigen zum Beispiel eine (Plastik-)Palme in New York und eine (echte) in Miami. – Hattet ihr eine Liste an Dingen, nach denen ihr Ausschau halten wolltet? Welche anderen Motive oder auch Fakten habt ihr gesammelt?

Eine Liste hatten wir nicht, dafür allerdings einen Weblog, den wir direkt zu Beginn des Auslandsaufenthaltes eingerichtet hatten. Dort haben wir anfangs noch fast täglich unabhängig voneinander Eindrücke der jeweiligen Stadt gesammelt und hochgeladen. Dabei war es uns wichtig, dass wir die Städte zunächst auf uns wirken ließen, da wir zuvor beide diese Städte nur aus Medien gekannt hatten. Klar war auch, dass wir nicht  nach touristischen Attraktionen und Sehenswürdigkeiten Ausschau halten wollten, denn viel interessanter für uns war das wahre Gesicht jeder einzelnen Stadt außerhalb der, bzw. getrennt von den, unzähligen Klischees kennen zu lernen.

Im Weblog haben wir vieles aus unserem Alltag dokumentiert mit der Absicht, uns die eigene persönliche Stadtwahrnehmung gegenseitig zu zeigen. Mit der Zeit entwickelte sich so ein reger multimedialer Austausch, der uns durch das  konsequente Teilen von Fotografien und anderen Medien wie Video und Sound im Verlauf des Projekts inspiriert und weiter gebracht hat. Der Weblog stellte somit für uns ein essentielles Kommunikationsmedium dar.

Entstanden sind einige interessante Parallelen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede, die uns auf weitere Ideen brachten, wie beispielsweise das Motiv mit der echten und der unechten Palme. Zuerst wurde das Bild der Palme in Miami fotografiert und hochgeladen und zufälligerweise, erst Tage später eine ähnliche Bildkomposition in New York gefunden bzw. fotografiert. Meistens war der Fund eines ähnlichen Motivs ein Zufall, doch oft machten wir uns auf die Suche nach einem gleichen oder bereits schon hochgeladenen Motiv. Zusätzlich haben wir regelmäßig immer wieder telefoniert und uns intensiv über die Städte unterhalten. So kam eins zum anderen, bis sich plötzlich für uns das genauere Thema herauskristallisierte. Welche Motive wir gesammelt haben, könnt ihr Euch gerne auf unserer Webseite bzw. unserem Weblog anschauen.

Aus euren Ergebnissen ist das Buch »Block« entstanden. Inhaltlich gibt es darin einen theoretischen/informativen und einen subjektiven/persönlichen Einblick des urbanen Wohnblocks. Welche Inhalte findet man in dem einen, welche im anderen Teil?

Nach ersten Untersuchungen stand fest, dass beide Bereiche, sowohl der theoretische als auch der subjektive, der unsere eigene Interpretation beinhaltet, sich gut ergänzen würden. Das Ziel war es,
den urbanen Block möglichst informativ und fassettenreich vorzustellen.

Der theoretische und erklärende Teil befindet sich in den ersten Kapiteln des Buches, dort findet der Leser die benötigen Informationen über den Wohnblock mit seinen Funktionen in einer Stadt sowie alles zum Thema Städtevergleich, den wir zwischen Miami und New York aufgestellt haben. Obwohl bereits eine Vielzahl an Büchern über Städte und deren Einzigartigkeiten sowie Bücher über Städtevergleiche existieren, konnten wir bezüglich des amerikanischen Blocksystems auch nach ausführlichen Recherchen nur lückenhafte Bruchstücke finden. Sogar im Internet sind nur wenige und unklare Informationen zu diesem Thema recherchierbar. Aus diesem Grund entstand der Wunsch, einen kompakten und aufklärenden Einblick des urbanen Blocks zu ermöglichen.

Der subjektive Teil, der sich auch in der Gestaltung vom theoretischen unterscheidet, befindet sich am Ende der Kapitel. Hier zeigen wir unsere eigenen Untersuchungen bezüglich des Blocks sowie unsere Erfahrungen, die wir im Laufe der Zeit gesammelt und als Ergebnis vorgestellt haben. Hier entwickelten wir zuvor eine genaue Betrachtungsmethode des Blocks bzw. genauer gesagt den “Walk”, der es uns ermöglichte, die wichtigsten Merkmale und Eigenschaften des Blocks zu zeigen. Gezeigt werden zum einen Panoramabilder von Wohnblöcken sowie Portraits der dazugehörigen Menschen, die den Block bewohnen und prägen. Dies geschah immer in Gegenüberstellung von Miami und New York. Zum anderen wurden die Entwicklung und die Veränderung des Blocks im Stadtprofil aus der Peripherie bis ins Zentrum hinein, welche eine vorgegebene Distanz von 20 km enthält, präsentiert.  

Hat euch Euer Ergebnis überrascht? Oder stimmt es mit Euren Erwartungen überein?

Überrascht hat uns unser Ergebnis teilweise, da wir bereits bei der Suche nach einer perfekten Betrachtungsmethode des Blocks im Vorfeld viele Dinge experimentell ausprobiert hatten. Zu diesem Zeitpunkt war uns bereits bewusst, wie das Ergebnis am Ende konkret aussehen könnte. Der überraschende Teil war definitiv die Strecke des Walks an sich, die jede vorher grob für sich in ihrer Stadt festgelegt hatte, denn keine von uns ist diesen Weg zuvor gegangen und somit hatte man keinen persönlichen Voreindruck. Es wurden einige Regeln von uns festgelegt, begonnen wurde der Walk am gleichen Tag zur gleichen Zeit. Intensiv untersucht werden sollten drei explizierte Blöcke, und zwar ein Block in der Peripherie als Ausgangspunkt, einer, der von Menschen und seinen Kulturen auffällig geprägt war, sowie ein Block im Zentrum, der den Walk abschließt. Bei dieser genaueren Betrachtung wurden zusätzliche Portraits der Bewohner des Blocks gemacht, um die Verbindung zwischen Mensch und Block zu zeigen. Sie repräsentieren den Block und der Block repräsentiert sie. Zusätzlich sollten ca. 20 Wohnblöcke im Verlauf des Walks fotografiert werden, um die Veränderung des Stadtprofils abbilden zu können.

Während der gesamten Zeit, welche im Übrigen 5 Tage dauerte, waren wir ständig telefonisch in Kontakt, um uns möglichst viel Erfahrungen und Einzelheiten gegenseitig berichten zu können. Diese waren ziemlich vielfältig, da unterschiedliche Dinge vorgefallen waren, die wir auch als persönliche Zitate im subjektiven Teil integriert haben Diese ermöglichen dem Betrachter einen genaueren Einblick in die Dinge, die wir vor Ort erlebt hatten. Wir wurden oft auf unser Projekt angesprochen, da wir durch die detaillierten Fotoaufnahmen, die wir für die Panoramabilder des Blocks benötigten, den meisten Bewohnern aufgefallen sind. Einige dachten, wir arbeiten für Google und andere fühlten sich aufgrund der vielen Fotos, die wir von ihren Häusern oder Eigentum wie Restaurants, Geschäften usw. machten, bedroht. Faszinierend waren die vielen Kulturen der verschienen Länder, die sich konsequent in Gruppen in der Stadt in Blocks verteilt hatten.

Insgesamt hat der Walk eine gute Betrachtungsform der Blöcke ergeben, in der es möglich war, einen vielseitigen Einblick des urbanen Lebens im Block zu zeigen. Durch das Hervorheben der Unterschiede im Block sowie das Einbeziehen des Zufalls konnte in beiden Städten ein wahrheitsgetreues Bild wiedergegeben werden. Der Block ist eine perfekte Ergänzung des rechteckigen Straßenrasters und zusammen ergeben beide Formationen eine klare Struktur in der Stadt. Der Block gehört zur Identität der Menschen. Er bietet ihnen einen Lebensraum, der Gruppen von Menschen zusammenhält, die dadurch besser miteinander kommunizieren können. Das Projekt des Blocks und des Städtevergleichs zwischen Miami und New York gibt einen Einblick in das amerikanische Blocksystem, welches vom Einfluss der Stadt und seiner Bewohner in ganz unterschiedlicher Weise geprägt sein kann.

www.blockwalk.de
Jessica Gil Barrionuevo, JG@blockwalk.de
Brigitte Minz, BM@blockwalk.de






Gast

Falsche Anführungszeichen finde ich sehr peinlich.

Meike H.

Super tolle Arbeit!

Philipp

Sieht super aus. Klasse Projekt! Was ich dagegen peinlich finde, sind halbherzige Kommentare ohne Verstand. Die Anführungszeichen entsprechen denen der englischen Sprache.

StefanB

Sieht super aus. Klasse Projekt!

Naja, viel gehaltvoller ist dieser Kommentar zum Projekt aber auch nicht. ;)
Okay, um hier noch etwas beizutragen … Die richtigen Anführungszeichen sind diese: „…“

Gast

Lieber Philipp,

der Text ist aber leider nicht immer englisch, was deinen Kommentar relativ … äh… du weißt schon… macht.

Post new comment

Deine E-Mail wird nicht veröffentlicht.

Wir freuen uns über Deine konstruktive Meinung und behalten uns vor, gehaltlose, persönlich verletzende und themenfremde Kommentare zu löschen.

Wenn Du nicht angemeldet bist, wird Dein Kommentar von der Redaktion zuerst geprüft und dann freigeschaltet.

By submitting this form, you accept the Mollom privacy policy.

Verwandter Artikel

»10x Stadt«

Masterarbeit von Carolin Rauen

»10x Stadt« heißt die Masterarbeit von Carolin Rauen. Sie beschäftigt sich mit den Fragen, ob Städte einen Charakter ...

in , 7 comments

Nächster Artikel

Nach Mailand und Köln nun in Karlsruhe

Produktdesign aus Karlsruhe

 Über 50 Designobjekte, die in den vergangenen Jahren im Fachbereich Produktdesign der Hochschule für ...

in , ,

Vorheriger Artikel

Typo London 2011

Vergünstigte Tickets, Schilder-Contest und ein erster Blick auf die Rednerliste

Am 20. Oktober beginnt die Typo London 2011 unter dem Motto “Places”. Noch bis Ende August können Studierende und ...

in ,