Interviews

Samisdat – Eine Momentaufnahme des Self-Publishing

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SAMISDAT ist eine Momentaufnahme der immer größer werdenden Self-Publishing-Szene im Bereich Kunst und Design. Dabei ist das Augenmerk auf den Bereich der Printproduktionen gerichtet. Philipp Staege hat seine Diplomarbeit (betreut von Niklaus Troxler) an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart diesem Thema gewidmet.

Über Interviews mit Urs Lehni (Rollo Press), Jan Wenzel und Markus Dreßen (Spector Books), Catrin Altenbrandt und Adrian Nießler (Pixelgarten) sowie Jan Steinbach und Jonas Beuchert (Edition Taube), wird ein persönlicher Einblick und eine Einschätzung dieser Bewegung gegeben. Dabei hat SAMISDAT mehr den Anspruch emotional zu vermitteln als wissenschaftlich zu erörtern. Die Befragten berichten aus ihrem Werdegang, stellen ihre Sicht auf das Self-Publishing dar und hinterfragen die Szene.

 

Was bewegt einen Gestalter, in diese Szene einzutauchen? Wie findet man seinen Platz? Wie stellt sich das Niveau der Inhalte dar? Was entsteht in der Szene? Und wo positioniert sich diese Parallelbewegung mit ihren vielseitigen Produkten in der heutigen Verlagswelt?

 

Autor, Produzent und Publizist, diese Arbeitsfelder laufen im Self-Publishing häufig in einer Person, dem Gestalter, oder einer Minimalbesetzung eines Teams zusammen. Begleitend gibt Prof. Dr. phil. Thomas Friedrich in seinen drei Texten »Der Gestalter als Autor«, »Der Gestalter als Produzent« und »Der Gestalter als Publizist« einen Anstoß, inwiefern der Gestalter all dem gerecht wird. Die drei von Prof. Dr. phil. Thomas Friedrich hervorgehobenen Aufgabenbereiche stellen jeweils die Schwerpunkte in den Teilobjekten NOVI (Siebdruckbuch), VAGABUND (Fotobuch; Risographendruck) und dem PLAKAT (Siebdruck und Offsetdruck) der Arbeit dar. 

 

Wir haben Philipp ein paar Fragen zu seiner Arbeit gestellt:
Was bedeutet SAMISDAT?

Samisdat setzt sich aus den Russischen Wörten сам »selbst«, und издавать »auflegen«, »verlegen« zusammen. Auszug Wikipedia: »Samisdat« bezeichnete in der UdSSR und später auch in anderen so genannten realsozialistischen  Staaten die Verbreitung von alternativer, nicht systemkonformer Literatur auf nichtoffiziellen Kanälen, zum Beispiel durch Abschreiben mit der Hand oder der Schreibmaschine oder durch Fotokopie und das Weitergeben der so produzierten Exemplare.

 

Wie sah der Arbeitsablauf von der Idee bis zur fertigen Publikation aus?  

Wenn man sich an seine Diplomarbeit begibt, ist die erst große Hürde die Themenfindung. Da man an der Kunstakademie in Stuttgart schon während dem Kommunikationsdesign Studium  sehr Projektbezogen lernt  und arbeitet, sind während des Studiums häufig Publikationen in kleinen Auflagen erschienen. Die mit oder ohne ISBN als Editionen erschienen und verbreitet wurden. Diese Tatsache und der Hang zum Buch und der Eigenproduktion hat mich hauptsächlich zu meiner Thematik geführt. Jedoch ist für mich auch die Frage nach der Rolle des Gestalters in der Self-Publishing-Bewegung eine Frage, die mich beschäftigt.

Warum der Trend? Wird der Gestalter allen Aufgaben gerecht? Welche Aufgaben und Rollen nimmt der Gestalter dabei ein? Um exemplarisch ein paar Fragen zu nennen.

Nachdem sich das Thema immer klarer abgezeichnet hat, stellte sich die Frage nach der Ausführung. Die Szene anhand von Beispielen und Personen aufzeigen? Wissenschaftlich hinterfragen? 

Am Ende fiel der Entschluss, die Arbeit auf drei Füße zu stellen, die einen spontanen und eigenen Zugang dazu eröffnen.
1. Selbst dir Rollen des Gestalters im Self-Publishing einnehmen und durchleben. 
2. Eine Momentaufnahme an Einschätzungen von in der Szene aktiven Personen, bei der eventuell noch nicht gehörten Statements und Positionen auftauchen. 
3. Dem Leser zum Nachdenken und zu einer Einordnen anstoßen. Mit Texten von Prof. Dr. Phil. Thomas Friedrich, zu den Schwerpunkten »Der Gestalter als Autor«, »Der Gestalter als Produzent« und der »Der Gestalter als Publizist«.

Mit dieser breiten Aufstellung, die viele subjektive Momente beinhaltet, hat sich auch für die Gestaltung ein weites und abwechslungsreiches Feld aufgetan, in dem ich mich zum Ende meines Studiums final austoben konnte.

Die nächsten Schritte waren also: Inhalte generieren, Inhalte organisieren, Inhalte verarbeiten, Medien in Auflage drucken (alle Teilobjekte sind selbst gedruckt und gebunden; Samisdat ist selbst gebunden, extern gedruckt), Bücher in Auflage binden.

Das Ganze abwechslungsreich, aber nicht zerfahren unter einen Hut bringen.

Welche Erkenntnisse ziehst du aus der Arbeit? Ein Résumé für unsere Leser?

Die Arbeit hat mich der Szene näher gebracht. Bevor ich mich daran gemacht habe, dieses Thema zu erarbeiten und zu erfahren, stand ich dem Trend und der Szene eher skeptisch gegenüber. Was nicht heißen soll, dass heute allem uneingeschränkt positiv gegenüber stehe. Als Beispiel für in meinen Augen kritische Punkte ist die Überproduktion  zu nennen. Die Notwendigkeit der Publikationen liegt im Auge des Betrachters, wobei hier oft der persönliche Mehrwert vorn angestellt werden kann.

Durch die Einschätzung der Interviewpartner habe ich andere Blickwinkel auf die Szene erfahren. Es haben sich für mich Begründungen aufgetan und Sichtweisen ergeben, die nachvollziehbar sind. Ich lege die Interviews jedem Interessierten sehr ans Herz, auch und gerade weil sie eher subjektiv sind.

Einen Einblick in die immer stärker werdenden Parallelbewegung zu bekommen und selbst die Aufgaben darin zu erfahren war und ist viel Wert. Besonders mit Blick auf die Zukunft. Es wird wohl eine immer stärkere Bewegung zum besonderen Buch, zum Buchobjekt geben. Die gedruckten Auflagen werden kleiner, exklusiver und entstehen in enger Zusammenarbeit mit den Inhaltsgebern. Was dann auch ein Umdenken und eine Umstrukturierung der Verlagswelt in Autorenschaft, Produktion und Vertrieb mit sich bringt.

 

Samisdat – Eine Momentaufnahme des Self-Publishing

Herausgeber und Gestaltung: Philipp Staege
Betreuung: Prof. Niklaus Troxler
Veröffentlichung: Juli 2013
Umfang: 52 Seiten + 3 Teilobjekten (Novi = Illu-/Plakatbuch; Vagabund =  Fotobuch; Plakat)
Format: je nach (Teil)Objekt siehe Anschreiben bzw. Infos auf CD; Hauptheft: 26 cm x 35 cm
Sprache: Deutsch
Preis: inkl. Teilobjekten 49,95 zzgl. Versand

 

 

 

NOVI

Der Gestalter als Autor. Der Gestalter ist mit jeder Neuverschaltung, Zusammensetzung von Bild und Text sowie in der Erzeugung einer Illustration als Autor tätig. Hier erstreckt sich der Begriff der Autorenschaft also über den Umgang mit dem geschriebenen Wort hinaus.

Der Trend hin zur Autorenschaft der Gestalter wird immer stärker. In NOVI steht die angesprochene Neuverschaltung von Texten und das Erzeugen einer dazugehörigen Bildebene im Vordergrund. 

Zu den in NOVI verarbeiteten Thematiken würde es Bücher geben, hätten zwölf befragte Personen die Möglichkeit, spontan eine eigene Publikation zu veröffentlichen.

In NOVI sind die genannten Themen / NOVI-täten mit Textauszügen aktueller Tageszeitungen, sprich alltäglicher Novitäten, neu verlinkt und illustriert. Die Einzelnen Illustrationen sind als Plakate im Format ca. A3 aus dem Buch zu nehmen.

Auflage: NOVI 40 St.
Druck: Siebdruck / Laserdruck
Bindung: Klammerheftung in Umschlag eingehängt
Preis: NOVI 24 Euro / Paket 49,95 Euro
Format: 165mm x 215mm, 12 Faltplakate ca. A3 Illustrationen mit Text
Bestellung per Mail

 

VAGABUND

Der Gestalter als Produzent. Das Verarbeiten fremder Inhalte, kommt der grundlegenden Aufgabe des Gestalters am nähesten. So ist auch im Self-Publishing oft die enge Zusammenarbeit von Inhaltgeber und dem Gestalter als Produzent, der die Arbeit dann oft noch selbst druckt und bindet ein starker Faktor.

Im Buch VAGABUND wird Inhalt von außen möglichst passend und für die Inhaltgeber treffend verarbeitet. 

Die in den Reise-Fotografien von Marie Burghardt festgehaltenen Augenblicke vereinen sich zu einem Fernweh erweckenden Fenster in unsere Welt. 

Oft scheinen die Situationen der Aufnahme wie Sekunden zu verfliegen. Durch den Druck auf Dünndruckpapier findet sich diese Leichtigkeit im Objekt wieder. Die mitlaufenden Auszüge aus „Eine Sekunde der Welt“ von Siegfried Lenz, setzten die Aufnahmen in ein Verhältnis zum Moment.

Auflage: VAGABUND 40 St.
Druck: Risographie / Offset
Bindung: Klebebindung mit Fälzel
Preis: Einzel vergriffen daher nur im Paket für 49,95 Euro erhältlich
Format: 170mm x 235mm; 40 Seiten
 Bestellung per Mail

 

Lelala

Die Bilder sind natürlich alle "hi-quality" Beispiele, die dannauch gar niccht so einfach bzw. so billig sind;
die üblichen "Selbstpublishing-Programme" zielen dagegen doch eher auf "normale Werke" ab, ohne größere künstlerische Allüren und Erwartungen :-)
Hut ab!
Grüße

Gast

Schlichtes Design und sehr anziehende Gestaltung. Wirklich gut gemacht

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