Peter braucht keine Albträume, seine Realität ist der reine Horror. Seine Eltern sind so intensiv damit beschäftigt, sich zu streiten, dass sie ihn vergessen haben. Wie sie sich mit ihren Beschimpfungen und Wurfgeschossen in Monster verwandeln, hat der Illustrator Vitali Konstantinov schrecklich und komisch umgesetzt, aber noch gelungener sind die Ungeheuer des Titels und das müssen sie auch sein. Denn von ihrer Überzeugungskraft hängt hier alles ab.

Peter hat sie erschaffen. In seinem Versteck unter der Küchenspüle hat er einen kleinen, fast niedlichen Prototyp mit Bleistift gezeichnet. Es werden mehr und sie wachsen unweigerlich, weil sie vom Streit genährt werden. Ihrem Schöpfer sind sie treu ergeben und führen seine Befehle aus. Die Eltern lernen die Angst kennen und werden dadurch zu ihrem Glück gezwungen. Als alles nach Peters Wünschen korrigiert ist, bleiben die Ungeheuer für alle Fälle im Schrank in Bereitschaft. Der dänische Autor Morten Ramsland erzählt ganz wunderbar und hoffnungsvoll von der Verwandlung einer unerträglichen Realität durch die Waffen der Fantasie.

Text: Bettina Klix
Boje Verlag, 2007, 32 S., 12,90 €

Tagesaktualität erhält dieser Titel vielleicht durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, der – auf Betreiben eines getrennt lebenden Vaters aus Köln – ein weiter gehendes Sorgerecht für ledige Väter in Deutschland angemahnt hat. Ob zum Segen der nicht verheirateten Eltern oder nicht, sei mal dahingestellt, und dies ist keine Empfehlung das Thema mit dem Partner in den anstehenden Feiertagen mal gründlich durchzudiskutieren. Gemeinsam zu zweit kann man sicher eine Menge erreichen, aber zum Glück gibt es das afrikanische Sprichwort: Es braucht ein ganzes Dorf (oder eine halbe Stadt, bei abendländischen Strukturen – Peter Krause, unserem Gemüsemann an der Ecke, zum Gedächtnis), um ein Kind aufzuziehen. (Danke für den Tipp und für die Verwendung des Textes, Bettina)

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