Haben Gestalter durch ihre Kenntnisse in der visuellen Inszenierung eine höhere Einflussmöglichkeit? Ergeben sich daraus neue Verantwortungsbereiche? Sollten wir unsere Arbeit generell humanitären Zwecken dienlich machen?
Sind das unbequeme Fragen? Schon zu oft diskutiert? Etwa sooft wie die Platzierungen im neuen Kreativ-Ranking? Sooft wie der Zeilenabstand in Publikation XY?
Wer tut denn eigentlich etwas gegen Armut, Hunger, Gewalt, Leid? Reinhard Mey oder Bono? Die Hilfsorganisationen werden's schon richten? Welche Beispiele gibt es aus unserer scheinbar so oberflächlich Branche? Bewegt sich was, obwohl Tibor Kalman tot ist?

CHR15

interessant.

fred

Tja, Chrissieboy, bei so viel Leere muß ich wohl ein Posting liefern: Designer sind allerersteinmal eitel (da schließ ich nicht aus), wollen immer und überall vorne mitdabeisein, angeben, protzen, im Scheinwerferlicht stehen, und so weiter und so fort. Deswegen ist es ja auch zu verstehen, warum auch hier, auf dieser Webseite, Andersdenkende bzw. Andersgestalter oftmals vehement (auch von Dir) gedisst und angepöbelt werden. Wir Designer brauchen uns deshalb überhaupt nicht über Dein Anliegen Gedanken zu machen, denn wir sind alles eitle Hohlköpfe mit Dipl.-Design-Diplom die nichts als heiße Luft ablassen. Noch nicht mal unsere eigene Sprache können wir noch richtig. Zufrieden, Chris?

CHR15

ich frage mich nur warum du das alles nicht noch indifferenzierter und noch pauschaler schreibst?!

CHR15

kannst du vieleicht wenigstens zu einer (1) meiner fragen konkret stellung beziehen?

kennst du ausschliesslich 'dipl.-design-diplom'-menschen, die so denken wie du? wo lebst du?

CHR15

mann, das ist echt enttäuschend! es kann doch nicht sein, dass sich niemand damit auseinandersetzt?

nike

ich hab das gefühl, dass designer politik und humanität für sich entdeckt haben. das meisste davon ist vielleicht noch ästhetisch, geht aber am ziel vorbei.

das hier ist für mich das beste beispiel, dass politk mittlerweile nur noch pop ist.
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/articles/A57905-2005Apr15.html

btw. ich habe immer mehr das gefühl, dass das konzept von slanted nicht ganz aufgeht - schade.

sum1

also ich habe trotz aller design-naivität etliches zum thema "nicht weltfremdes rein dekoratives design" versammelt. das memefest läuft auch gerade, und selbst in deutschland gibt es leute die politisches design machen.

natürlich läuft in der usa, kanada, spanien oder italien aber selbst in schweden oder norwegen teils deutlich mehr.

im gegenzug gibt es in deutschland zunehmend "patriotisches" design, wie bei der m publication etwa.

Lars

Ich glaube an die Kraft von Design.

In jeder Bewegung für Frieden, gegen Gewalt, gegen Atomkraft, für Menschenrechte... fallen einem sofort auch Symbole ein. Und die sind stark, einprägsam - auch für diejenigen die nicht "Design-gebildet" sind.

Bono hat viel bewirkt. Auch Sting, auch Bob G...Die Musiker der 60er haben dazu beigetragen, dass der Vietnam Krieg in der öffentlichkeit anders wahrgenommen wurde.
Toscani hat dazu beigetragen, Menschen in den USA vor der Todesstrafe zu retten. Und Abtreibung in Italien (Gewalt gegen Frauen) nicht mehr zu verurteilen. Die Arbeiten von Fabrica sind politisch.

Gestalter wissen um die Macht der Bilder und wie diese die Gesellschaft prägen.

Es müssen nicht immer grosse Dinge sein. Wir haben z.B. vor kurzem ein Obdachlosen-Magazin KOSTENLOS gestaltet. Unsere Arbeit hat dazu beigetragen, dass die letzten beiden Ausgaben besser verkauft wurden. Durch die Macht der Bilder und guter Gestaltung.

Titelseite mit Foto von uns (Sandra Augstein)

Innenseite

Innenseite

CHR15

@nike: das stimmt zum teil, denn auch hier trifft zu, was im samoa-tee-kontext deutlich wurde: hülle überstülpen funktioniert nicht! egal ob ethische, politische oder stylische.

@sumi: dachte M wäre auch eher so ein lifestyle-gimmick? das ist doch das teure mag aus ffm, oder?
hast du noch beispiele aus anderen ländern? wäre klasse. danke.

@lars und sandra: das zeitungsprojekt ist wirklich beeindruckend. mehr davon.

@fred: du siehst, es gibt designer, die weiter denken.

sum1

die m macht jetzt leider auch patriotischen lifestyle "stolz deutsch zu sein", "liebe zu deutschland" etc. http://sum1.onreact.com/index.php?p=417

beispiele: betätige einfach die suche in meinem weblog. nochmal alles rauszusuchen imach ich nicht. "italien", "spanien", "design" und "krieg" und andere solche stichworte helfen.

Fred

Das Problem liegt im Kern. Und den habe ich ja bereits angesprochen. Ich möchte nicht bestreiten, daß wir alle Gutes tun wollen, aber wir wollen auch dafür auf die Schulter geklopft bekommen und vieles von dem was ich sehe, ist zersetzt von Eitelkeit und manchmal auch Dummheit. Ich gebe mal ein Bsp:
Unser lieber Stefan Sagmeister hat anläßlich des Anschlags auf die Twin Towers einen Gedenkring kreiert. Finde ich gut. Aber: Warum muß dieser Ring aus Trümmerstahl dieses World Trade Centers gemacht sein? Ein kleines Andenken? Vielleicht klebt noch etwas Blut dran? Das hat Souveniercharakter, oder?

Er war wohl SO von sich und seinem Konzept eingenommen, daß er diesen Fauxpax einfach nicht merkte. Ist er so amerikanisiert (die Amis sind ja sehr oberflächlich), daß er dieses Schachzug für DEN Geniestreich schlechthin hielt? Oder ist dies ein Problem das wir Designer einfach haben: Das wir auch noch die Katastrophe, den Holocaust und die Opfer gestalterisch in Szene, unseren ureigenen Stempel draufklatschen, aus solchen Themen ein 'Produkt' machen müssen. Gibt es da einen anderen Weg? Müssen wir es häßlich gestalten? Dann guckt keiner hin. Mmh.

Und ich bereits sagte: Ich schließ mich nicht aus. Denn auch ich bin zu so einem Projekt eingeladen und werde dies, aus Gründen guter PR, auch durchziehen.

CHR15

fred, nimm es mir nicht übel, aber deine aussagen kommen wirklich verbittert rüber.

du merkst gar nicht, wie sehr DU an der oberfläche des themas kratzt und mit solchen, wohlwollend als platitüden bezeichneten aussagen wie (...) (die Amis sind ja sehr oberflächlich) (...) erntest du sicher keinen beifall.

die frage nach der ästhetisierung von leid, die du aufwirfst, ist eine ganz andere, nicht minder wichtige frage. aber darum geht es ja zunächst nicht (s. posting).

CHR15

(...) Denn auch ich bin zu so einem Projekt eingeladen und werde dies, aus Gründen guter PR, auch durchziehen. (...)

find ich gut, dass du es durchziehst. hoffentlich fällt dank der guten PR genug schotter für dich ab.

Fred

Lieber Chris. Das mag ja sein. Aber Du mußt Dir mal eine etwas andere Sprachweise/Schreibweise angewöhnen. Etwas höflicher, etwas respektvoller bitteschön. Dann können wir beide gut miteinander auskommen.

Die Frage nach der Ästhetisierung von Leid hast Du bereits mit dem Eingangsbild dargelegt. Vielleicht viel Dir das nicht auf.

Fred

Ihh, Schreibfehler (viel) Ach ja übrings, Chris: Ich nix bekommen Geld, weischt.

Lars

Die fliegenden Frauen von Teheran

Sie haben kein Recht, im Stadion ein Fussballspiel zu besuchen, in der Stadt Motorrad zu fahren, auf einer Hochzeit im Raum der Männer zu tanzen, nach der Scheidung die Kinder zu behalten. Aber die Iranerinnen haben das Recht zu fliegen. Und dieses Recht möchten sie nicht mehr hergeben.

Die Fotos von Marc Latzel sind nicht blutig. Sie strahlen vor Freude. Und trozdem: die Anklage ist da. Die Gewalt (Gleichberechtigung der Frauen) spührbar.

kai

endlich komm ich mal dazu, slanted wieder zu besuchen......juhu!!! bin heute noch den letzten von 12 Tagen in dubai...das posting von chris passt sehr gut zu den eindrücken, die hier mitbekommen habe....da neigt man schnell dazu, irgendwas in die wege zu leiten, um so manchen missstand aufzuzeigen...mal schauen, wenn ich wieder in deutschland bin, gibts betimmt etwas aus meiner sammlung, das ich hier posten möchte! bin insgesamt in vier emiraten und für zwei tage in der wüste (liwa-oasen) gewesen...

auf jeden fall war dieser aufenthalt in jeder hinsicht aufschlussreich!

stay tuned!

Lars

In Dubai herscht städteplanerische Gewalt! Die Apokalypse naht.

Boris

Im Hintergrund die Slums, aber Hauptsache das größte Hotel von Dubai macht Geld mit europäischen Tennis-Stars!

Tamim

was da in dubai gerade abgeht ist schon crazy. aber die welt dreht auch mächtig am rad. wasserhähne aus gold sind asozial. aus nem service zu essen, bei dem der teller soviel kostet ,wie andere in einem ganzen jahr verdienen ,um sich selber über die runden bringen zu können, ist asozial. aber ich glaube dennoch nicht dass man dadurch veränderung bewirken kann, wenn man mit dem finger auf die anderen zeigt. selber vernünftig zu leben (vernünftig meine ich in vernunft.) egal wo man ist egal wieviel geld man hat das ist besser. gutes vorbild zu sein ist besser. und es gibt weit größere mißstände als die in dubai (was aber nicht heißt dass man die verschweigen muß).

Tamim

Projekt Straßenzeitung finde ich besser und effektiver.

kai

.....in dubai herscht der grössenwahn....fotos folgen...

bis dahin!

Sandra

Geht zwar über grafik-design hinaus. Trotzdem interessant in dem zusammenhang ist auch www.rebelart.net how to provoke today? Ein magazin, das 2004 erschienen ist und einige interessante aktionen vorstellt.
Aber ich stimme tamin zu. Auf mißstände in der welt hinzuweisen ist zwar enorm wichtig, aber es gibt doch auch genügend möglichkeiten im kleinen eigenen umfeld zu wirken.
Es gibt denk ich genügend beispiele sozialem engangements div. Büros. Meiré&meiré beispielsweise hat ein buch in zusammenarbeit mit fotografen, schriftstellern und künstlern herausgebracht. www.liebesexundaids.de Der erlös geht an die aidshilfe köln. Soziale einrichtungen sind immer offen für gute ideen...

Rea

Vor einem Jahr gab es im Kulturhof zum Güldenen Krönbacken in Erfurt die Ausstellung "Opfer". Gestaltet wurden Plakate, Filme ect von von StudentInnen der Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung, unter der Leitung von Prof. Werner Holzwarth und Hochschuldozent Peter Gamper, in Zusammenarbeit mit dem Weißen Ring.

Bildergalerie zur Ausstellung:
http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,289784,00.html

Ich hab die Ausstellung nicht gesehen, aber mir den Ausstellungskatalog bestellt, sind einige sehr beeindruckende Arbeiten darunter wie ich finde.

Kwotes

Um das Straßenzeitungsprojekt zu erläutern:

Das Zeitungsprojekt, angestoßen im Kreativennetzwerk Partner2010 www.partner2010.de und in der Setzung/Nutzung der Bildstrecke jetzt neu spezifiziert, wird durch ein Mitglied der o.g. Gruppe ausgeführt.
Die Bildstrecke der letzten Ausgabe wurde durch Sandra Augstein auf der Basis einer Diskussion und Ideensammlung entwickelt. Für die kommenden Ausgaben sind einige Künstler, deren Arbeiten Bezüge zu sozialen oder publikatorischen Themen haben, eingeladen worden die Bildstrecke zu gestalten.

Kwotes

Danke für den Washington Post Artikel über die Mailänder Möbel Messe (nike).

Ein schönes Beispiel, wie sich Designer und der Markt in die Tasche lügen - denn worüber wird bei Starcks Aktion vor allem geschrieben und gesprochen? Erraten: Über Starck - und nicht über Gewalt oder gar von Konfliktlösungen ohne diese.
Starck bedient sich hier lediglich der billigsten Methoden Aufmerksamkeit zu erhalten - der Provokation und diese schön abgefedert in sein Versprechen, Geld für gute Zwecke zu spenden. Was für ein Gutmensch.

- - - Da wäre noch eine semiotische Sicht auf die Wirkung von Waffen interessant, denn der Besitz oder die Abbildung dieser scheint einen besonderen Reiz auszumachen (nicht nur in den USA) - Ausdruck des Wunsches der Klärung sozialen Umgangs ("Peacemaker"), Machtsymbol, Phallus, etc.
Soziologen haben durch empirische Studien ermittelt, daß meist die in Kommunikation und sozialer Interaktion weniger fähigen Menschen eine besondere Affinität zu Waffen und Militärischem haben. Oftmals, weil sie mit diesen die simplifizierte Weltsicht "Befehlen und Gehorchen" materialisiert sehen.

- Na, wer von euch hat ein kleines Waffenlager im Keller oder Poster von Frankonia im Hobbyraum; oder aber einfach eine dieser Lifestyler-Camouflagemuster-Hosen-Tshirts-Tops-Socken?

Tamim

ich mag die studien nicht die immer für sich beanspruchen die wahrheit gepachtet zu haben. wie wurde ermittelt. wer hat ermittelt.
zu starck. wer weiß den hier was der wirklich vorhatte. nun ja. er lebt in seiner welt und kennt die auswirkung seiner werke und seiner veröffentlichungen. vielleicht sah er daß aus seiner sicht als die beste weise für zu helfen (aufmerksamkeit in designerkreisen auszulösen etc.) nicht jede anstrengung, die man in seinem leben macht, ist die richtige. es kommt auf die absicht an. manchmal trifft man den nagel auf den kopf in den meisten fällen aber nicht.

flo

habe es gerade erst gelesen.
gute fragen an neuralgische punkte, chris.
im übrigen finde ich nicht, dass die bearbeitung und erstellung von oberflächen eine oberflächliche arbeit darstellt. ich glaube, designer und künstler arbeiten tatsächlich an wichtigen vermittelnden schnittstellen wie etwa visuelle inszenierung und codierung, aufbereitung von information, erstellung von bildern (im weitesten sinne). das gilt ganz allgemein, aber vielleicht noch mehr angesichts sozio-ökonomischer, politischer oder machtfragen.

andererseits kann man den drucker anhauen, ob seine arbeit nicht politischer sein müsste. und was tut er denn nun gegen die vielzitierten missstände. was heisst engagement?

meist gut zu erkennen und eigentlich total nervig sind aufmerksamkeitsgedröhn, correctnessverhalten und stellvertretergehabe, durch das kultureller, prestige- und vermeintlich ethischer mehrwert eingestrichen werden kann.
siehe kwotes kommentar.

interessanter finde ich diskussionen oder das gemeinschaftliche anschieben von projekten (auch zb. die strassenzeitung). es können nun mal nicht alle für greenpeace oder die UN arbeiten.

aber für ziemlich wichtig halte ich weniger das "die stimme erheben" angesichts aktueller problemlagen, mehr die rhetorik, mit der man das tut, und w i e man diese bis in die tägliche arbeit hinein praktiziert. also eine rhetorik visueller inszenierungen. weniger the most common sense bedienen oder betroffenheitspropaganda betreiben, sondern solche problematiken überlegt, vielleicht ungewöhnlich oder intelligent, jedenfalls im bewusstsein um aufmerksamkeitspolitiken verhandeln und vermitteln.
und vielleicht angesichts medialer zweckhysterie und teilnahmevorspiegelung - soweit möglich - kommunikationsguerilla praktizieren.
auch eine frage visueller, rhetorischer gewaltausübung.

in den "normalen" jobs geht das wenigstens ein stück weit. was auseinandersetzungen mit solchermassen politischen inhalten angeht gilt das wahrscheinlich umso mehr. hier ergeben sich tatsächlich einflussmöglichkeiten und verantwortungsbereiche.

neben die angeführten (moralischen?) stimmen und personen würde ich noch den ollen sartre stellen. in "was heisst engagement?" erarbeitet er eine stellungnahme zu gesellschaftlicher und politischer verantwortung von schriftstellern. nicht immer unproblematisch, etwas dated, aber lesenswert, und vielleicht von gewissem gebrauchswert auch für designerInnen, was rhetoriken und politiken des visuellen angeht.

und was ist mit "the politics of typography?"

flo

habe es gerade erst gelesen.
gute fragen an neuralgische punkte, chris.
im übrigen finde ich nicht, dass die bearbeitung und erstellung von oberflächen eine oberflächliche arbeit darstellt. ich glaube, designer und künstler arbeiten tatsächlich an wichtigen vermittelnden schnittstellen wie etwa visuelle inszenierung und codierung, aufbereitung von information, erstellung von bildern (im weitesten sinne). das gilt ganz allgemein, aber vielleicht noch mehr angesichts sozio-ökonomischer, politischer oder machtfragen.

andererseits kann man den drucker anhauen, ob seine arbeit nicht politischer sein müsste. und was tut er denn nun gegen die vielzitierten missstände. was heisst engagement?

meist gut zu erkennen und eigentlich total nervig sind aufmerksamkeitsgedröhn, correctnessverhalten und stellvertretergehabe, durch das kultureller, prestige- und vermeintlich ethischer mehrwert eingestrichen werden kann.
siehe kwotes kommentar.

interessanter finde ich diskussionen oder das gemeinschaftliche anschieben von projekten (auch zb. die strassenzeitung). es können nun mal nicht alle für greenpeace oder die UN arbeiten.

aber für ziemlich wichtig halte ich weniger das "die stimme erheben" angesichts aktueller problemlagen, mehr die rhetorik, mit der man das tut, und w i e man diese bis in die tägliche arbeit hinein praktiziert. also eine rhetorik visueller inszenierungen. weniger the most common sense bedienen oder betroffenheitspropaganda betreiben, sondern solche problematiken überlegt, vielleicht ungewöhnlich oder intelligent, jedenfalls im bewusstsein um aufmerksamkeitspolitiken verhandeln und vermitteln.
und vielleicht angesichts medialer zweckhysterie und teilnahmevorspiegelung - soweit möglich - kommunikationsguerilla praktizieren.
auch eine frage visueller, rhetorischer gewaltausübung.

in den "normalen" jobs geht das wenigstens ein stück weit. was auseinandersetzungen mit solchermassen politischen inhalten angeht gilt das wahrscheinlich umso mehr. hier ergeben sich tatsächlich einflussmöglichkeiten und verantwortungsbereiche.

neben die angeführten (moralischen?) stimmen und personen würde ich noch den ollen sartre stellen. in "was heisst engagement?" erarbeitet er eine stellungnahme zu gesellschaftlicher und politischer verantwortung von schriftstellern. nicht immer unproblematisch, etwas dated, aber lesenswert, und vielleicht von gewissem gebrauchswert auch für designerInnen, was rhetoriken und politiken des visuellen angeht.

und was ist mit "the politics of typography?"

flo

sorry about the double-posting.

CHR15

komme gerade aus paris wieder und stelle erfreut fest, dass doch einige etwas mehr zum thema zu sagen haben.

meine eindrücke, die ich in den letzten 5 tagen sammeln konnte, waren visuell überbordend, wie man es von einer stadt erwartet, die einem wochenlang alleine mit impressionisten beschäftigen könnte.

zum thema: vielleicht werde ich auch langsam senil, aber es kam mir vor als hätte sich der umgang der menschen innerhalb des molochs paris verändert. ich war mehrmals zeuge von spontaner hilfsbereitschaft und rücksichtnahme, wie ich es nicht erwartet hätte.

baut sich tatsächlich so etwas wie ein kollektiver sinneswandel in den metropolen dieser welt auf? eine art urbaner humanismus?

kai

kann ich bestätigen...war vor 2 monaten auch dort....aber paris ist eben die stadt der liebe...nächstenliebe eingeschlossen!

CHR15

im prinzip geht es doch um folgendes: sei human, sei ehrlich, sei direkt! wenn ich das alles ständig mit mir trage, halte ich im entscheinden momant nicht die klappe, vergesse im entscheidenden moment nicht jemanden zu unterstützen, der es nötig hat. sei es mit plakaten, lebensmitteln oder geld.

CHR15

schade, dass die meisten so denken wie fred.

Tamim

du hast es doch relativ gut auf den punkt gebracht CHReinsfuenf. Direktheit muß aber nicht immer sein. Man muß immer versuchen überlegt und nicht übereilt zu handeln. denn manchmal können gut gemeinte aktionen auch nach hinten losgehen. aber generell hast du schon recht

CHR15

was meint ihr zu folgendem szenario:
ist es okay, wenn man zigarrettenwerbung kreiiert und das damit verdiente geld komplett spendet?

muss man sich diesen mechanismen bedienen oder kategorisch ablehnen?

CHR15

tja, das war's dann wohl wieder mit dem austausch. alle kollegen, die hierzu keine meinung haben, können also auch bedenkenlos an der supermarktkasse platz nehmen.

wenn ich also bilanz ziehe, aus den eingangs gestellten fragen, komme ich nur zu dem schluss, dass die meisten kollegen keinen zusammenhang sehen/erkennen können zwischen kommunikationsgestaltung und entsprechender verantwortung.

für mich ist das, wie mehrfach gesagt, nicht nachvollziehbar und ich meine fast, ich müsste mich für meinen berufsstand schämen.

an alle freds da draussen: tellerrand ahoi!

CHR15

... so richtig genervt!

Lars

"ist es okay, wenn man zigarrettenwerbung kreiiert und das damit verdiente geld komplett spendet?"

Tabak ist wie Öl. Ich war in Lombok, da haben Philip Morris das halbe Land aufgekauft. Die Bauern bauen 10-20 Jahre lang Tabak an, dann ist der Boden ausgelaugt. Morris geht, der Bauer bleibt. Die Erosion trägt den letzten fruchtbaren Boden weg. Dann bleibt nichts mehr. Nur noch Entwicklungshilfe und Beratungsarbeit (Lieber Konzern, ändere dein Image, "Spende, Bau Schulen etc") Und schöne Kampagnen und Spendenaufrufe. Arbeit für uns Kreative! Auch für Fred.

CHR15

nur für fred. oder auch für lars?

agentroyal

werde doch pfarrer,wenn dich dein gewissen plagt

CHR15

deine sorge ehrt mich, agent. aber ich hab mit meinem gewissen keine probleme.

ich lebe nur in der steten hoffnung, dass fähige leute mehr bewegen wollen als lediglich bilder zu schießen oder zu schieben.

wär doch nicht schlecht, wenn man mal was wirklich wichtiges zu erzählen hätte, oder?

nervousmind

Sorry, dass ich hier alte Artikel aufwärme, aber ich bin hier erst seit gestern dabei und beim durchstübern stosse ich auf diesen älteren interessanten Artikelt. Sehr geil. Zumal er auch eine Schnittmenge mit dem aktuellen "Was ist Kunst" oder "Ist Design Kunst und vice versa" Sinnstifung usw. hat.

Super ist, dass solche Themen hier (scheinbar vornehmlich von Chris) eingeworfen werden, rumdissen ist auch ok, wenn auch ein bisschen kontraprroduktiv und es meist nur auf eine leichte Kritikfähigkeitsschwäche des Rumdissers deutet, hauptsache weiterhin solche Diskussionen... ;)

Urbaner Humanismus ist eine eine interessante Bezeichnung, hab ich mir abgespeichert. Gab es glaube ich schon immer, nur ist er wieder auf unserem Radarschirm. Über die Ursachen hierfür könnte man einen sehr schönen neuen Thread aufmachen.

CHR15

freut mich und ich finde es sehr gut, wenn man, sei es aufgrund aktueller begebenheiten oder simplen interesses, wieder in zu älteren threads schreibt. deswegen sind diese ja auch noch offen und deswegen gibt es ja auch die BRANDSTIFTER-auswahl.

willkommen übrigens, nervousmind!

nervousmind

Danke!

Mir ist vorhin bei diesem Artikel übrigens mit Erschrecken meine selektive und durch die Werbung und Medien geprägte Wahrnehmung aufgefallen. Ich habe das lachende teheranische Mädchen beim drüberscrollen erst mit einem Sprengstoffgürtel gesehen und es erst für irgendeine zynische Kampagne o.ä. gehalten (á la Benetton oder aktuell New Yorker), bis ich den Text las und genau hinsah. Da war erst mal Gänsehaut angesagt.

Soviel zur Macht der Bilder...

Dein Kommentar

Deine E-Mail wird nicht veröffentlicht.

Der Inhalt des Formulars wird durch einen externen Dienst (Mollom) auf Spaminhalte überprüft (Datenschutzrichtlinien)

Verwandter Artikel

The Principles of Uncertainty

von Maira Kalman

"How can I tell everything that is in my heart. Impossible to begin. No. Begin." Dies ist der erste Satz aus Maira ...

in 1 Kommentar

Nächster Artikel

Batterie 13

Du bist hier

Ein kleiner Beitrag von den BASTARDs.... Die Mitteilung von Andreas Magino & Tobias Waszkiewicz dazu: Hallo ...

in

Vorheriger Artikel

Bürokrat

Formular-vollendet von Kaluza + Schmid

Schnöde Beamtenformulare – wer musste sich nicht schon damit herumschlagen. Grau und öde kommen sie daher und ...

in 1 Kommentar