Indiecon & Indiemagday 2015 / The independent magazine festival

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Es ist wie auf einer großen Familienfeier. Nicht jeder findet die Meinung des anderen immer gut und richtig, aber tief im Inneren spüren wir, uns eint dieselbe große Leidenschaft: Die Liebe zu Magazinen. 

Auf der Indiecon 2015 vom 28. bis 30.8.2015 in Hamburg trafen sich Magazin-Enthusiasten aus aller Art. 

Die, die es geschafft haben, seit Jahren dabei sind und sich zum Teil schon fragen, werde ich das mein ganzes Leben lang noch so machen oder kommt da noch etwas anderes? (z.B. Philipp Köster 11 freunde / Mathias Zeiske edit). 

Die, die ganz am Anfang stehen und gerade mühevoll die Daten der zweiten Ausgabe ihres Magazins an die Druckerei geliefert haben (Alexander Scholz Holo).

Magazinmacher, die nur wissen, dass es eine nächste Ausgabe geben wird, aber nicht wissen, wann und womit sie sie finanzieren werden (Sebastian Pranz Froh!). Journalisten, die ein Indiemagazin aufgeben mussten und jetzt bei großen Verlagen arbeiten, aber mit der immer andauernden Freizeitliebe zum Indiemagazinmachen (Nicole Zepter The GermansNeon + Nido / Chris Köver MissyWired).

Die, die sich ihrem Magazin sowieso nur in ihrer Freizeit widmen können (Steven Gregor Gym Class / Christian Schiffer WASD).

Studenten, die gerade innerhalb von 5 Tagen ein neues Magazin entwickelt und produziert haben (Indiecon Summerschool, »41–43«).

Wir befinden uns in der Villa des Hoffmann und Campe Verlags. In Panels, Vorträgen und Workshops wird das Thema Wachstum beleuchtet, das Motto der diesjährigen Indiecon lautet: Is Indie forever? 

Was passiert eigentlich, wenn man einen Verein gründet, um das Magazin finanzieren zu können oder wenn man zu einem Großverlag geht? Was passiert mit der ursprünglichen Magazinidee, wie weit muss man sich anpassen? Und was ändert sich in den Köpfen der Macher, wie schafft man es unabhängig zu bleiben? 

Diskutiert wird auch, wer es sich eigentlich leisten kann, ein Indiemagazin in die Welt zu setzen, welche Stimme aus der Gesellschaft ist das, die damit abgebildet wird? Ist ein Indiemagazin ein Kunstwerk und darf alles? 

Welche Rolle spielt das Internet mit seinen vielfachen Möglichkeiten? Nimmt es Leser weg oder erzeugt es erst die Lesergruppe? Darf man Print und Online vielleicht auch gar nicht getrennt voneinander denken?

Einmal sind wir uns doch alle einig. Standing Ovations für Ibrahim Nehme aus dem Libanon, dem Macher von The Outpost. Ihm geht es um Hoffnung auf eine bessere Zukunft und den Traum von einem Nahen Osten ohne Grenzen. Das ist der Gänsehautmoment der Konferenz. Er ist überzeugt davon, dass ein Indiemagazin die vorherrschenden Systeme untergraben kann und die entscheidenden Impulse geben kann, den Wandel einer Gesellschaft voranzutreiben. Mutige Menschen werden inspiriert zu mutigen Projekten. Dafür arbeitet er auch mal bei Kerzenlicht und ohne Strom und ohne zu wissen, ob das Heft die Zensur überstehen wird oder nicht.

Und noch ein zweiter Punkt. Magazine, die nur zum Selbstzweck da sind, nicht lesbar sind oder nachlässig und schlecht geschrieben, völlig egal welches Budget dahinter steht, dürfen nicht sein. Qualität ist oberstes Kriterium. Oder wie Jeremy Leslie (magCulture) in dem von ihm moderierten Panel mit Steven Gregor (Gym Class), Alexander Scholz (Holo), Julia Kahl (Slanted) und Johannes Conrad (Flaneur) sagt: »Irgendwie ist es doch egal, ob ein Magazin ein Indiemagazin ist oder nicht, es geht darum, dass es ein richtig gutes Magazin ist.«

indieforever.de
indiemagday.de

  

 

Fotos: Carmen Klaucke & Julia Kahl

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