Ein Vergnügungspark am Meer, am untersten Zipfel von Brooklyn, New York City. Ein Ort, der schon bessere Zeiten erlebt hat, trotzdem oder gerade deswegen übt er einen grossen Reiz sowohl auf Einheimische als auch Touristen aus – und das schon seit 120 Jahren. Ein beliebtes Ausflugsziel fürs Wochenende, aber auch definitiv ein Ort, an dem man sich nicht unbedingt nach Einbruch der Dunkelheit aufhalten möchte. Jeder Ausflug nach Coney Island fühlt sich an wie der letzte Tag der Sommerferien.

Coney Island verfügt über diverse Attraktionen: Zum Einen ist da das Meer. Das ist für mich schon Grund genug, die lange Subway-Fahrt in Kauf zu nehmen. Sandstrand, der für New Yorker Verhältnisse erstaunlich sauber ist, und ein Rettungsschwimmer alle Nase lang. Erinnerungen an Baywatch werden wach. Eine hölzerne, lange Promenade, entlang an unzähligen Schiessbuden, Imbissständen und ähnlichem. Neben dem Strand bestehen die weiteren Attraktionen aus etlichen angestaubten Fahrgeschäften, zum Beispiel dem "Cyclone", einer hölzernen (!) Achterbahn die 1927 eröffnet wurde und das Wahrzeichen des Vergnügungsparks ist.

Oder die Freak-Show: "Gruselige Gestalten" wie eine Schlangenbeschwörerin oder lustige Menschen, die sich Nägel durch irgendwelche Körperoeffnungen stecken, junge Damen, die am ganzen Körper tättowiert sind – in New York ist die Welt noch in Ordnung. Ein weiterer beliebter Spass: "Shoot the Freak". Mit Farbpatronen auf albern angezogene Gelegenheitsarbeiter schiessen, die sich auf einem Parcours bewegen und ab und zu aus ihrer Deckung springen. Ausserdem gibt's hier die berümteste Würstchenbude der Welt: "Nathan's", wo die Weltmeisterschaften im Hot Dog-Essen abgehalten werden. Wohl bekomm's.

Und das alles ist wunderbar kunterbunt beschriftet, irgendwo zwischen liebevollem Diletantismus und vegilbtem Handwerk. Hauptsache es ist laut, bunt, dekorativ und richtig voll. Die meisten Beschriftungen sind noch handgemalt, das gibt der Sache ein stilvolles und charmantes Äusseres und versetzt einen irgendwie in eine andere Epoche. Und dann wird's Zeit, den Sand aus den Schuhen zu schütteln, einen Hot Dog auf den Weg mitzunehmen und die lange Subway-Fahrt nach Hause anzutreten.
Morgen fängt die Schule wieder an.

thomas

Ich will mir das gerne mal life anschauen, aber die Fotostrecke und der Text sind klasse!
Sehr treffend: „... irgendwo zwischen liebevollem Diletantismus und vegilbtem Handwerk.“

Ich finde 'liebevoller Diletantismus' klingt wie eine Kunstrichtung ...

Nick Tornado

Geht in die Richung Outsider-Kunst; oder Grossmutters handbemalte Blumentoepfe.

Lars Harmsen

Gibt es da noch das Aquarium mit den Orcas? Lucky you to live in NY!!!!!!!

thomas

Zugegeben, als Kunstrichtung wäre das schon aberwitzig ...
ich find's jedenfalls wunderbar.

Oups! Schreibt man 'live ansehen' nicht mit 'v'? Diletanten Olé!

Nick Tornado

Das Aquarium hab ich mir nur kurz angeschaut. Orcas hab ich keine gesehn, aber es gab jede Menge Quallen und Tintenfische. MIndestens so farbenfroh wie die Typo.

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