Postkarten sollen wie Plakate wirken, Buchcover auch. Dieses hier tut es, denn die Typo macht mich neugierig auf die Publikation. »Geduld und Gorillas« wurde von der Hochschule Luzern herausgegeben um zu zeigen, wie man Illustrationen macht und was in den letzten 20 Jahren im Bereich Illustration an der Hochschule entstanden ist. Abgebildet wird eine Vielzahl aktueller Arbeiten von Studierenden, aber auch Arbeitsproben von Alumni und Dozenten.

Es ist ein schönes, griffiges Buch zum Durchblättern – und für Leute, die sich intensiver mit dem Thema Illustration beschäftigen sicher auch zum Lesen, denn es enthält auch einige Textbeiträge. Das eigentliche Buch ist auf einem beige-farbenen, offenen Naturpapier gedruckt, nur für die Einleitung und das Kapitel der Dozenten wurde ein mattes Bilderdruckpapier ausgewählt.

Eine recht bildliche Aussage aus dem Einband:
»Um einen Gorilla zu zeichnen, braucht es Geduld; ein Gorilla richtet sich nicht nach den Wünschen des Künstlers. Geduld braucht es auch bei der Ausbildung zum Illustrator; Lernen ist ein Prozess - es erfordert Zeit, bis die Studierenden sich ihren Weg und ihre Selbstsicherheit erarbeitet haben.« (Pierre Thomé, Leiter der Studienrichtung Illustration an der Hochschule Luzern)











--
Pierre Thomé, Hochschule Luzern – Design & Kunst (Hrsg.)
Geduld und Gorillas

Wie man Illustratoren macht
344 Seiten, über 400 Abbildungen, 20 x 26,5 cm, Broschur, deutsch/englisch, 36.–
ISBN 978-3-7212-0696-8
www.niggli.ch

Bast

schade
finde es immer wieder, wenn mir zig Fotografien von Büchern, deren Beschreibung mich neugierig macht, fast nichts verraten wollen. Ich brauche keine Hintergründe, Hände nur wenn's nicht alleine aufliegen mag oder Sinn macht und vor allem nicht so viele Detailaufnahmen. Nichts gegen Detailaufnahmen, wenn es auf ein Detail hinzuweisen gilt – eine Veredelung, ein subtiles Einsatz von... .

Ansonsten: warum nicht einfach das Buch aufschlagen, am besten auf neutralem Hintergrund, Foto von oben. Wir wollen doch über Gestaltung reden. Ich würde so gerne sehen, ob mir die Gestaltung eines Buches zusagt oder nicht, ob die einzelnen Bestandteile einer Doppelseite gemeinsam funktionieren, ob das Zusammenspiel im ganzen klappt. Eine große Typo, die über eine Doppelseite läuft, ist toll, weil sie groß über eine Doppelseite läuft. Mir ist vollkommen unklar, warum das in einer Schräglage mit extremer Tiefenunschärfe verklärt werden sollte. So sehe ich mir ein Buch doch niemals an. Ich muss inzwischen oft an einen Jungspund von Fotografen denken, der mich auf meine Bitte nach ein klein wenig mehr Tiefenschärfe in seinem Bildern lehrte, Tiefenschärfe bei Food Fotos sein ein "No-Go". Ahja. Dass man nicht erkennen kann, worüber man hinterher reden wollte, fand er auch eher unwichtig. (Wir fragen ihn jetzt nicht mehr).

Ich finds toll dass ich hier Sachen sehen kann, die ich sonst nie zu sehen kriegen würde, im speziellen Studenten/Diplomarbeiten. Aber ich wünschte oft, die Ausschnitte wären größer, die Perspektiven weniger verdreht und die Blenden nicht ganz so weit geöffnet.

Boris

Hallo Bast,

vielen Dank für Deine Kritik, die durchaus berechtigt ist. Wir nehmen uns das in Zukunft zu Herzen und zeigen mehr vollständige Doppelseiten und weniger Detailaufnahmen.

Beste Grüße, Boris

Bernie

Was ich in den letzten Jahren immer wieder bemängele, ist das Copy-Paste aus dem im TDC der (zum Bsp. hier) gezeigten Grafiksujets: Schmiertypo, Stencilfonts, dieser immer wieder aufgekochte Billgillustrationsstil, Handzeichnungen extra schmierig (weil sie sowieso nicht zeichnen können) und so fort.

Inhaltlich bewegen sich die meisten Bücher auf dem Niveau von Zeitungsbeilegern, denn es ist nunmal so: Wenn ich was zu sagen habe, brauche ich KEINE unterstützenden Grafiken, denn das Wort, sollte es Substanz besitzen, wird das Denken des Lesers komplett vereinnahmen.

Doch will ich nur Bilderbüchlein verhökern, mit irgendwelchem Zeugs aus meinem Malbuch angefüllt, mit irgendwelchen Layerspielchen aus meinem brandneuen CS4, dann wird schlussendllich das Produkt auch genauso aussehen wie ein unaufgeräumter Sandspielkasten.

Das machen ja viele Topdesignbüros auch. Füllen, füllen, füllen mit irgendwelchem belanglosem Kram ihre Printprodukte auf (Kühe, Stiere, Sterne, Prägefolien, Hundekot) aber der Inhalt langweilt und spiegelt den neuronalen Verknüpfungsmangel mancher Frontlappen auf. Und das alles in einer Rechtschreibung, die den Namen nicht mehr verdient. Pro7-RTL-Sat1-Niveau.

Ausserdem Slanted, gibt es noch andere Themen auf der Welt als pausenlos Bücher, Bücher, Diplome, Diplome? Nur mal so als Hinweis. Denn Logos und Webseiten interessieren mich auch.

B.

P.S.: "Geduld und Gorillas" – was ein bescheuerter Buchttitel. Sorry, aber musste mal gesagt werden.

Tanja

@Bernie: Der Hinweis mit den Logos und Webseiten ist gut, Danke.

Wir freuen uns ohnehin immer über Themenvorschläge. Mailt diese einfach an info@slanted.de. Manchmal stolpert man beim Surfen oder Zeitung lesen ja über etwas, das auch für andere Design- und Typointeressierte interessant sein kann.

Bernie

Da hätte ich ein paar:

Paul Snowden - http://www.paul-snowden.com // Bsp: Berlinale2009 Poster, Blumfeld

Mr. Trash // http://www.mrtrash.ths.nu

Markus Mrugulla // http://www.markusmrugalla.com

Jeff Fisher // http://www.jfisherlogomotives.com

Schmid / Langeneck CMPLT // http://www.cmplt.com

Barnbrook // http://www.barnbrook.net

Venture Three // http://www.venturethree.com

Have Fun!

Tanja

Da werden wir uns die ein oder andere Seite herauspicken und in
Kürze ausführlicher vorstellen. Merci.

hans schumacher

… Aber bitte nicht den Snowden, Paul, (wegen wasted german youth, apropos Themen, dem bin ich schon mal auf den Leim gegangen) ausserdem hat er sicherlich Blumfeld auf dem Gewissen, die gibts ja nicht mehr – aber ha, Hamburger Schule, wie heisst es bei den Sternen: und wenn die Themen einmal ausgehn, dann gibt es Themenläden, oder so ähnlich ;-)

Im Ernst: ich finde thematische Vielfalt bei slanted und sowieso sehr begrüssenswert, die ja hier eher durch den Community-Gedanken getragen werden sollten oder müssen, depends – also so ähnlich wie John Peels Music in Grafik, ohne Mr Peel natürlich (und auch ohne Jürgen Siebert auskommen muss) Und die Themen liegen vor der Haustür, buchstäblich … allerdings weiss ich aus eigener Erfahrung, wie lange es dauern kann, etwas thematisch als posting äh auszuarbeiten, da ist kommentieren einiges einfacher, ähem.

Bin gespannt, wie aus Bernies links Themen werden – davon abgesehen finde ich es aber als Anregung und Info was die Leute hier so hören/lesen/etc. interessant. Vielleicht kann man da ne Ecke einrichten, wo so was reinkann (oh Gott, das gibt dann wieder Missbrauch, Missbrauch – also lieber doch nicht)

PS: Hat sich schon ein slanted Redakteur in die Ausstellung Sensational Fix der Sonic Youth Corporation in der Düsseldorfer Kunsthalle verirrt oder das noch vor und möchte berichten – geht noch bis zum 10. Mai und heute Konzert, sagte das Internet – würde mich freuen. Komm da aufgrund Lebensumstände schlecht hin, aber ansonsten: die Themen liegen vor der Haustür, ich schwöre!

Bernie

Why not Snowden? Gerade an ihm finde ich geil, dass es Designer gibt, die ihr Metier mehr Hard- als Softcore angehen. Einige seiner Werke sind typografisch derart prägnant und reduziert, dass ich vor Neid erblasse.

Es beherbegt viel Wahrheitsliebe, über die WM in Deutschland bei Wasted German Youth zu sagen: We came to Fuck, weil wirklich viele einfach nur hierherflogen um deutsche Mädels flachzulegen – und ggf. zu schwängern. Paul trifft sehr oft genau den Punkt. Und das mag ich. Und Blumfeld ist bestimmt nicht eingegangen, weil er die Cover gestaltete sondern weil Blumfeld einfach nur zu speziell ist, ergo, nichts für den Mainstream bzw. weil die seit »1000 Tränen tief« kein wirklich prägnantes Lied mehr hervorbrachten.

Und was Wasted German Youth allgemein betrifft: Die Szene goutiert keine Watte sondern Stahlwolle. Auf jedenfall polarisierender, spannender und auch diskutierwürdiger als dieser Möchtegerndesignquatsch wie Geduld und Gorillas.

Was hier bei Slanted fehlt ist Design, welches man als Kunst für Erwachsene deklarieren könnte. Ich werde mal gucken, dass ich paar gute Sachen zusammensuche. Wird aber dauern (Zeitproblem).

B.

hans schumacher

Why not Snowden? siehe hier: http://www.slanted.de/eintrag/typo-guerilla
(schon irgendwie peinlich, oder kennst du das schon?) … ist nicht so, das ich den Jungs mit den Bomberjacken aka Brody und Snowden ihren Erfolg nicht gönnen würde, aber nun ja … we came to f… auf den Punkt hat den Nachteil, das man es, äh na nicht verallgemeinern, ich es so genau eigentlich gar nicht wissen wollte. Haben die nicht die Plakate mit dem „aids riskieren“ gesehen? Also Kunst für Erwachsene – cheers, bin gespannt, kenn das mit dem Zeitproblem. Ist vielleicht auch eine Frage des Alters, so bis Ende zwanzig fand ich den Francis Bacon (also den bekannten schwulen Kunstmaler) unglaublich spannend, so ab dreissig fing ich dann an Morandi zu mögen (den mit den erdigen Stilleben) – und sogar spannender zu finden, weil alle zehn Jahre seine Malerei neu zu erfinden … det is schon was.

Aber die voll auf die Zwölf Fraktion soll es natürlich auch geben, und was ich Snowden et al neiden würde, ist schon die Möglichkeit/Fähigkeit eine grafische Kontinuität durchzuziehen. Aber bei slanted schätze ich die Beiträge a la lonely friend eben auch sehr.
Naja, um mit Blumfeld zu schliessen: Mein System kennt keine Grenzen (war doch auch n guter Song) – und mit Tocotronic: Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein, und das Gefühl gab/gibts eben noch am ehesten hier.

Noch was zum Thema: wie soll man einem Seitenmächtigen und inhaltlich heterogenen Werk eigentlich fotomässig für den Blog gerecht werden? Vielleicht sind die Detailaufnahmen ein wenig übers Ziel hinausgeschossen, im Kern finde ich den Ansatz aber adäquat, soll heissen: acht neutral fotografierte Doppelseiten hätten mir die Publikation jetzt auch nicht adäquat vorgestellt – mehr Tolleranz, äh Toleranz verflixt. Das kann doch eh nur ein Teaser sein, um das Buch mal im Bücherbogen (ist eine bekannte Buchhandlung in Berlin) zu suchen und vor sich hin zu blättern … schade: keine roten Fingernägel

Bernie

Dann liegt es aber an Dir selbst und nicht an Paul.

hans schumacher

Klaro – Paule kann nix dafür, Francis Bacon kann ich diesbezüglich ja auch keinen Vorwurf machen; ich merke mir, in Bezug auf den anderen post: Snowden = type guerilla,
guerilla = gorilla … und s. o.: Geduld mit Gorillas.

(Paul scheint ja auch ein ganz netter Typ zu sein, soweit ich das von so ein paar Bemerkungen zu seinem Berlinale Logo / Plakaten sagen kann … )

Bernie

Hans, Du weisst doch wie die Dinge laufen.

Gast

das buch ist voll von hinreissend schönen zeichnungen, die zwischen kunst und illustration changieren. allein das macht es schon so inspirierend!
alexander stern

Bernie

Herr Stern, bitte lernen Sie, Kunst von Typografie, Illustration sowie Design zu trennen, sonst werden Sie noch Probleme bekommen.

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