22. Jan 2009 2235

DESIGN ECOLOGY

NEO-GRÜNE MARKENSTRATEGIEN

Eine Buchvorstellung von Sandra Augstein:
Essbare Schuhcreme, Müsli-Mix per Mausclick, Rohkost für die Haare. Ökoprodukte mit kopierten, selbst gebastelten Etiketten sind passé. Die neuen Ökoprodukte sind schön, modern und machen Spaß. Ethik und Hedonismus sind längst kein Widerspruch mehr.

Schuhe aus England werden zu Teppichen recycled. Die dazugehörige Schuhschachtel kann als Pflanzenschale, zum Ziehen von Samen in die Erde gepflanzt werden. Und auf der Shoperöffnung wird die essbare Schuhcreme als Brotaufstrich auf Crackern angeboten.

Design Ecology wurde vom Verlag Hermann Schmidt Mainz herausgebracht und zeigt anhand von 68 Beispielen, wie amüsant, schräg, schön und durchdacht Ökoprodukte sein können. Zu jedem Produkt wird etwas über das Produkt selbst, das Unternehmen und das Design, sowie die Kreativen gesagt, die dahinter stecken.

In einem weiteren Teil, unter Positionen und Perspektiven, kommen Menschen in Form von Interviews zu Wort, die beispielsweise mit ihrem Unternehmen einen radikalen Wandel wagten und auf Nachhaltigkeit und Ökologie umstellten, oder eine Gruppe von Frauen, die unter anderem Lovely as a Tree gründeten, eine Website die Designern Tipps gibt für grüneres Design.

Und zu guter Letzt hat dieses Buch noch einen sehr interessanten Anhang, ein so genannter Wegweiser, mit Tipps zu ökologischer Materialauswahl und Produktion. Gedruckt wurde übrigens auf einwm PEFC-zertifiziertem Papier, aus nachhaltiger Forstwirtschaft und anstatt einer Einschweißfolie wurde Pergamin-Papier verwendet. Ein wunderbares, rundum gelungenes Buch.
















Aus dem Klappentext:
Ökologie und Nachhaltigkeit rücken zunehmend in den Fokus der Unternehmenskommunikation. Dabei haben die alten visuellen Klischees des Öko-Design gründlich ausgedient. Wie man „Corporate Green“ kommuniziert, machen viele Bio-Firmen vor. Mit moderner Bildsprache in stilistischer Vielfalt sprechen sie radikal veränderte Zielgruppen zeitgemäß an. Design ecology! präsentiert rund 70 internationale Marken – von kleinen, „selbst gemachten“ Labels bis hin zu global agierenden Brands –, die beispielhaft zeigen, wie sich das wachsende Bedürfnis nach Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit sowie das Interesse an sozialen und ethischen Fragestellungen durch Kommunikations- und Designstrategien aufgreifen und zielgruppengerecht beantworten lässt. Neben diesen Highlights der neo-grünen Bewegung der 00er Jahre stellt es Standpunkte und Visionen von Beobachtern und Involvierten vor und gibt einen Überblick, was Designer beachten müssen, um umweltfreundlichere Lösungen für Printmedien und Verpackungen zu entwickeln.

--
Autoren Jutta Nachtwey, Judith Mair
Design Büro Mario Lombardo
21.5 x 30 cm, 272 Seiten, Leineneinband mit Folienprägung
ISBN 978-3-87439-763-6
Euro 68.00

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22. Januar 2009 - 15:50 – Tanja | Kommentare (30)

Kommentare

DESIGN ECOLOGY

ein sehr gut recherchiertes buch. kein wunder – jutta nachtwey ist seit vielen jahren redakteurin von page. aber nicht nur das: qualität hat heute eine ganz andere bedeutung bekommen als noch vor 10-20 jahren: nachhaltigkeit. es muss in den nächsten jahren click machen. ganz merkwürdig, dass wir in vielen dingen extrem schnell sind. und in den wichtigen entscheidungen für die generation unserer kinder leider oft viel zu langsam.

22. Januar 2009 - 19:04 – lars

DESIGN ECOLOGY

Nachdem ich dieses Buch gründlich gelesen habe, stehe ich diesem eher kritisch gegenüber.

Es werden Marken mit einem grünen Touch vorgestellt. Der Fokus liegt dabei auf Entrepreneurship sowie Werbung für die Marken und nicht auf Design. Auch die Tips für Material sind für einen Grafikdesigner nicht sehr aufschlussreich.

Das Buch wirkt verschwenderisch "überdesigned", was der Inhalt leider nicht auffangen kann.

Ich wünsche mir kritischere Produktvorstellungen von slanted, denn wird hier nur glorifiziert, unabhängig vom Inhalt.

22. Januar 2009 - 20:46 – Axel (nicht überprüft)

DESIGN ECOLOGY

Auch auf der Creative Paper Conference (hier habe ich davon berichtet: http://www.slanted.de/eintrag/unterwegs-muenchen) war die Thematik um ökologische Druckverfahren und Design ein großer Schwerpunkt. Man hat den Wandel in den Köpfen regelrecht gespürt. Ich finde es gut, dass man darüber nachdenkt und Technologien entwickelt, um diese naturfreundlichen Verfahren zu verwriklichen.

22. Januar 2009 - 20:49 – Julia

DESIGN ECOLOGY

Was bedeutet eigentlich "Grün sein" heutzutage? Da sehe ich einen grossen Widerspruch. Apple verkauft "environmentally safe Macs". So so. Wer recycled seinen Mac in die Aludosenpresse? Oder wer schmeisst seinen alten Laptop in den Plastiksack? Niemand. Also ist es ein Verkaufs- bzw. Marketingargument. Zudem sitzen die armen Chinesen, die drüben die Dinger zusammenschrauben, mitnichten im Biotop und atmen sicherlich keine saubere Luft ein.

Oder hierzulande. Warum gibt es fast auschliesslich PET-Flaschen? Ich dachte, das Öl geht zuende. Oder warum sind Papiertüten im Supermarkt so viel teurer als Plastiktüten? Warum muss um 100 Gramm Wurst 200 Gramm Plastikverpackung?

Oder im Bestattungswesen. Warum muss Oma und Opa in einem sündhaft teuren, mit Speziallack getränkten Holzsarg, der schlecht abbbaubar ist, die Umwelt vollpflastern? Eine kleine Verbrennung mit Verstreuung über dem Matterhorn wäre doch viel stylischer. Und keiner müsste das Grab pflegen, was wiederum Kosten und Müll verursacht.

Gute Ansätze sehe ich bspw. in der Musik-CD-Produktion. Nicht nur sind CD's in Papphüllen edler und formschöner, auch gibt es somit ein verfi***** Jewelcase weniger auf der Welt. Aber leider leider sind es nur 0,0001 % die diesen Weg gehen. Weil es zu teuer ist?

Die Industrie hat kein Interesse am Umweltschutz und hat kein Interesse daran zu sparen. Denn Verbrauch in jeglicher Form bedeutet Geld. Ob es jetzt weisses Papier statt Recycling ist, 4-Farbdruck statt Monoprint oder Plastiktüten statt Papier … es verdient jemand daran.

Ich hoffe, dass der Inhalt dieses Buches wirklich fundiert ist, denn die Buchoptik geht mir gar nicht ab. Kommt mir wie ein Lifestyleschrubber entgegen. Konsequent wäre wirklich Einfarbdruck auf Recyclingpapier, denn für eine Message braucht es kein Pomp und Gloria sondern Worte die sitzen. Warum darüber nicht nachgedacht wurde, bleibt schleierhaft. Zu teuer?

Und bei solchen Sätzen wie diesen hier, packt mich das nackte Grauen:

„Schuhe aus England werden zu Teppichen recycled. Die dazugehörige Schuhschachtel kann als Pflanzenschale, zum Ziehen von Samen in die Erde gepflanzt werden. Und auf der Shoperöffnung wird die essbare Schuhcreme als Brotaufstrich auf Crackern angeboten

Essbare Schuhcreme? Schuhschachtel als Topfersatz? Was hat die Probanden da geritten? Ökobewusstsein sicherlich nicht. Denn solche Ideen sind ist pure Heuchelei bzw. albern und entlarvend.

22. Januar 2009 - 20:52 – Bernie (nicht überprüft)

DESIGN ECOLOGY

> Essbare Schuhcreme? Schuhschachtel als Topfersatz? Was hat die Probanden da geritten? Ökobewusstsein sicherlich nicht. Denn solche Ideen sind ist pure Heuchelei bzw. albern und entlarvend.
wieso denn? z.b. hanf: wird doch auch geraucht, daraus werden kleider, papier, brennstoff, taue, medizin und vieles mehr gemacht. verdamt cool! oder popcorn als verpackungsmaterial. soll es geben. habe leider noch nie ein solches bekommen.

22. Januar 2009 - 22:01 – lars

DESIGN ECOLOGY

>Das Buch wirkt verschwenderisch "überdesigned", was der Inhalt leider nicht auffangen kann.
>Konsequent wäre wirklich Einfarbdruck auf Recyclingpapier, denn für eine Message braucht es kein Pomp und Gloria sondern Worte die sitzen.

warum darf öko nicht plat, plakativ, bunt, hochwertig, oberflächlich, emotional, überdesignt und sexy aussehen?

ein solches buch ist immer subjektiv, das thema viel zu weitläufig und komplex, um präzise in eine form gegossen werden zu können. es wird nie alle bedürfnisse erfüllen können. es kratzt nur an der oberfläche. reicht das nicht als anregung? denn letztendlich geht es doch darum, beim kleinsten nenner anzufangen: einem selbst.

22. Januar 2009 - 22:14 – lars

DESIGN ECOLOGY

Dem Kommentar meines vorangegangenen Schreibers kann ich mich zum Teil anschließen, merke aber doch, dass unter Umweltbewußsein oder auch »Ökologisches Denken und Handeln« völlig subjektive Dinge wahr genommen werden. Skeptisch werde ich, wenn so etwas in Verbindung mit dem Tod gebracht wird. Aber ich denke das ist ja eben eine Ansichtssache. Doch ganz entschieden meine ich, dass Ökologie und Hedonismus sich nicht vertragen. Im allgemeinen wird dieser Begriff ja im Zusammenhang mit einer vordergründig an Lust und nach egoistischen Interessen ausgerichtetes Leben gebraucht. Umweltbewußtsein und auch »Ökologisches Denken und Handeln« sind immer an empathischen Umgang mit mir und Umwelt interessiert. Somit schließen sich beide Begriffe völlig aus.
Wenn jemand etwas über Design und Ökologisches Design wissen will empfehle ich Christof Gassners Buch: Alltag, Ökologie, Design - Umweltzeitschriften gestalten, (Verlag Hermann Schmidt, Mainz 1994, ISBN 3-87439-308-9). In dem letzten Magazin SPECTOR CUT AND PASTE, das unter anderen von Markus Dressen herausgegeben wird, ist auch ein gutes Interview mit Gassner enthalten.

22. Januar 2009 - 22:27 – Tobias-David Albert (nicht überprüft)

DESIGN ECOLOGY

Ich find das Buch toll, versuche vieles davon umzusetzen oder umzudenken.

@lars: "popcorn als verpackungsmaterial": gibt's bei LUSH (seifen), ist aber nicht essbar ; )

23. Januar 2009 - 10:53 – Michael (nicht überprüft)

DESIGN ECOLOGY!

>warum darf öko nicht plat [sic?], plakativ, bunt, hochwertig, oberflächlich, emotional, überdesignt und sexy aussehen?

Klar darf Ökodesign sexy aussehen, nur erwarte ich dann auch einen sexy Inhalt. Dieses Buch ist extrem hochgestylt und bietet inhaltlich kaum mehr als PR-Auftritte von grünen Unternehmen.
Vielleicht verstehe ich auch nur den tieferen Sinn der über fünfzig rein dekorativen Fotoseiten nicht, aber gelernt habe ich von dem Buch leider gar nichts. Gemessen an dem Inhalt ist das Buch extrem dick, großformatig und teuer, was ich unabhängig vom Thema Öko verschwenderisch finde.

Daher schließe ich mich Tobias-David Albert an und empfehle Christof Gassners Buch über das Magazin Ökotest. Dort geht es nämlich wirklich um "Ecology Design" und nicht nur um "sexy Aussehen".

Im Übrigen darf ein ökologisch produziertes Buch auch angenehm riechen.

23. Januar 2009 - 12:12 – Axel (nicht überprüft)

DESIGN ECOLOGY

wie an anderer stelle bereits kundgetan:

auch in diesem kon- und pressetext darf es nicht fehlen:
N A C H H A L T I G K E I T

was könnte das sein?
eine worthülse etwa, auf die sich alle einigen können, die gerne auch von werten und reformen sprechen?

ich begrüße eine entwicklung, die zukunftsgewandt die vernunftbegabtheit des menschen in den vordergrund stellt um sich (direkt im anschluss daran) darüber klar zu werden, was dies dann tatsächlich in der konsequenz (!) bedeuten kann und muss.

ein gestalter sieht da eine gehörige portion arbeit auf sich zukommen, wenn er sich nicht alleinig auf diesbzgl. kundeninformationen verlassen, sondern sich tatsächlich ernsthaft der herausforderung eines verantwortlichen tuns stellen will.

man darf gespannt sein, wie und ob sich informationswille (in form eines höheren arbeitsaufwands) und der dazugehörige mut zur kritik in den portfolios der nächsten jahre niederschlagen wird.

fest steht schon jetzt: unpolitische, unreflektierte gestalter werden keine relevanten ergebnisse liefern können.

23. Januar 2009 - 13:32 – CHR15

DESIGN ECOLOGY

Ja, ich weiß auch nicht so recht. Ich habe kürzlich bei uns an der FH in Pforzheim einen Vortrag von Mario Lombardo (dem Gestalter dieses Buches) besucht. Diese Arbeit, das vorgestellte Buch, war auch Gegenstand des Vortrages. Offenbar haben Die Mitarbeiter seines Büros mit Ihm zusammen für die fotografischen Trennerseiten Blätter gesammelt. Haben sich dann aber doch entschieden den »Design-Aspekt« zu betonen und diese Blätter und Pflanzen aus weissem Papier auszuschneiden. Diese Stapeln sich nun wohl in deren Keller und sind einfach zu schade zum wegwerfen!?

Kann man alles Nachlesen auf www.mariolombardo.com.

Tja…

23. Januar 2009 - 17:49 – Matze (nicht überprüft)

DESIGN ECOLOGY

Dieses "man kann", im Sinne von: man kann Schuhcreme essen, man kann Hanf zu Medizin, Klamotten und Rausch verbasteln, man kann Bücher aus Papier von nachhaltig angebauten Forstbeständen herstellen, man kann Wasserlack statt Nitrolack versprühen etc. p. p., klingt wundervoll und toll, doch es ist naiv, denn die Realität ist nunmal gegenteilig verlagert.

Wenn Apple vollmundig anpreist, Macs in Komplettalu mit Glasscheibe und reduziertem Chemieklebereinsatz zu produzieren, geriert das zu einem Marketinggag sondergleichen, denn a) werden für das ach so tolle Alu in China ganze Landstriche zwecks Bauxitabbaus kaputtgemacht, b) 100.000 Menschen in 3-4 Arbeiterstädten 24 Stunden am Tag, jeden Tag, regelrecht versklavt und c) der Elektromüll, der aus Europa und den USA wieder retour kommt, 100 km weiter weg in einer (jetzt nicht mehr bewohnbaren) Provinz von noch ärmeren Leuten in Eisenkesseln ausgekocht bzw. sortiert, ohne Schutzvorrichtung, und diese "recycelten" Rohstoffe wiederum fliessen in die Produktion der Mikrochips und Mainboards, die im neuen iPod Nano 4G gebraucht werden. Und so ist es auch bei allen anderen Herstellern. Zum Beispiel Walmart. Walmart lässt seine Produkte (Lebensmittel, Kleidung, etc.) ausschliesslich in China herstellen, um sie dann in grossen Containerschiffen rüber in die USA schippern.

Es geht nicht darum, etwas zu produzieren, das Öko ist, gut riecht und sexy aussieht, denn das ist Endresultat bzw. -form. Es geht um die Prozesse. Und auch um die gesellschaftlichen Prozesse. Wir alle leben in Industriegesellschaften, in denen es früher einen ungefähren Ausgleich zwischen Produktion und Konsum gab – sprich, das die Arbeiter, was sie kauften, zum grösstenteil auch selbst herstellten. Heute wird alles in China produziert, die Industrieunternehmen schämen sich jedoch ihrer Raffgier und das resultiert zum Beispiel in dieser umfassenden Beschuldigung Chinas, zuviel Öl zu verbrauchen bzw. das China ja auf dem Weg zur Weltmacht sei. Humbug. Sie stellen fast alles für den Globus im Auftrag her.

Wir haben in Deutschland ca. 6 Millionen Arbeitslose. Warum? Weil so viele Produktionsprozesse "outsourced" wurden nach Rumänien, Ungarn und Tschechien und dergleichen, mit Geldern aus EU-Mitteln finanziert, die wir Arbeitenden vorher eingezahlt haben. Das dies natürlich zu suboptimalen Produktionsbedingungen in diesen Ländern führt, mit Herstellungsprozessen, die teilweise knapp am Todschlag vorbeischrammen, ist logisch und vorhersehbar. Doch den Fabrikbesitzern vollkommen egal. Denn es ist ja weit weg und wen interessiert es? Es ist wie in der Industrialisierung anno dazumal: Ausbeutung, Lohndumping, Umweltverschmutzung. Nur mit einem legalen, eurobürokratischen Anstrich versehen. Die Ökologie bleibt auf der Strecke bzw. wird als Aufkleber designed. Wir wollen ja alle so Öko sein, aber warum kaufen wir die grossen roten Paprika aus Spanien, nicht wissen wollend – oder könnend, dass Spanien eines der grössten Pestizidverspritzer Europas ist? (Kauft die holländischen)

Ein Designer kann durch sein Design bzw. seine Materialauswahl kaum was ändern. Er kann sich nur aus dem Angebot, das ihm die Industrie zu Verfügung stellt, das ökologischste Material aussuchen und verwerten. Das es nun Papier aus Ökoanbau sei, keine PVC-Schutzfolie sondern Papier, ist lobenswert, doch ist es Teil der Verblendung seitens der Industrie, die dieses Randgruppenangebot als Pseudoalternative führt, als Deckmantel für die viel grösseren Schweinereien, die unsere Printmedien nicht mehr entlarven sondern bereitwillig helfen zu verschleiern, wie bspw. die Verseuchung unserer Landwirtschaft durch Monsatos Genpflanzen oder der Tatsache, dass Bauern im Irak kein eigenes Saatgut mehr haben dürfen sondern nur noch sogenanntes "Terminatorseed" – Saatgut, das sich nicht mehr vermehrt. Es sind so viele Dinge am laufen, die nicht mehr funktionieren und gegen uns gehen, was hilft da ein ökologisch hergestelltes Buch? Erstmal müssen die Leute wissen, was geht und es auch umsetzen. Aber sie wissen es ja, sind jedoch fett. Oder blöd. Oder haben einfach nur Angst.

Was machen wir nun? Essen wir nun doch die Schuhcreme oder bleiben wir beim Steak? Malen wir jetzt besser mit der Hand oder doch mit dem schicken Mac?

Geht nicht mehr. Die Prozesse sind etabliert. Ich kann nicht mehr mit einer Handzeichnung zum Drucker laufen. Und wenn ich diese Schuhcreme nicht esse sondern ihrer eigentlichen Bestimmung zuführe, laufe ich Gefahr von einem Rudel Hunde angefressen zu werden. Somit muss ich mir was anderes überlegen.

Aber warum eigentlich? Ich habe ja nichts gegen den Konsum, doch die Herstellungsprozesse funktionieren nicht bzw. sind komplett Scheisse, und ich bin der Meinung, daran sind Staat, Banken und Industrie schuld, nicht wir. Und deswegen sollte man uns damit nicht behelligen. Es sollte Regel sein, dass es keine Plastiktüten gibt, es sollte Regel sein, dass alle Fabriken Solarpaneele auf den Dächern tragen, es sollte Regel sein, dass Autos keine 20 Liter Super Plus fressen oder das Modescheisslabel PRADA-Pullis für 500 Euro verkloppt, die in Sweatshops in Puerto Rico zusammengenäht wurden. Für 20 Cent! Es sollte Regel sein, dass man sich an Regeln hält und nicht immer wieder in archetypische Sozialunformen zurückfallen will. Dafür kann man zu seinen Ahnen in den Dschungel. Zu den Schimpansen, den Gorillas, den Pavianen. Da kann man noch so richtig schön die Sau rauslassen. Die scheissen auch überall hin, kloppen sich mit Steinen und klauen dem anderen das Fressen weg. Aber für eine Zivilisation ist dieses Thema doch erledigt. Leider eben nicht.

Es sollte nicht sein, dass ich mich um solche Selbstverständlichkeiten kümmern muss. Denn ich erwarte von den ach so gescheiten Wirtschaftslenkern a la Prof. Dr. Magna Cum Laude, dass sie ihren Job richtig machen, anstatt sich auf diesen unzähligen Wirtschaftskongressen Champagner und Kaviar reinzuwürgen und sich ihren Corporate-Design-Arsch von Kurt Weidemann branden zu lassen.

Man kann alles ökologisch und gewinnbringend herstellen. Und zwar hier in diesem Land. In allen Ländern! Somit würden Produktionsprozesse zurück ins Land kommen, diese in ökologisch optimierte umgewandelt und wir bekämen vielleicht eine Gesellschaft, in der weit weniger Ressourcen verschwendet werden, als es jetzt gerade passiert.

Warum redet man von Öko, während sich PET-Flaschen und sonstiges Plastikverpacks rattenmässig vermehrt? Ich habe noch nie so viel Plastik in der Tüte und die Argumentation, man könne es ja recyceln, es rückführen in die Ausgangsstoffe oder, wenn das nicht geht, in Parkbänke (!) verwandeln, ist blanker Hohn. PET-Flaschen sind aus Plastik, Plastik ist aus Öl. Und worum dreht sich unsere Weltpolitik seit 8 Jahren so vehement? Um Terrorismus, Atombomben und Islamisierung. In erdölproduzierenden Ländern. Ausserdem: Die nicht recyclefähigen PET-Flaschen werden grösstenteils in Ballen gepresst und auf Containerschiffen verladen nach China verschippert. Aber hoppla, die Macs sind ja nun aus Alu! Stimmt, sie schippern neuerdings auch unsere Becksbier Aludosen rüber. Denn Bauxit wird knapp.

Ach apropos Lars. Man kann aus Hanf Öl und Medizin herstellen, das stimmt. Wird's aber nicht. Denn Hanf in seiner Reinform (mit 10 - 15 % THC-Anteil) ist ja verboten. Und warum? Nicht wegen des Rauschs sondern auf Wunsch der Öl- und Pharmaindustrie, datiert auf 1910 herum, dem Startdatum erdölverbrauchender Wirtschaftlichkeit – der Globalisierung von Gier.

So. Und was tut jetzt dieses Buch dagegen?

24. Januar 2009 - 18:15 – Bernie (nicht überprüft)

DESIGN ECOLOGY

Lieber Bernie,
Du hast Dich ja wunderbar informiert. Das Buch finde ich auch aus meinen oben schon beschriebenen Gründen sehr peinlich. Allerdings muss ich relativierend hinzufügen, dass mich eher der Text der Buchvorstellung hier problematisch erscheint und die wenigen Abbildungen mich nicht überzeugen.
Ich finde bei Dir traurig das Du womöglich als Gestalter denkst »kaum« etwas ändern zu können. Ich denke das Du gerade dem »kaum« mehr Bedeutung und Wert beimessen könntest. Ich denke das jeder Mensch, und damit auch ein Designer oder besser Gestalter die Möglichkeit hat eine Menge zu tun. Was dies ist kann ich Dir allerdings nicht beantworten.
Ich denke aber das Design häufig nur mit der Gestaltung von Dingen beschäftigt ist aber die Dinge als solche zu wenig hinterfragt. Ein Designer oder besser Gestalter sollte aber beides wahr nehmen.

24. Januar 2009 - 20:09 – Tobias-David Albert (nicht überprüft)

ECOLOGY

Spannender Beitrag von Bernie!

Zu diesem Thema (Ökologie/Ökonomie/Nachhaltigkeit) gibt es sehr starke Filme von Erwin Wagenhofer.

24. Januar 2009 - 23:16 – Axel (nicht überprüft)

DESIGN ECOLOGY

sehr beachtlich, wie bernie einen mix aus gegoogeltem halbwissen und stammtischsprüchen vom ortsverein der grünen zu einem nervig langen kommentar aufbläst. wirklich: sehr beachtlich. bernie liegt jetzt noch erschöpft am boden aufgrund der extraportion pathos.
so. und was tun wir jetzt dagegen?
die website wechseln. richtig. und zwar dauerhaft.

25. Januar 2009 - 1:18 – ines (nicht überprüft)

DESIGN ECOLOGY

> die website wechseln. richtig. und zwar dauerhaft.

@ ines: hoffentlich bleibst du da auch.

25. Januar 2009 - 10:55 – arne.k (nicht überprüft)

DESIGN ECOLOGY

Sehr schade, liebe Ines. Da Du ja die Webseite gewechselt hast (wohin eigentlich?) wirst Du meine Frage an Dich nicht mehr lesen können; und die beginnt so:

Gesetz dem Fall es wäre gegoogletes Halbwissen, gepaart mit Stammtischparolen ortsansässiger Grünenparteiler, die ich hier zu einem soooo nervig langen Kommentar aufblase:

Wieso lachst Du dann nicht, sondern regst Dich sogar fürchterlich darüber auf?
Und fliehst?

Gute Reise, B.

25. Januar 2009 - 18:32 – Bernie (nicht überprüft)

DESIGN ECOLOGY

Hallo Tobias. Es geht mir prinzipiell darum, aufzuzeigen, dass man sich von so gutgemeinten Ratgebern nicht blenden lassen sollte, da die Problematik viel tiefschichtiger zu verorten ist.

Dass man im ersten Schritt ernüchtert feststellt kein Konzept für eine Änderung zu kennen, ist doch OK. Traurig ist das nicht. Sondern real. Denn; man muss ersteinmal die Zusammenhänge kennen, dann den Plan schmieden. Alles andere ist Illusion bzw. Desillusion.

Zudem will ich keine Revolution. Ich mag mein MacBook, ich mag mein iPhone, sprich: Ich will den Konsum. Doch der kann doch okolögisch sein, und nicht in China unökologisch produziert. Und das würde viele Menschen, zum Beispiel hierzulande, sehr glücklich machen. Zudem hätte ich zu der Firma ein viel besseres, humaneres Verhältnis – wüsste ich, dass deren Produkte sauber, hochqualitativ und ökologisch – hierzulande – hergestellt wären. Eine Win-Win Situtation.

Wenn das unsere Wirtschaft nur kapieren würde.

P.S. Der Designer, und da läuft das Buch leider komplett am Thema vorbei, hat mit diesen Prozessen und Entscheidungen gar nichts zu tun, denn er kann nur aus vorgegebenen Produkten (wie erwähnt) das ökologischste heraussuchen. Den Prozess selber, kann er kaum bzw. gar nicht beeinflussen.

25. Januar 2009 - 16:29 – Bernie (nicht überprüft)

DESIGN ECOLOGY

fällt mir gerade ein: auf der typo berlin hatte kalle lasn (adbusters) mal von einer hochhaus-sanierung erzählt bei der neue sehr plakative stromzähler direkt innen neben der haustür aufgehängt wurden. es hat dazu geführt, dass enorm viel strom gespart wurde. auf solche ideen kommen designer, nicht politiker. designer nützen der gesellschaft dann am meisten, wenn sie nicht den finger in die wunde stecken sondern erfinderisch sind und dinge entwerfen, die dem menschen gut und dienlich sind. und politiker begeistern.

26. Januar 2009 - 22:03 – lars

DESIGN ECOLOGY

Tolles Beispiel Lars! Sehr gut sogar, wie ich finde!

Lustig: als ich das Buch zum Ersten Mal auf der "Blickfang" in der Hand hatte, las ich darin, dass es beim Originalkauf ganz toll in Papier eingeschlagen sei. Die Verkaufsexemplare waren jedoch alle mit Plastikfolie verschweisst ... Vielleicht setz ich ein Gerücht in die Welt, aber ich glaube, das stand da drin oder auf einem sonstigen Werbepapier nebendran.

Aber abgesehen davon ist ja Papier auch nicht unbedingt so ein Geschenk an die Umwelt ... Am Besten ist, wenn wir alle etwas zurückschrauben, weniger Leuchtfarben, zertifiziertes Papier, Wollmilchsäue statt Materialschlacht und eben klare Kommunikation für gute Produkte, dann braucht es von allem Weniger. Webseiten verbrauchen ja letztlich unglaublich viel Strom ...

Aber ich finde es schwierig, ehrlich. Wir verbrauchen in unserem Job alle so verdammt viel Zeug überall und jeden Tag, man kann sich ja garnicht sicher sein ob am Rechner arbeiten eine geringere Energiebilanz hat als mit viel Papier und Handwerk zu entwerfen. Es ist ein grosses Fragezeichen.

Das Buch zeigt Firmen die es versuchen, aber eigentlich ist es an sich irgendwie schon wieder ein Hohn, darüber ein Buch zu produzieren. Ein gut administrierter Webblog oder ein Webmagazin wären toll.

Was man als Designer tun kann ist: Als Mensch sparen sparen sparen und für gute Lebensmittel und Produkte ausgeben ausgeben ausgeben und im Job dann einfach hinter den Kulissen clevere Schachzüge machen.

Leider finde ich geile Plastikeinbände halt schon Megasexy ... und Neonfarben ... und Klebebuchstaben ... und tiefgezogene, lackierte Oberflächen ...

27. Januar 2009 - 3:02 – Hmm (nicht überprüft)

DESIGN ECOLOGY

Ich fänds aber besser bei der Hochhausanierung ein intelligentes Konzept von Solarnutzung einzubauen als einen Fingerzeig auf die moralische Verwerflichkeit von Stromverbrauch aufzustellen. Eine Schwalbe macht bekanntlich keinen Sommer und ein stromsparendes Hochhaus unter vielen leistet keinen nennenswerten Beitrag zur Ökonomie, besonders dann nicht, wenn alle ihren Strom aus Braunkohleverbrennungsanlagen beziehen.

In meiner Umgebung haben viele ihre Dächer mit Solarpaneelen zugebaut und sind derart begeistert von der Menge an Energie die sie dadurch gewinnen bzw. einsparen, dass alle unisono erklären, dass sich der anfangs hohe finanzielle Aufwand wirklich lohnt.

Das ist gutes Design.

27. Januar 2009 - 12:01 – Bernie (nicht überprüft)

DESIGN ECOLOGY

HIER passiert nichts.

mehr als die meisten produkt- und kommunikationsdesignerInnen nehmen sich nicht die ZEIT.

wie die meisten bio-anhängerInnen,
wie die meisten journalistInnen,
wie die meisten wählerInnen.

die frage ist doch, WER oder WAS könnte mal vortrefflich INFORMIEREN?
ohne ökologie-dogma, ohne scheuklappen etc.
ohne diesen ganzen nachhaltigkeits-benefit, der genauso verpuffen wird wie jede andere spekulationsblase zuvor.

die meisten der ökologie-plattitüden sind in der tat spekulationen. teils veröffentlicht 1972 vom CLUB OF ROME. oder 1980 in GLOBAL 2000 in einer etwas dramatischeren fassung.
selbstverständlich stehen wir heute einer reihe weiterer anforderungen gegenüber als damals. es existiert scheinbar ein anderes bewusstsein, eine andere bereitschaft mit den themen umzugehen bzw. umgehen zu wollen. dies öffnet dem öko-chauvinismus tür und tor.

es geht überhaupt nicht darum schwarz zu malen oder die bedeutsame funktion jedes einzelnen herabzuwürdigen! es geht darum sich TATSÄCHLICH in erster linie darum zu kümmern, wie die FAKTENLAGE ist. das ist oftmals schwer genug. unter anderem, weil man mitunter gezwungen wird, UMZUDENKEN.

daraus ergibt sich eine dringlichkeit. auf deren oberen plätzen geht es mitnichten um schuhcreme etc., deren berechtigung in KEINER relation zum schaden steht, den diese bevormundenden ablass-thesen innerhalb einer, inzwischen leider wirtschaftlich relevanten, neogrünen bewegung anzurichten vermag.

nichts tun bringt nichts.
und das gegenteil von gut ist gut gemeint.

27. Januar 2009 - 20:36 – CHR15

DESIGN ECOLOGY

2 reaktoren sind nötig um alle geräte die in deutschland auf stand by stehen zu füttern..

28. Januar 2009 - 1:43 – lars

DESIGN ECOLOGY

Polizist verlässt Porno-
Star für Schwiegermutter

28. Januar 2009 - 1:49 – CHR15

DESIGN ECOLOGY

nein chris. das ist nicht banal. nachhaltigkeit fängt am schnellsten bei dir selber an.

28. Januar 2009 - 19:35 – lars

DESIGN ECOLOGY

In diesem Zusammenhang interessante Lektüre:
Die nächste industrielle Revolution: Die Cradle to Cradle-Community
von Michael Braungart und William McDonough

28. Januar 2009 - 23:12 – nora

DESIGN ECOLOGY

oh yes, lars, my man in the mirror.

––––––––––––
O V E R
––––––––––––

29. Januar 2009 - 0:52 – CHR15

DESIGN ECOLOGY

was mich eher nervt:
das design des buches ist nicht von mario,
sondern vom bureau mario lombardo.

27. Februar 2009 - 1:05 – Gast (nicht überprüft)

DESIGN ECOLOGY

ähöm? nicht von mario sondern von bureau mario lombardo?
bitte noch mal genauer für die Nachvollziehbarkeit.

merci

27. Februar 2009 - 13:45 – Gast (nicht überprüft)

TV ECOLOGY

http://jbk.zdf.de/ZDFde/inhalt/22/0,1872,1020214_idDispatch:8441087,00.html

Brüller!

12. März 2009 - 20:35 – CHR15 (nicht überprüft)

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