Man sollte im Boden versinken und den Stift aus der Hand legen. James Jean, auf den ich vor einigen Tagen gestossen bin, macht aus Illustration eine One-man-show. Playboy hier, Time Magazine da, Einblicke in Skizzen und Reisetage-bücher (enorm sehenswert), Malereien, Privates.
Vor 50 Jahren wäre soetwas in der Kunst undenkbar gewesen.
Der Natur-nach, konnten sie alle Zeichnen, dann folgte normalerweise ein Schritt zum eigenen (definierbaren) Stil.
James Jean braucht den nicht. Tummelt sich hier und da und wirft die Frage auf, wie ein Mensch so etwas zustande bringen kann. Irgendwo bzw. irgendwann müssen die Möglichkeiten doch erschöpft sein, spielen Kopf und Hände eigentlich nicht mehr mit.
Doch J.J. lebt ohne diese natürlichen Gesetze zwischen Schiele, Wesselmann, Marvel und noch ganz woanders
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CHR15
wirklich beängstigend gut!
macht mir zwei dinge deutlich: zum einen sollten wirklich nur leute abstrahieren dürfen, die auch realistisch zeichen können, zum anderen bin ich heilfroh rechtzeitig erkannt zu haben, dass ich auf diesem terrain überhaupt nix verloren habe.
kai
die skizzenbücher sind echt brilliant....die fertigen arbeiten dagegen wirken (im gegensatz zu den skizzen) recht tot und zugemalt (sagte man bei uns früher im illu-kurs)
würde ich die Skizzenbücher vorher nicht kennen, würde dieser Comickram achtlos an mir vorbeiziehen...
aber liegt natürlich an meiner eigenen Vorliebe für unfertiges und fragmenthaftes.....
Jedenfalls ist mir beim Skizzenbuch echt ein Ei aus der Hose gefallen....(mindestens)...super tip, tumor!
CHR15
ist nicht unser nick tornado auf der School of Visual Arts in New York?
Tumor
@ Kai,
ja, mir gings genauso, als ich mir zuerst nur die Coverillustrationen angeschaut habe war das für mich auch reiner "comickram", wie du es nennst.
Überladen, gerade farblich und an "effekten" wie Lichtern,etc ist das ganze schon und man findet sich dann gleich irgendwo im RTL2 nachmittagsprogramm wieder. Das Posting, bzw die Idee kam auch wirklich erst durchs skizzenbuch, weil man dann anfängt etliches zu zerpflücken, und zu verstehen, was hinter den auch mal sehr plump wirkenden Illus tatsächlich steckt.
Diese Bandbreite hat mich einfach umgehauen.
Nick Tornado
Ja, hier, School of VISUAL ARTS, das bin ich. James Jean war allerdings schon vor 'ner Weile dort, und hat nicht das Master-Programm, sondern "nur" den BFA dort gemacht. Ist wohl danach an die Westkueste abgezischt.
Es gibt hier so ein paar Leute, die etwas in seine Richtung gehn: Yuko Shimizu, Tomer Hanuka, Nathan Fox und Sam Weber. Und Istvan Banjay, der ist aber schon aelter. Dabei ist Tomer aus Israel, Sam aus Kanada, Yuko aus Japan und Istvan aus Ungarn. Trotzdem teilen alle einen sehr erfolgreichen, Amerikanischen Stil. Grafische, Comic-maessige Zeichnung, dann mit dem Computer coloriert. Sam Weber, einer aus meiner eigenen Klasse, hat urspruenglich gemalt, dann aber aus Gruenden der Schnelligkeit angefangen, alles am Rechner zu kolorieren (wenn man fuer Magazine arbeitet, muss es halt schnell gehn). Was etwas schade daran ist, ist dass die Sachen im Endeffekt ziemlich aehnlich ausschaun. Obwohl diese hochtalentierten Leutchen eigentlich zu mehr Indivudualitaet faehig waeren (wie die Skizzenbuch-Sektion zeigt). Istvan Banyai ist damals in den 80ern Innovativ gewesen, nun hat er viele Nachahmer. Aber was soll's, meine neuesten Kolorationen waren auch digital. Die Illustration ist keine freie Kunst, sondern dem Grafik-Design viel naeher. Und auch in der Grafik laeuft ja alles digital, was?
Ziemlich interessant ist auch der Einfluss von Comics und deren Klischees und Inhalte auf diese Leute. James, Tomer, Nathan und Sam sind deutlich inspiriert von neueren Superhelden-Comics. Die Frauen sind uebertrieben, die Maenner sehen teilweise aus wie Superschurken... eine sehr amerikanische Art der Illustration. (Und das sind alles Jungs) Wahrscheinlich sind die Art-Directoren ebenfalls beeinflusst von den Comics, deswegen benutzen sie gerne Stile wie diese. Finde das jedenfalls faszinierend.
In vielen deutschen Magazinen und Zeitungen waere das zu "Comic-Maessig", teilweise auch zu pubertaer. In Deutschland gibt es die Feuchtenbergers und Wagenbreths, die von ganz anderen Sachen inspiriert sind, oder es sind eher lustige Comics, die als Vorlage dienen.
Tianic.
was sich mir bei James Arbeiten viel eher aufdrängt als der Comicfaktor, ist das manchmal unfassbar unterschwellig Düstere, sowie die Stilelemente der Illustration zur Zeit der 40er bzw 50er ("GoldenAge"/Retro Style), die damals eigentlich alles andere als düster gemeint waren. Zudem garniert er oft mit mythologischen Symbolen seines asiatischen Backgrounds, was mich von der Komposition im Prinzip stellenweise schon an manche Werke Klimts erinnert. In den letzten 2 Jahren spürt man aber die wachsende Klarheit und Routine seiner Werke..(was wohl auch an den Auftraggebern liegen mag) Von dem Mann werden wir jedenfalls sicher noch ne Menge hören/bzw. sehen. Nebenbei erwähnt ist er auch verbal ein sehr angenehmer Zeitgenosse, ich hoffe das bleibt auch trotz wachsender Fame so....
Gast
blablabla ... james is the king!!! is einfach so ...
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