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PRINTED PAPERS / DIPLOMARBEIT VON CALIN KRUSE

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Calin Kruse hat sich zum krönenden Abschluss seines Studiums an der FH Trier mit einem bislang wenig bekannten Medium beschäftigt: Artzine und Magazine in Klein- und Kleinstauflage (bis 1500 Exemplaren).

Besonders wichtig war ihm bei dem Buch, dass kein großer Verlag dahinter steht und die Publikationen nicht in z.B. Bahnhofsbuchhandlungen zu finden sind.
Da er weiter an dem Projekt arbeiten möchte, um später einen geeigneten Verlag zu finden, ist Calin offen für jeden Kleinmagazin- oder Artzinemacher, der sein Heft auf der Website eintragen möchte um in den Katalog mit aufgenommen zu werden.

www.printedpapers.rammbock.com

Größe: 190x240 mm
Seitenanzahl: die Diplomarbeit umfasst 120 Seiten.

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> Calin im Slanted-Interview

Gib uns bitte ein paar Informationen über Dich und/oder die Firma, für die Du arbeitest.
Ich bin 27 und gerade fertig mit dem Studium an der FH Trier (Grafik-Design), bin verheiratet und habe eine kleine Tochter. Seit 3 Jahren bringe ich "dienacht" (www.dienacht-magazine.com) heraus, ein kleines Magazin für Fotografie, Gestaltung und Subkultur, und ein analoges Zine namens "rough" (www.rough-zine.tk). Und ich arbeite teilzeit bei einem Designstudio in Luxemburg.

Was ist Deine Grafikdesign Richtung? Wie würdest Du Deinen Stil bezeichnen? Wo liegen Deine Stärken?
Ich experimentiere gerne im Bereich Editorial Design – ich fange an, zerstöre die Entwürfe und fange dann wieder von vorne an. Eigentlich fühle ich mich bei fast allem, das am Ende auf Papier gedruckt wird, gut aufgehoben, das gilt auch für die Fotografie.

Wo arbeitest Du am liebsten?
Mein Hirn arbeitet fast pausenlos und schmiedet irgendwelche Pläne, deswegen ist es egal, wo ich mich gerade befinde. Auch für die konkrete Arbeit am Rechner ist der Ort unwichtig.

Kannst Du uns eine kleine Beschreibung Deiner Arbeit geben?
Die Diplomarbeit "Printed Papers" beschäftigt sich mit Fanzines, Artzines und Magazinen in Kleinstauflage (die Obergrenze war mit 1500 Exemplaren angegeben, weil die Nummerierung, wenn ein Heft nummeriert wird, bis höchstens 1500 geht). Ich versuche die "Szene" zu durchleuchten, führe Interviews mit Magazinmachern, Festivalmachern, suche nach Vertriebsmöglichkeiten, Festivals, Distros, Veredelungstechnicken von Artzines, usw. Es gibt einen Katalogteil am Ende des Buchs, in dem Magazine (es haben sich bisher etwa 150 Magazinmacher auf meinen Aufruf hin gemeldet), sowie Distros und Läden, in denen solche Magazine verkauft werden, aufgelistet werden. Viele Magazinmacher kommen auch zu Wort. Es ist irgendwie ein Kompendium geworden.

Das Buch ist bis auf den Katalogteil so aufgebaut, dass die rechten Seiten vierfarbig gedruckt werden, die linken einfarbig (schwarz) mit Lackfarbe. Das Buch wurde in Offset auf Einzelseiten gedruckt.

Warum hast Du diese Arbeit gemacht? Wie bist Du auf die Idee gekommen? Was steckt dahinter?
Weil mich das Medium interessiert. Die "Szene" ist riesig, noch ziemlich unbekannt, ich glaube aber, dass es Zukunft hat, weil die Leute, die so etwas herausbringen, Wert auf Individualität statt auf Mainstream und Massenware legen. Mir ging es auch nicht unbedingt darum, diese Magazine bekannt zu machen, sondern darum, selbst etwas mehr darüber zu erfahren. Ich war zwar schon seit Jahren mit "rough" und "dienacht" auch unter den Leuten, die Magazine machen, hatte aber irgendwie von dem ganzen Drumherum nichts mitgekommen.

Ich wollte auch etwas "sinnvolles" machen, das es so noch nicht gab, das etwas über Reelles aussagt. Die Gestaltung spielt sicher eine große Rolle, aber eine mindestens so große spielt auch der Text. Die beiden Elementen können für mich nicht ohne einander funktionieren. Das vermisse ich bei manchen Semester- oder Diplomarbeiten, die auch in Blindtext hätten gesetzt werden können. Ich finde es schade, dass die Fachhochschulen nur die Gestaltung und nicht den Inhalt bewerten; das hat mit Praxisnähe nichts zu tun.

Außerdem ging es mir auch um das Machen des Buches; ich hatte während des Studiums nie soviel Geld, dass ich mich bei Semesterprojekten richtig austoben konnte, was das Material betrifft. Für die Diplomarbeit hatte ich zwar auch nicht mehr Geld, ich dachte aber, wenn man sie schon einmal macht, dann kann man auch richtig auf die ... hauen. Das Experimentieren mit Material bot sich bei dem Thema auch an; und so habe ich zwar ein Vermögen ausgegeben, hatte aber zumindest nicht hinterher das Gefühl, etwas aus Geldmangel nicht gemacht zu haben.

Wie/Wo wäre die ideale Anwendungsweise?
Ich möchte das Buch verlegen lassen; bis dahin möchte ich aber noch mehr recherchieren und schreiben, auch an der Gestaltung feilen, sie "herstellungskompatibler" machen. Das, was ich in der Diplomarbeit in der Zeit "verarbeiten" konnte ist nur ein Bruchteil von dem, was ins endgültige Buch kommt.

Arbeitest Du eher darauf los oder gibt es lange Konzeptionsphasen?
Ich arbeite eher drauf los. Das Konzept ist wichtig, es zieht sich bei mir aber eher im Hintergrund und unbewußt durch die Arbeit durch.

Wie lange hast Du an Deinem Werk gearbeitet?
Wir hatten etwa 6 Monate Zeit, die meiste Zeit habe ich mit der Recherche verbracht. Oder mit anderen Projekten.

Wer hat Dich betreut und wie hast Du davon profitiert?
Professor Andreas Hogan hat mich betreut. Einer der besten und fähigsten Professoren, die ich kenne, der auch über seinen eigenen Schatten springen kann.

Hast Du Deine Arbeit handgemacht (gedruckt, veredelt etc.)?
Das Buch wurde teils in Lüdenscheid (Offset), teils in Trier (Sonderheft / Digital) gedruckt. Das Sonderheft wurde genäht. Die Zwischenseiten wurden gestanzt, und die Lackfolie, die als Lackfarbe gedacht ist, habe ich aufgeklebt. Dann gibt es mehreren Coverseiten und eine offene Bindung.
"Printed Papers" wurde an etwa 6-7 unterschiedlichen Stellen hergestellt, es war aber trotzdem viel Handarbeit beim Zusammentragen und Binden nötig.

Was sind Deine Pläne für die Zukunft?
Schöne Projekte machen, einen Verlag für "Printed Papers" finden, vielleicht ein weiteres Magazin machen, als Grafik-Designer arbeiten, vielleicht aber auch einen eigenen Laden haben...

Gutes Gelingen für den weiteren Verlauf von Printed Papers!

Calins Diplomarbeit in Bildern








Fräulein Anna

Soweit ich weiß, ist Calin keine sie sondern ein er : )

Jill

upps, hab mein Versehen korrigiert :)

Fräulein Anna

Also oben steht immer noch sie....
2. Absatz.

Bernie

Wenn Du es nach New York zum TDC schickst: gut einpacken!!

Gast

da stimmt ein Link nicht, rough findet man unter www.rough-mag.tk, nicht rough-zine

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