Interviews

Grafische Filmtranskription / Diplomarbeit von Christoph Lohse an der HAW-Hamburg, Department Design

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Kann man einen Spielfilm auf ein Blatt Papier bringen?
Das war der Ausgangspunkt für die Diplomarbeit von Christoph Lohse, woraus sich ein Darstellungssystem zur Visualisierung filmischer Strukturen entwickelt hat, das sich »Grafische Filmtranskription« nennt.

Dafür wird ein Spielfilm in seine Einzelteile zerlegt und zu einer Infografik wieder zusammengesetzt. Wie bei einer Landkarte entsteht aus einzelnen Farbflächen, Symbolen und Schrift ein abstraktes Abbild des Films. Die inhaltliche und die technische Konstruktion wird sichtbar. Es treten Aspekte des Films in den Vordergrund, die bei der einmaligen Rezeption hauptsächlich unbewusst wahrgenommen werden. Ein Vergleich mit anderen Filmen wird dadurch möglich. Ähnlich wie bei der Notation von Musik oder den einzelnen Piktogrammen einer Landkarte, ist das Darstellungssystem mit Hilfe einer Legende erlern- und lesbar.
 
Was hat dich zu der Fragestellung verleiten lassen, ob man einen Film auf ein Blatt Papier bringen könne?
In dieser Fragestellung kommen einige Themen zusammen, mit denen ich mich vor und während meines Studiums beschäftigt habe. Auf der einen Seite bin ich ausgebildeter Mediengestalter Bild/Ton und dadurch mit der Filmmaterie etwas vertraut. Auf der anderen Seite beschäftige ich mich seit meinem Studium viel mit generativen Gestaltungsansätzen, Infodesign und Typografie.
 
Wie bist du an die Gestaltung der Infografiken heran gegangen?
Im ersten Schritt habe ich viel über die systematische Filmanalyse (Helmut Korte, Werner Faulstich und Knut Hickethier) gelesen. Dort ist es üblich vor der Analyse ein Sequenzprotokoll und von den entscheidenden Szenen ein Einstellungsprotokoll anzulegen. Dafür werden je nach Bedarf Handlungen, Kameraeinstellungen, Figuren, etc. einem Timecode zugeordnet und in einer Tabelle notiert. Diese tabellarische Form eines Films ist für die grafische Filmtranskription ein entscheidender Zwischenschritt. Wenn die Filminfos in einer Tabelle gespeichert sind, können sie ausgelesen und weiterverarbeitet werden.

Im zweiten Schritt habe ich recherchiert, welche Darstellungsmethoden im Informationsdesign verwendet werden, um zeitliche und räumliche Merkmale abzubilden. Das wären z.B. Busfahrpläne, denen immer eine Art Zeitachse zu Grunde liegt und andererseits klassische Landkarten, die räumliche Eigenschaften abstrakt zweidimensional abbilden. So entstand nach und nach eine Idee, wie ein Film als Infografik dargestellt werden kann. 
Mit welchen Filmen hast du dich beschäftigt und warum?
Ich habe mich hauptsächlich mit zwei Filmen beschäftigt: »Men in Black« von Barry Sonnenfeld und »Chungking Express« von Wong Kar-Wai. Um zu überprüfen, ob mein Darstellungssystem funktioniert und auch Unterschiede zwischen den Filmen erkennbar sind, habe ich zwei sehr unterschiedliche Filme ausgesucht. Da sich die Sehgewohnheiten und Produktionsweisen seit Beginn der Filmgeschichte verändern, sollten beide Filme im gleichen Jahrzehnt entstanden sein. »Men in Black« habe ich als Beispiel für eine große Hollywood-Produktion mit klassischem Aufbau ausgewählt. »Chungking Express« wiederum ist ein Beispiel für einen Low Budget Independentfilm mit ungewöhnlichem Aufbau.

exakteaesthetik.de

 

 

 

Roy Gast

Der Wahnsinn - das Bild am Ende ist der Hammer - ich finde die Idee einen Film wie Men In Black mal grafisch auf ein Blatt Papier hinzu "Designen" - schreiben oder malen kann man ja gar nicht mehr sagen - das wäre ja abwertend.
Und dann dieses Bild am Ende mit diesem echt coolen Tisch was mich gar nich loslässt und ich weiss nicht warum.
Aber den Film anschauen würde ich mir dann doch lieber auf die übliche Weise :)

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