edgetensionplease / Jürgen Stephan

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Jürgen Stephan hat sein erstes Buch veröffentlicht und es mit folgenden Worten stolz angekündigt: "Endlich ist es da – frisch von der Druckpresse und jetzt im Handel! Mein erstes Buch »edgetensionplease« ist eine Hommage an die Linie. »edgetensionplease« bewegt sich auf der schmalen Kante zwischen Design und Kunst. Es umfasst 288 Seiten und beinhaltet eine CD mit 100 Vektorgraphiken, die lizenzfrei genutzt werden können."

Ich traf ihn letzte Woche in dem ZKM und er überreichte mir seine Publikation. Das Buch ist durchwegs 2-farbig gedruckt. Das Buch könnte vergleichbar sein mit dem kleinen Werk von Raymond Queneau "Stilübungen": eine ganze einfache Geschichte wird immer wieder aufs neue erzählt. Nur wenig Parameter werden von Bild zu Bild geändert und trotz allem entstehen dabei immer wieder neue, vollkommen andere Formen und Wesen. Der Galerie LUMOS scheint es zu gefallen, sie plant einige der Motive großformatig zu produzieren. Dass sich das Erscheinungsbild von Finest/Magma der gleichen Spielerei mit Linien bedient, ist reiner Zufall. Oft liegen die Gedankengänge von Gestaltern sehr nahe beisammen...




Kehrer Verlag, ISBN 978-3-939583-48-6
39,- €

Gast

Irgendwie kommt mir das ganze sehr 1998 vor.

Gast

Es gibt doch so eine Funktion in Illustrator, die diese ganzen Muster erstellt. Da muss man doch kein Buch draus machen. Langweilig!

typonauten

Ich habe mir eigentlich geschworen, auf Gastkommentare nicht zu reagieren.
Aber inzwischen nervt mich das echt an.
Nur noch Kommentare wie "langweilig", "gab’s schon" oder "gääähn"...
Wen interessiert solch eine Meinung von "Gast (nicht geprüft)"?
Und zu sowas wie ".... in Illustrator, die diese ganzen Muster erstellt....": Leute, stellt selbst was auf die Beine, macht was und zeigt es her. Da fällt mir diese schöne Passage von Tocotronic ein:

Ihr sitzt in euren Zimmern und ihr wartet auf das Glück
und ihr habt schon 20000 Zigaretten ausgedrückt
redet nur von den Projekten und von eurem neuen Stück
manchmal frag' ich mich : "Bin ich oder ihr verrückt ?"

Grüße an alle registrierten Nutzer!

fabian

warum gleich so negativ? gesehen sind diese sachen sicherlich schon, hässlich oder langweilig sind sie deswegen noch lange nicht. ich finds fein.

zartbitterdeluxe

Mir gefällts. Sagt mal, weiß jemand wie man solche Grafiken erstellt? Steht das in dem Buch? Oder kennt jemand ein Tutorial?

CHR15

fein ist es wohl.
aber was will es, dieses buch?

ps: danke typonauten

kai

... diese vom typonaut zitierten toco-zeilen geistern mir auch immer öfters durch den kopf, wenn ich unqualifizierte und destruktive gast-kommentare lesen muss.....

da hilft nur "kapitulation"

Boris

Ha, wenn Ihr wüsstet, was ich da immer noch so weglösche! Da kriegt man 'ne rote Birne vor Scham!

CHR15

es ist egal, aber.

Mannii

…ich finde solche Sachen (fertige Vektorgrafiken) für den täglichen Gebrauch immer sehr nützlich… es kommt halt immer drauf an, wie man die Dinger verwendet

bernie

Peoples: Live and let live.
Mit Eurer Attitüde provoziert Ihr genau die Antworten, die Ihr erhaltet.

Und das Buch ist wirklich scheisse.

bernie

Und ich füg gerne dazu warum.
Vektorgrafiken – die hab ich mit 14 auf meinem Schneider CPC berechnet. Ganz toll. Damals.
Die im Buch sind teilweise schön, ja. Aber rockt das jetzt würklisch?? Besonders wenn ich Crysis auf einer Highendmachine sehe. Das sind Grafiken! (Aber das Spiel selbst ist Schrott.)

typonauten

Zum Buch:
Als Freund von Vektorgrafiken finde ich die Formen ziemlich ansprechend.
Über den Nutzen der Grafiken auf beiliegender CD mag man streiten. Ich hätte auch bei »Neubau Welt« nicht gedacht, dass die Grafiken sogar bei einer SPD-Kampagne Verwendung finden...

H-mm!

Typonaut, hast Du ein Beispiel der SPD-Kampagne? Das interessiert mich …

Was das Buch betrifft, bin ich unschlüssig. Wären die Grafiken mit Tusche gekratzt, wäre ich von den Socken, bzw. zöge es mir die Schuhe aus, resp. wüsste ich, wo der Hammer hängt. Aber so … Nicht für mich, aber vielleicht ist es für andere ein Traum und Inspiration.

Vektorgrafiken wie aus «Neubau Welt» zu verwenden, ist eigentlich das Gleiche wie Clip-arts in Word einzusetzen, nur auf höherem Niveau. Wer braucht, soll doch selber machen. Dass es die Möglichkeit gibt darauf zurückzugreifen ist dennoch nicht schlecht. (Und ich beneide die Neubeau-Leute, die einen satten Reibach machen!)
Wär mir aber ehrlich gesagt unangenehm, wenn jemand zu meiner Arbeit sagt: Ah, sehr schön, Neubau Welt!

Notiz: Crysis mit Tusche kratzen – ich wäre gelähmt vor Erstaunen!

bernie

In einer Ausstellung sah ich mal Schraffurgrafiken, dreidimensionale Gebilde, der Schattenverlauf mit einer Kreuzschraffur, die Abstände PENIBEL bei 1 mm. Das hatte Klasse.

In den CPC damals irgendwas eingetippt wie "draw x=2 y=22 hoch4" und schon kam sowas wie auf den beiden letzten Bildern heraus ---> Screenshot. EPS. Druckerei. Cool? Naja.

Eine Rendering-Engine die eine Schraffur simuliert? Sicher möglich. Ansehbar? Nein.

Die Titelfigur von Crysis (vom Verpackungscover) als Tuscheschraffur. Als Poster? A2? Yeah.

typonauten

Wir Typonauten sind zwar auch immer der Meinung: am Besten selbst machen! Andererseits ist das Zurückgreifen auf solche Elemente auch sehr komfortabel. Und peinlich wird es nur, wenn die Grafiken so »massiv« eingesetzt werden, dass fast keine gestalterische Eigenschöpfung mehr sichtbar ist.

@ H-mm!:
http://www.politik-visuell.de/bilddirektor/bilder/spd7bremen.jpg
Da findest du ein Beispiel.

typonauten

Ach so, das Beispiel aus dem Link ist nicht als Beispiel zu meinem letzten Satz zu verstehen (zum Thema Eigenleistung...). Bei diesem Anwendungsbeispiel werden die Grafiken eher dezent eingesetzt.

bernie

Das SPD Beispiel ist ja an sich optisch sehr dezent, obwohl ich das Sujet aus Kran, Kindern, Satellitenschüssel sowie Omi/Opi mit Enkel bei näherer Betrachtung als zu äusserlich empfinde.

Eigentlich interessant: Neubau Welt, SPD, Rückgriff auf Schablonen, keine Innovation, Schmuckwerk.

Ich tät sagen: passt.

typonauten

Schade, dass es »Neubau Welt« und nicht »Neue Heimat« heißt :o)

Gast

Und das Zitat passt hervorragend zum Thema:
«Neues und Bewährtes gehören zusammen. Unsere Weltoffenheit schafft Wirtschaftskraft. Freiheit braucht soziale Gerechtigkeit.»

Es ist ein Appell an die Nutzung von vorgefertigten Vektorgarfiken!
Dass die Weltoffenheit bewährtes Vorgefertigtes zu benützen Wirtschaftlichkeit schafft, habe ich ja oben schon bemerkt, in Bezug auf Reibach machen.

Ein gutes Beispiel obiger Art Grafik ist das Plakat für The Essence 2005, von der Angewandten in Wien.
Leider nur ein Ausschnitt des Plakats:
http://oe1.orf.at/uimg/200507/1120849113126.jpg

Und bei dem «Echt Bremen» hätte es sich tatsächlich nicht gelohnt sich die Arbeit zu machen, denn: sie hätten die Dinger es auch getrost weglassen können. Und das bringt mich zum Punkt: Haben Designer die Möglichkeit ohne Stress diese Grafiken einzusetzen, dann tun sie es auch und Schwup: Schmuckwerk ohne Sinn und Zweck nimmt zu. Schade.

Darum: Tolles Beispiel, danke!

JR Stephan

Jedes Angebot ist nur so intelligent wie sein Benutzer.

Es nicht die Frage ob Fernsehen schlecht ist, ob digitale Schriften schlecht sind, ob digitale Bilder oder ob digitale Grafiken schlecht sind. Die Frage ist vielmehr: Wie gehe ich als Benutzer mit diesem Angebot um?
Ich vermute mal, dass die meisten, die sich hier zu Wort melden, digitalisierte Schriften verwenden – oder kratzt noch irgendjemand aus nostalgisch verklärten Gründen seine Schrift mit Tusche aufs Papier?
Ich vermute ebenso, dass viele auf Fotografien zurückgreifen, wenn sie Bilder benötigen oder malt hier noch einer seine Bilder?
Vielleicht »rockt« es auch nicht einen Computer zu verwenden – oder »rockt« das??

Zu: "Gast (nicht überprüft)":
"Haben Designer die Möglichkeit ohne Stress diese Grafiken einzusetzen, dann tun sie es auch und Schwup: Schmuckwerk ohne Sinn und Zweck nimmt zu. Schade."

Dazu kann ich nur wiederholen, dass dies erstens für digitalisierte Bilder (siehe Stock-Bilder) allgemein und überhaupt für alle Schriften gilt und zum Zweiten es ja mehr an der Kompetenz des Grafikers liegt. Wer ohne Sinn und Zweck gestaltet, der macht das auch ohne Vorlagen.

Und wer glaubt, dass Schmuck keinen Sinn und Zweck hat, sollte sich mal etwas intensiver mit Schmuck, Ornamenten und deren Bedeutung beschäftigen.

Man Könnte auch sagen:
Haben Designer die Möglichkeit, ohne Stress etwas in einem Blog zu tippen, ohne den Anspruch an Reflektion und Kenntnis darüber womit sie es zu eigentlich tun haben und – "Schwup": Gelaber ohne Sinn und Verstand nimmt zu. Auch schade – aber ist das Problem der Blog oder möglicherweise der Benutzer?

Man kann natürlich auch dem Computer die Schuld daran geben, dass durch die leichte Verfügbarkeit von Grafik-Programmen, Schriften, Bildern und Grafiken das Design leidet.
Bringt aber nichts der Computer, digitale Schriften, digitale Fotografie, und digitale Grafiken sind da.

Keines dieser Angebote entbindet den Gestalter von der Aufgabe darüber nachzudenken, was, wem und wie kommuniziert werden kann.

Es geht bei edgetensionplease nicht um die Neuerfindung des Rads.

Dieses Buch ist im Bereich Grafik Design anzusiedeln (hier darf gerne mal überlegt werden, was der Unterschied zwischen Grafik und Kommunikationsdesign ist).
Es ist eine freie und nicht angewandte Auseinandersetzung mit der Linie – nicht mehr und nicht weniger.
Wer sich zu alt oder zu elitär fühlt sich mit Linie und Fläche zu beschäftigen und denkt er hat das nicht nötig – gut. Ich für meinen Teil kann nur immer wieder feststellen, dass genau diese freie Auseinandersetzung ein ungeheuer großes Gestaltungspotential bietet – weg von den Zwängen des Tagesgeschäfts.

Ja, es erinnert durchaus an die OpArt der 60er (z.B. Bridget Riley, Victor Vasarely), selbstverständlich auch an die 70er, die psychedelischen Formen und die Linienformationen der Zeichenschablonen. (Was daran an 1998 erinnert, weiß ich allerdings nicht.) Interessant und wichtig dabei ist jedoch, dass es offensichtlich jemanden an etwas erinnert. Da wird etwas assoziert. Ich glaube das nennt man Kommunikation.
Manche mag es überraschen – Kommunikationsdesign hat was mit Kommunikation zu tun.
Kommunizieren lässt sich nur was in irgendeiner Weise schon gesehen (gelernt) wurde. Konventionen und Wahrnehmungsmuster geben den Weg vor.
Kommunikation funktioniert, wenn das Vertraute und Bekannte mit dem quasi »Neuen« assimiliert werden kann.
Schon die Künstler der Renaissance begangen darüber nachzudenken, wie sich Bilder, Räumlichkeit, Stofflichkeit etc. einfarbig reproduzierbar darstellen lässt und entwickelten die Radierung. Wer sich die Mühe macht das Buch wirklich anzuschauen, der wird auch feststellen dass einige der Grafiken an reale Objekte und Dinge, trotz ihrer Abstraktion, erinnern.

Zum Schluss möchte ich noch dieses Zitat erwähnen.
Erwin Panofsky schrieb (Panofsky, Erwin: Sinn und Deutung in der bildenden Kunst. Köln1975, S.17):
„Es ist möglich, jeden Gegenstand, sei er natürlich oder von Menschen angefertigt, ästhetisch zu erleben...Nur derjenige, der sich
einfach und völlig dem Gegenstand seiner Wahrnehmung hingibt, wird ihn ästhetisch erleben.“

Darum geht es mir bei meinem Buch in erster Linie. Es ist ein Angebot an den Betrachter, diese Auseinandersetzung mit der Linie und einige Resultate daraus ästhetisch zu erleben. Es geht darum die Grafiken einer Öffentlichkeit zugänglich zu machen, um einen kleinen Ausschnitt aus dem Spektrum der Liniengrafik und der Gestaltungsmöglichkeiten aufzuzeigen anstatt sie in der Schublade, respektive auf der Festplatte, verrotten zu lassen.

Und zum Buch NeubauWelt: es ist auf jeden Fall ein gut gestaltetes Buch und ein praktisches und sinnvolles Werkzeug. Und das können wohl die wenigsten Gestalter von sich behaupten – etwas brauchbares geschaffen zu haben.
Ich habe zeitweise sehr mit mir gerungen, ob ich die Grafiken lizenzfrei zur Verfügung stellen soll. Das Buch NeubauWelt hat mich darin bestärkt es zu tun.
Viele Grüße an die Macher – ein wirklich nützliches Werk.
Der zweite wesentliche Grund ist das Internet. Wer früher ein Zitat gesucht hat musste lange in der Bibliothek suchen. Auch das Internet lässt sich ohne Sinn und Verstand nutzen.

So, ihr Star-Designer hier noch ein kleiner Lesetipp:
Immanuel Kant: Kritik der Urteilskraft

Jürgen Stephan :-)

annalein

Ich find das ist ein gutes Buch. Ob diese Vektorgarfiken ein "alter Hut" sind oder nicht, spiel doch keine Rolle.
Nicht jeder hat sowas schon mit 14 erstellt. Es mag wohl auch noch Menschen geben die damit erst anfangen und eben solch ein Buch als nützlich und hilfreich empfinden.

Gast

Hallo ich finde solche Linienvektorgrafiken immer wieder ansprechent, kommt eben we hier schon angesprochen auf das WIE der Verwendung an. Wobei ich presönlich eher auf selber machen stehen würde und genau deswegen mir gerade gedanken mache wie denn eigentlich ? Wenn nicht komplett Händisch…? Müsst doch eigentlich irgendwie auch per script gehen alla "skriptographer" plugin für illustrator.
Habt ihr sonst ansätze zur herangehensweise ? Würde mich interessieren und freuen, Danke

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