Vor kurzem habe ich Stuttgart noch seine original Zeichnungen zu den Olympia-Piktogrammen gesehen. Nun ist bei Phaidon ein Gesamtwerk erschienen, welche alle anderen Bücher über den pedanten Otl Aicher in den Schatten stellt. Er starb als ich gerade anfing zu studieren. Ihm verdanken wir die Rotis. Die Ulmer Schule. Und eine Menge Anekdoten.Er soll z.B. einen Mitarbeiter entlassen haben, weil dieser quer über das schneebedeckte Feld vor dem Büro stiefelte und das harmonische Winterbild zerstörte. Ein konsequenter Mann.
Das Buch ist bestens aufgebaut, recherchiert und wie immer bei Phaidon, perfekt gedruckt und produziert.





























Long-awaited first monograph on German graphic designer and educator Otl Aicher (1922–91), a key international figure in post-war design and a pioneer in the field of corporate identity and visual communication systems. Aicher is renowned for creating visual identities for dozens of major corporations, including Braun, BMW, Lufthansa and ERCO; for his design of the complete graphics programme for the 1972 Munich Olympic Games; and as the inventor of the popular typeface Rotis. Aicher influenced a generation of future designers in the 1950s and 60s at the Hochschule für Gestaltung (HfG), the school he helped to found in in Ulm, Germany; he also collaborated with British architect Norman Foster and counted numerous corporate CEOs as clients and friends.
The book represents the most complete selection of Aicher`s work in print, with over 300 illustrations carefully selected from thousands of documents in the Aicher archive and private collections, including previously unseen materials. It documents extensively 35 Aicher projects and includes essays by former Aicher clients and collaborators.
Inhalt
Introduction by Ian McLaren
Chapter 1: The Time Between the Wars
Chapter 2: The Ulmer Volkshochschule and the Turn Toward Design
Chapter 3: A School for Design: The Hochschule für Gestaltung
Chapter 4: The 1972 Olympics
Chapter 5: The Extension of Visual Communication
Chapter 6: The 1970s and a Movement Towards Autonomy
Chapter 7: A Design Utopia Realized
Chapter 8: The Typeface of an Age
Notes
Bibliography
Index
Verwandter Artikel
Kommando Otl Aicher
Alexander Negrelli, der schon den ein oder anderen sehr lesenswerten Artikel zu Slanted Magazinen beigesteuert hat, ...von Julia am 25.01.2012
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Colophon, Luxemburg, 9-11 März 2007
Vortrag von Slanted
Über die Colophon hatten wir schon hier berichtet... and we´ll be there. "Killing White Space: about paper murderers ...von lars am 08.01.2007





microboy
die "anekdote" mit der entlassung find ich definitiv nicht lustig. fall es wirklich so war, dann zeigt mir das eher einmal mehr wie engstirnig der mann mitunter gewesen ist.
das buch werd ich mir aber trotzdem mal anschauen. :)
Hub
Da ich nicht weit von Rotis wohne sind mir schon viele Anekdoten Otl Aichers zu Ohren gekommen. Und viele davon klingen ähnlich. Er war wohl am Ende genau das, was er so überhaupt nicht sein wollte, ein unberechenbarer Tyrann. Rotis selbst fühlt sich heute an wie eine leblose Hülle. Er hat dort geherrscht. Nach seinem Tod war plötzlich nichts mehr da. Aicher hat natürlich einiges geleistet und auch ich werde mir das Buch ansehen. Sein Hauptverdienst ist jedoch nicht ein besonderer Designer gesesen zu sein, sondern Design-Projekte wie der Olypiade 72 organisiert zu haben.
Hubert
kai
gleich im 1.semester kam ich mit otl aicher in berührung. unser damaliger typo-prof andreas uebele (büro uebele, stuttgart) war dem otl nicht ganz abgeneigt (benutzte für Hausaufgabenblätter immer die rotis und schrieb gerne klein) und so fuhren wir erstmal mit dem ganzen kurs nach ulm zur ausstellung.
das olympia-projekt ist auch für mich eine der herrausragenden arbeiten, alleine waldi ist spitze...und die Anzüge....was seine person anging..hm...da bin ich ständig hin und her gerissen. ist ja auch nicht so wichtig!
er war bestimmt ein guter!
Thomas
mikroboy hat sich, was diese anekdote betrifft, schon sehr diplomatisch ausgedrückt. „konsequenz“ ist an sich kein sittlicher wert … darum schließt sie auch ziemlich beknackte verhaltensweisen ein, die ich persönlich auch einem „guten“ wie ihm nicht zugestehe.
wenn ich so etwas lese, muss ich echt aufpassen, das ich meine netiquette nicht verliere!
nora
HfGler zu sein, das ist Designer-Adel von blauestem Gebluet, eine bessere Herkunft kann nach der Schliessung des Bauhauses (1919-1932) kein Designer in der Welt fuer sich reklamieren.
Das beschreibt ziemlich genau die Stimmung, die ich selbst dort wahrnahm, als ich vor 20 Jahren als Studentin während der Semesterferien an einer HfG-Synopse mitgearbeitet habe. Und dementsprechend eigensinnig waren und sind die ehemaligen HfG-ler.
Das Zitat stammt aus einem Artikel aus dem Handelsblatt von 1990, vollständig zu lesen unter ifg-ulm. dort finden sich viele weitere interessante Artikel (ja ;-) auch neueren Datums) die einen Einblick geben in das Wesen der HfG und über Design in Ulm berichten. Wer tiefer stöbern möchte kann sich auch in das hfg-archiv begeben.
alberto
Sicher ist Otl Aicher ein sehr fragwürdiger Mensch,
man muß aber nicht gleich solch dumme Geschichtchen
hier in das Forum streuen! Was die Episode die am
Anfang geschrieben wurde meint. Sowas ist doch völlig
unwichtig. Besser ist doch seine Texte zu lesen, die sind
ganz wunderbar (z.B. die welt als entwurf). Sehr gut ist
auch das Form & Zweck Heft zur hfg ulm!
Ich finde dies Buch eine tolle Zusammenfassung seines
Werkes. Sicher ist einiges ohne Grund und nur durch
Aichers ruf zu so einer Popularität gelangt. Wie zum
Beispiel seine Rotis - typografisch ja eher keine Meisterleistung!
aber gerade solch zerissene Menschen bringen das denken
in Bewegung. Ich hoffe doch nicht nur durch solche dumme Geschichten deren Wahrheit ich bezweifle!
Thomas
lieber alberto, ich denke 99.9% der leserschaft hier kann diese anekdote hinreichend vom werk des designers trennen.
aber abgesehen davon, sind anekdoten dazu da erzählt zu werden und das wiederum hat nichts mit 'dummheit' zu tun.
ich sehe nicht, warum diese begebenheit erfunden sein sollte. wer hätte dazu ein motiv? sicher kann man den wahrheitsgehalt anzweifeln, aber du weißt es ja offensichtlich nicht besser. egal, ich nehme mir raus mich gegen solch ein verhalten explizit auszusprechen, ganz gleich von wem das kommt!
ich weiß nicht von wessen „geblüt“ du stammst, aber deine art klingt für mich immer etwas 'von oben herab'. ob du wohl diesem anspruch im wirklichen leben gerecht wirst?
p.s. wenn das so weitergeht, werden wir hier ohnehin bald nichtmehr in den genuss kommen, durch eine verschneite wiese zu stapfen …
hans schumacher
… so ist es! die siebziger jahre hatten doch was, zb hatte berlin noch ein kontinentalklima mit sibirischen wintern und heissen, wolkenlosen sommern, dann gab es die mondlandung, gerd müller & beckenbauer, sperrmüll, die formel 1 mit risiko, ein kathartisch wirkender, komplett unansehnlicher kollektivtanz, pogo genannt, wurde erfunden (etwas später in den siebzigern); und dann war da noch olympia in münchen, mit den piktogrammen von fechtern, ballspielern und mehr von otl aicher.
die schnee anekdote nimmt immerhin bezug auf den gestalterischen purismus und den hang zu "konsequenter" durchgestaltung, wenn sie leider auch die unangenehme kehrseite zeigt – und irgendwie bin ich froh, (und good to have you back: Thomas, alberto) daß wir nicht im fontblog sind – da muss man über Eric Gill (in der Serie 100 beste Schriften; Süddeutsche Zeitung, was hast du angerichtet) lesen:
… in den Tagebüchern schildert Gill detailliert ein sexuelles Experiment mit dem Familienhund. …
microboy
die hunde-geschichte klingt relativ harmlos wenn man bedenkt, dass gill auch sexuelle beziehungen zu seiner schwester unterhielt und seine kinder missbrauchte. :/
alberto
ich weiß nicht von wessen „geblüt“ du stammst, aber deine art klingt für mich immer etwas 'von oben herab'. ob du wohl diesem anspruch im wirklichen leben gerecht wirst?
Lieber Thomas, weiß nicht ob ich diesem Anspruch gerecht
werde - ich versuche es jedenfalls. Auf jeden Fall fand ich
diese Diskussion beim letztenmal sehr fruchtbar - warum dann
nicht mal etwas kritisch sich äußern.
Außerdem muß ich sagen das mir der Aicher eine Zeit lang
sehr am Herzen lag und auch noch liegt. Aber wie gesagt meint
das bei mir eher seine theoretischen Texte wobei diese mit seiner Arbeit als Gestalter und der als Mensch sicher nicht immer oder vielleicht sogar häufig nicht passen.
Ich wollte nur anregen sich mehr mit ihm als mit dem Gerede außeinander zu setzen.
War vielleicht nicht die beste Art das anzuregen - aber wie gesagt ich kann nur anregen die oben genannten Bücher zu lesen.
Was Gill angeht macht das ihn nicht wirlich sympatisch eher verwerflich und doch waren seine Entwürfe wegweisend.
Im eye Magazin war gerade ein guter Artikel über seine Typografie! Auch hatte ich gerade ein Buch von Robert Harling über die Gillschen Schriftentwürfe in der Hand - ein wunderbares Buch!
hans schumacher
noch was zur hunde-geschichte: jetzt haben wir den absatz aus dem fontblog zu den negativen seiten von Eric Gill ja vollständig – werden wir uns denn bei diesem zitat von Arno Schmidt einig, meine herren:
… die Welt der Kunst & Fantasie ist die wahre, the rest is a nightmare … ?!
Dein Kommentar