BMF Change / Eine Schrift für Berlin von Alessio Leonardi

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Alessio Leonardi wurde im Rahmen der neuen Markenpositionierung "Berlin. City of Change." von der Agentur Fuenfwerken dazu beauftragt, eine Schrift für die internationale Marketing-Kampagne zu entwickeln.

Daraus sind zwei Schriftfamilien entstanden, die BMF Change Letter für die internationale Marketingkampagne von Berlin, und die BMF Change Sans für das neue Corporate Design der Stadt Berlin.

Die BMF Change Letter tritt sehr selbstbewußt und kräftig auf, sie wird in Zukunft das Sprachrohr für alle Berliner sein.

"Die BMFChange Letter hat einen markanten Charakter, sie ist selbstbewußt, offen und mit ihrem kontrastreichen Wechselspiel von Härte und Feinheit, verleiht diese Schrift den Inhalten Nachdruck und Mimik."

Die BMF Change Sans dagegen hat als Corporate-Schrift eine engere Laufweite und das gesamte Schriftbild ist ruhiger und zurückhaltender.

Im Moment bestehen die beiden Schriftfamilien aus jeweils vier Schnitten: Regular, Bold, Italic, Bold-Italic. Weitere Schnitte und eine Script Version sind bereits im Vorbereitung.

Die BMFChange steht 2 Jahre exklusiv für die Werbekampagne und die Kommunikation der Stadt zur Verfügung, anschließend wird sie voraussichtlich über www.BuyMyFonts.com auf den Markt kommen.

Weitere Infos zur Schrift gibt es unter www.alessio.de
Und hier geht es zur offiziellen Website der Marketingkampagne www.sei.berlin.de

Julia

Eine sehr angenehme, weiche Schrift. Insgesamt sehr gelungen. Aber das "&" finde ich total misslungen - es sieht für mich aus wie ein kaputtes "@" (das finde ich auch nicht passend). Ich finde es gut, wenn man sich bei manchen Zeichen ein wenig aus dem Fenster lehnt und ein bisschen "spielt", aber nimmt man z.B. die Leerzeichen heraus zwischen "Strong & Beautiful" und macht daraus "Strong&Beautiful" (natürlich geschrieben in der BMFChange), kommt dabei ein Strong@Beautiful für mich heraus...Bei einer Schrift, die eine Metropole repräsentieren soll und gerade diese beiden Zeichen sicher oft verwenden wird...ich weiß ja nicht.

Boris

Die Marketingkampagne selbst kommt übrigens nicht so gut an, und das ist noch milde ausgedrückt.

Mehr dazu z.B. hier:

http://www.fontblog.de/
http://www.designtagebuch.de/sei-berlin-erste-motive-der-kampagne
http://www.spreeblick.com/2008/03/11/sei-b-berlin/#more-7212

Bernie

Was ist so NEU an dieser Schrift? Sowas wie die hab ich bereits dutzendmal gesehen. Ein paar verschnörkelte Wingsdings, die wie Julia richtig erkennt, nicht zu erkennen sind, ein paar neumodische Pinselzüge a la Spiekermann und fertig.

Die Kampagne, und das kann man ruhig mal erwähnen, ist auch grottig. Klingt wie »Bi in Berlin« und wie »Du bist Deutschland«. Auf Regionalebene. Hier nun Rot statt Himmelblau. Die Plakatkampagne zeigt keinen echten Berliner. Solche Leute hab ich hier noch nie gesehen. Berliner sind anders. Die sind individuell. Mit all ihren Ecken und Kanten. Das hier ist wie Meister Propper, Ariel, Audi, und all die anderen Highglosskasper. Die Webseite treibt meinen Lüfter (wegen Flash) hoch zum Anschlag. Gleich wieder aus.

Wann kommt Paris Hilton? Angelina? Und Tom?

P.S. Dieses blöde »Be Change« ist sowas von Obama. Schauderhaft.

Gast

»Solche Leute hab ich hier noch nie gesehen«

— Alle 4 Motive enthalten Berliner, die beiden Rütlis gehen z.B. an die Rütlischule.
Zählt Neukölln nicht mehr zu Berlin?

»Berliner sind anders. Die sind individuell. Mit all ihren Ecken und Kanten.«

— Wie anders, Wie individuell? So wie in Karlshorst, Oberschöneweide
oder eher wie im Prenzlauer Berg?

Und überhaupt, ich persönlich kenne hier in Berlin nicht einen,
der in Berlin geboren ist. Wer ist denn nun der echte, andere,
individuelle Berliner? Und wie sieht er aus?

Bernie

— Alle 4 Motive enthalten Berliner, die beiden Rütlis gehen z.B. an die Rütlischule.
Zählt Neukölln nicht mehr zu Berlin?

Ich meinte nicht die Leute an sich – die sind sicherlich in Berlin fotografiert – ich meinte die Aufmachung. Das ist nicht Berlin. Sondern eine Vorstellung, wie Berlin auszusehen hat, aber nicht ist. Ein Wunschdenken. Und so Highgloss sieht Neukölln auch nicht aus. Oder?

Wie anders, Wie individuell? So wie in Karlshorst, Oberschöneweide oder eher wie im Prenzlauer Berg?

Ich meine: menschlicher. Die Kampagne wirkt wie ein Abziehbild (eines Wunschdenkens).

Und überhaupt, ich persönlich kenne hier in Berlin nicht einen, der in Berlin geboren ist. Wer ist denn nun der echte, andere, individuelle Berliner? Und wie sieht er aus?

Davon habe ich nicht geredet, ob man hier geboren sein muss. Der Berliner ist Mensch. Mehr muss er doch nicht sein. Er muss nicht "BE" werden. Er ist es doch schon längst.

Man muss bei einer Kampagne immer zuerst fragen: Wo kommt sie her? Wer hat sie in Auftrag gegeben? Wer hat sie umgesetzt?

Die Kampagne kommt nicht aus Berlin. Sie kommt aus der herrschenden Schicht Berlins. Die werden mit Sicherheit keine Kampagne generieren, die das wahre Leben wiederspiegelt, damit können sie sich ja nicht zeigen lassen. Somit kommt ein Zerrbild heraus, ein hochgeschminkter, political correcter Alptraum.

Die Kampagne ist nicht von Berlinern gemacht sondern von Schicki-Micki Agenturen in Guccikleidern und Boss-Anzügen, die sowieso bar jeder Realität leben. Für die ist Berlin Starbucks, Apple, Sony Center und Potsdamer Platz. Vielleicht sogar Scientology. Who knows?
Waren sicherlich auch nie in Neukölln und kennen die Rütlischule nur aus dem SPIEGEL.

Also was ich dazu noch sagen? Es ist ein Schlag ins Gesicht der Leute hier, die sehen, dass 10 Millionen Euro in die Taschen von Agenturen und anderen Handaufhaltern umgeleitet werden, aus einem Pott, der sowieso leer ist, anstatt dieses Geld in wirklich wichtigere Projekte zu leiten.

CHR15

be Bernie.

hans schumacher

> Wer ist denn nun der echte, andere, individuelle Berliner? Und wie sieht er aus?

Sieht aus wie ich, blond, Brille, etwa 1,80 m gross, fährt bisweilen Fahrrad – individuell, Ecken & Kanten, naja, jedem sein Klischee, Bernie – als Berliner, nicht hier geboren (also typisch Berlin!) wollte ich eigentlich sagen: in der Kampagne kommt mir zuwenig vom Fluch der Stadt rüber, immer zu werden und niemals zu sein. Angesichts der website kann ich das schon mal korrigieren: da ist was im werden, da kommt was auf uns zu (wahrscheinlich hauptsächlich Anzeigen kleingewerbetreibender Individualisten; mal überlegen, vielleicht auch mal … oh gott)

> Die Kampagne kommt nicht aus Berlin. Sie kommt aus der herrschenden Schicht Berlins.

Puh … also seid Berlin Hauptstadt ist – und auch schon davor – gab es da sicher die Verwerfung zwischen wahrem Leben und dem Wunschbild davon. Und Politiker, die Geld verpulvern. Hat natürlich deutlich mehr overdrive mit dem Weltstadt- und Hauptstadt-Anspruch gekriegt …

Noch eine kleine Berlin-Geschichte: neulich auf dem Spielplatz, erste Sonnenstrahlen, viele Kinder und Eltern. Ein Polizist und eine Polizistin erscheinen auf dem Platz, und schauen sich unter den Blumenrabatten um. Kurze Zeit später erklimmt der Polizist ein Mäuerchen, bittet um Aufmerksamkeit und darum, den Platz umgehend zu räumen. Man ginge einem Hinweis auf rumliegende Spritzbestecke nach, die Hundertschaft würde gleich nachkommen zum suchen … (kam dann doch nicht) … aber für sowas (s.o.) haben se Geld (… naja, war eh zu voll an dem Tag)

lars

alessio, gut gemacht! freut mich für dich!

Ivo

Müsste die Schrift nicht BeMF Change heißen?

Markus

"Also was ich dazu noch sagen? Es ist ein Schlag ins Gesicht der Leute hier, die sehen, dass 10 Millionen Euro in die Taschen von Agenturen und anderen Handaufhaltern umgeleitet werden, aus einem Pott, der sowieso leer ist, anstatt dieses Geld in wirklich wichtigere Projekte zu leiten."

Dem möchte ich mich – nach längerem Überlegen und Betrachten der Kampagne – inhaltlich anschließen!

Gast

Hat zwar nichts mit der Schrift zu tun:

ein witziger Cartoon von OL zur Kampagne unter
http://www.ol-cartoon.de
einmal >>> klicken, zweites Bild, "spricht mich irgendwie mehr an als BE BERLIN"

Robert

Also ich bin gebürtiger Berlin und mehrmals pro Woche in Neukölln. Über die Kampagne kann man sich sicherlich streiten, aber direkt auf die alte "Wir gegen die da oben"-Rhetorik zurückzugreifen ist ein bisschen zu bequem, finde ich. Aber Motzen ist eben auch eine der Lieblingsbeschäftigungen der Berliner. Vielleicht kennt ja jemand 'ne gute Nörgel-Story inkl. Verschwörungstheorie, um sie auf der sei.berlin.de zu posten? Wenn ich nicht genau wüsste, dass auch der motzigste Berliner im tiefsten Inneren seine Stadt doch genauso liebt wie der New Yorker, wäre es hier manchmal nicht auszuhalten.

Dein Chef

War bestimmt auch unbedingt nötig noch eine neue Schrift dafür zu entwerfen, ... naja, irgendwo müssen die 10 Mio ja bleiben.

Stephan

Ich finde die Schrift ansich hübsch und zeitgemäß (trendig). Ich glaube aber auch sagen zu können, das eine hübsche Schrift diesem Thema „Berlin“ nicht gerecht werden kann. Ferner wette ich mit euch, dass diese Schrift in 5-7 Jahren absolut überholt ist und dann für 15 mio Euro die nächste Kampagne gestartet wird, während sich 40 Grundschüler einen Klassenraum teilen müssen.

typonauten

@ Dein Chef und Stephan:
Naja, naja, ich gehe mal davon aus, dass die Schrift ca. 20.000 - 30.000 EUR gekostet hat. Also so gesehen eine Marginalie im Gesamtbudget. Und wenn man bedenkt, dass die Schrift auch noch in 15 Jahren existiert (auch wenn sie trendy anmuten mag), sich an die Kampagne (bis evtl. auf den Slogan "be Berlin") niemand mehr erinnern kann, liegt schon eine gewisse Wertschöpfung vor ...

Joakim

Die Schrift wirkt sehr angenehm durch die vielen Rundungen. DAs @ and & gefaellt mir aber mal gar nicht ...

Hardy

In meinen Augen ist das "&" Zeichen auch etwas zu verschlungen. Ansonsten mag ich die Schrift, schön angenehm lesbar, auch von weitem. Muss man ja durchaus beachten, dass ein Passant mal nicht die volle Schrift sieht sondern ein Teil davon abgeschnitten ist (wegen parkendem Auto vor Plakatwand usw.).
Gerade hier entfaltet diese Schriftart ihr ganzes Möglichkeitsspektrum.

Emo

Gab es denn alternative Vorschläge? Ist das Ganze das Ergebnis einer Ausschreibung? Unabhängig davon, finde ich die Schrift sehr gelungen, wie schon mehrfach gesagt, rund, weich, angenehm "lieblich" (da vll weiblich? O_o). Allerdings finde ich, dass das "be Berlin" etwas in dem Bild untergeht. Das Rot ist einfach falsch gewählt?

Gruss

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