SANG BLEU von Maxime Buechi / EIN MAGAZIN, DASS UNTER DIE HAUT GEHT

in

Selten, wirklich selten dass ich ein Magazin gesehen habe dass so opulent, so misterriös, so düster, so heiter und so emotional gestaltet wurde. SANG BLEU von Maxime Buechi erzeugt eine Stimmung, die unter die Haut geht. Alles wirkt echt, ehrlich, gelebt, geatmet, tättooviert. Jedes Foto entstand, so wirkt es zumindest, weil eine innige Beziehung zwischen Fotograf und Person existiert. Die Grafik bewegt sich mit einer ganz eigenen, losgelösten Sprache. Frei, hemmungslos, kontrovers und eigen. Maxime ist der Carson 09. 032 visuelle Sprache wirkt dagegen vertrocknet und erzwungen.

Auch der Blog ist eine Augenweide. Die überwiegend in sw gehaltenen Fotos sind meisterlich ausgesucht. Ich mag auch die unterschiedlichen Foto-Formate welche eine schöne Unruhe bringen. Gute, schlichte Typo und Micro Typo. Und viel Inhalt.

Im Magazin (oder muss man es bei 544 Seiten schon Buch nennen?) kommen die Fonts von Ian Party /B&P Typefoundry zum Einsatz. Die wunderschöne LA POLICE (z.Zt als free trial Version erhältlich) hatten wir schon vorgestellt: sie schmückt den Titel der Slanted Ausgabe #5. Damals schon hat das kleine "L" mit seinem Angelhaken meinen Blick gefangen. Als ich jetzt SANG BLEU in den Händen hielt wurde mir alles klar: das ist kein Angelhaken, das ist eine Nadel, die Stiche in die Haut versetzt.
























1. what is the concept of the magazine?
Sang Bleu was initiated in 2004 in London as an attempt to create a publication proposing a contemporary and experimental vision of modern culture and style. Rejecting the usual categorizations and segmentations, Sang Bleu’s statement is to use Art, Fashion, Sociology, Literature, but also—more unexpectedly—Tattooing, Body Modification, Fetish and other subcultures to create a carefully composed image of modern urban societies and individuals.

2. how often is it published, where is it distributed?
Theoretically, 2ce a year, but practically, when possible…
It is distributed worldwide via internet (the B&P Typefoundry website).
And widely in Europe and the USA in bookshops.

3. who is behind this project, how did it happen?
I am the founder and publisher of SB. It all started in London in 2004. I Already had a confused desire for something that'd break certain boundaries, but still belong to the world of paper publishing that I like. But I was in Switzerland, where people generally stick to boundaries and are completely comfortable with that. When I arrived in London to work, I suddenly understood it was possible. Boundaries- breaking totally is in the vernacular culture. Than, as the project started to take form, people of all kind started to get involved. like my long-time friend Ian Party with whom I was already working on B&P or Jeann-Salomé Rochat, Adrian Wilson, Lotta Volkova… Sang Bleu is a very flexible and multi-faceted project in which collaborators really can take a lot of freedon. provided that they respect the initial vision.

4. is the little hook in the letter "L" of the font "La Police" a link to tattoo-art?
Not at all. It is the historical signature of the french "Imprimerie Nationale", the owner of the Romain du Roi on which the Romain BP, as well as the LaPolice BP are based.

5. who are you, where did you learn what you are doing?
Born in Lausanne, Switzerland in 1978.
Studied psychology at the university of Lausanne, then Visual Communication at the ECAL. After graduating in 2004, lived in Zurich, Paris, London, worked for people like NORM, SELF SERVICE, NORTH DESIGN, ARENA HOMME +. Teaches at the ECAL (University of Arts & Design, Lausanne). Founder of B&P Typefoundry and Sang Bleu. Currently lives and works in Lausanne and London as graphic designer, ar directer, publisher & tattoo artist.
This is where I got acquainted to publishing, but the editorial part comes more from a pre-existing taste for art and theory. I also worked in a political party for a couple of years, then belonged to all kind of "alternative" and activist associations, to the Zulu Nation, etc. and more generally always liked organizing things and making things happen… 
And for all the fashion-direction etc, i learned in the process, watching other people and following my intuition and my tastes.
------------------------------------------------------
Pressetext von Sang Bleu
Sang Bleu was initiated in 2004 in London as an attempt to create a publication proposing a contemporary and experimental vision of modern culture and style. Rejecting the usual categorizations and segmentations, Sang Bleu’s statement is to use Art, Fashion, Sociology, Literature, but also—more unexpectedly—Tattooing, Body Modification, Fetish and other subcultures to create a carefully composed image of modern urban societies and individuals. Whatever their background is, Sang Bleu will reach those with a poetic mind and a sensitivity for beauty and take them to countries they never knew about.

Format: 24×33 cm

Content: 544 pages + luxury 8 page cover + two 16 page supplements + 1 music CD

Distribution: import/export press (dir(at)exportpress.com)

Cover price: 33 Pounds, 44€, 66chf

General requests: info(at)sangbleu.com

Requests regarding advertising with Sang Bleu: advertising(at)sangbleu.com

ISSN 1752-1955

Jörg

Ich finde die Sprache von Typo und Fotos passt, wirkt aber etwas veraltet. Teilweise die Ästhetik von alten CK Werbungen. Vielleicht kann man hier über Geschmack reden, aber meinen trifft er nicht.

nora

„Frei, hemmungslos, kontrovers und eigen.”
„Maxime ist der Carson 09.”
„Auch der Blog ist eine Augenweide.”

???? Wie bitte? Gucken wir diesselben Sachen an? Lars, bist du verliebt ?? ;-))
Wahrscheinlich ja ... in SANG BLEU, ein gut gemachtes Magazin ... aber gleich so ...

Gast

oh ja,
carson 09 finde ich auch etwas übertrieben.. so ganz verstehe ich auch nicht wie du darauf kommst. gut gemacht ist es sicher, aber der carson-vergleich hinkt.
grüsse aus berlin..
d

Pascal

ich finde das einen billigen abklatsch von 032c, sorry-ich kann da nichts neues entdecken. zu dem haben sie bei slanted geklaut mit den unterstrichenen anreissern an der seite (jason farer). klar, es ist schon anders, aber der look und feel is genau gleich...

ich hatte es kürzlich in der hand und mich dagegen entschieden es zu kaufen, nachdem ich 2 minuten drin geblättert habe. also da seid sowohl ihr als auch mike um klassen besser.

da, gibt es aber spannenderes oder? :)

namik

das magazin ist eine art störung.

lars

nora, wer wäre deiner meinung nach dc 09?
ich musste, zugegeben, grinsen als ich das schrieb, wusste ich doch, dass es polarisiert.
störung gefällt mir, aber das magazin als solches ist es nicht. wir stören uns eher am thema, oder?

JOJO

War echt begeistert als mir Lars diese und auch die älteren Ausgaben gezeigt hat!
Ob alles neu ist darüber kann man streiten - die Gestaltung funktioniert aber einfach wahnsinnig gut. Bis jetzt gab´s Tattoos nur immer in fürchterlicher Aufmachung...

namik

das tattoo trägt eine innere haltung nach außen und oft auch eine,
die, wenn ich an diese russischen gefängnistattoos denke, eine
aussetzige, verstoßende romantik.

nicht das thema, der endlose vergleich wer was schon
mal wo und wann gemacht hat, ist verstörend.

ganz konkret sagt mir der umgang mit der fotografie mehr zu als
der umgang mit der typografie.

Gast

Ich finde, ein wenig mehr Selbstironie würde Magazinen wie diesem ganz gut tun. Sonst zitieren sie sich nur noch selbst und drehen sich im Kreis. Persönliches ist interessanter als Stereotypen. Gut gemacht reicht mir hier nicht als Kaufanreiz. Gut gemacht ist sehr vieles. Natürlich auch Sang Bleu.

Gruss, Alex

Pascal

Ich finde das Thema super, daran störe ich mich gar nicht. Aber wie gesagt, das ist für mich keinesfalls ein DC 09, mal unabhängig von der Frage, ob ich den überhaupt sehen wollen würde! ;) gegenfrage also:

wer vermisst denn DC überhaupt?

sven hoffmann

erstmal vor und nachnamen, damit man auch weiss mit wem man da redet.

lustig. immerwieder. diese kommentare.
und anstatt die eigentliche arbeit, die fotos, ideen und den look zu interpretieren...
verirrt man sich in vergleiche mit anderen magazinen oder strecken
oder vergleicht designer und hefte die nicht zu vergleichen sind.
warum auch? interessiert keinen.

vielmehr sollte es darum gehen ob die sachen kraft haben, ob sie etwas interpretieren und wenn, was denn fuer den jeweiligen betrachter. waere spannender als darueber zu reden ob es der nxt carson ist. oder wie alt oder neu die sachen wirken...

wie auch immer - nur gedanken.
sven hoffmann

Peter H.

Erinnert mich sehr stark an die vom wunderbaren Albert Folch Studio(www.folchstudio.com) gestalteten Magazine "METAL"(www.revistametal.com) und die letzte Ausgabe des ebenenso oppulenten "Fanzine 137 - Ladies & Gentlemen (Vol.1)". Und hat schon jemand mal das "HERCULES-Magazin" aus Spanien in den Händen gehalten? Wie auch immer...Nicht die schlechtesten Inspirationsquellen, wenn Sie überhaupt als Vorbilder gedient haben sollten.
Danke für das Interviw.

lg
p.

P.S.: Toll wäre mal ein Interview mit dem in Madrid lebenden Luis Venegas! Er ist nämlich der Herausgeber der beiden Magazine "Fanzine 137" und "Electric Youth"

lars

dc, live, diesen samstag in freiburg, designblast.
ich geh hin! weil ich sein werk sehr schätze und sehr gespannt bin, was er im gepäck hat. vor allem nach dem etwas enttäuschendem typo berlin vortrag vor 3 jahren.
sven, welcome back! ich finde den vergleich interessant, weil die haltung eine gewisse analogie hat. z.b. der umgang mit der bildsprache: überlagern, anschneiden, typografische verspieltheit...von dc sieht man leider fast nichts mehr (obama plakat war mein letzter blick). sangbleu hat kraft, allein die bildauswahl ist sehr untypisch für eine szene die sonst eher fleischfarbene und blutige bilder produziert. viele der fotos könnten sehr gut in anderen magazinen mit einem hang zur kunst passen.
whatever_ich mag es einfach wie es ist.

sven hoffmann

...eben, man mag es wie es ist. und das ist gut. oder man mag es nicht. oder es ist objektiv stark oder schwach. aber diese bemuehten vergleiche mit anderen magazinen und designern sind, finde ich, steif und eben - bemueht. ja, typo hier und ueberlagerungen da. das gab es in den 60er mit mimo rotella und anderen auch. der vergleich ist auch wirklich nicht ganz zutreffend, weil carson zum beispiel nie auf die gedruckte qualitaet eines fotos oder der druckqualitaet ueberhaupt wert gelegt hat - und es bis heute auch nicht tut. auf seinem rechner, den ich gerade mal wieder aufgeraeumt habe, befinden sich viele dateien aber nur quark. wenn ihm ein foto gefaellt, es aber in 72 dpi da ist, ist es wurscht. nur die emotion und interpretation muss stark sein. bei diesem mag ist die objektive qualitaet vorhanden und in einem viel staerkeren grid.
ausserdem stoert mich dieses: der neue dc09, fuehrt naemlich genau zu dem, was mich noch viel stoert: fragen ueber ... "brauchen wir noch dc" oder aehnlich, sorry, dumme fragen.

tach, sven

student

@ Peter H.:
Nach all der Copy Paste Kritik am Sang Bleu Alberto Folch und sein Metal als eigenständige, innovative Inspirationsquelle zu loben, hat mir doch ein breites Grinsen entlockt. War doch eben dieses schöne Metal Grund für einen peinlichen Plagiat-Rechtskriegs ... damals Fantastic Man, nun halt ein wenig Pin-Up. Die meisten Folch-Sachen hat man denn auch irgendwann irgendwie schon mal gesehn ...
Soviel dazu. Nun weiter in der Sang Bleu-Diskussion.
ich mags.

Peter H.

Hallo "student". Von der "Metal als eigenständige, innovative Inspirationsquelle" war in meinem Kommentar an keiner Stelle die Rede. Und als Negativkritik möchte ich ihn auch nicht verstanden wissen. Schau doch noch mal hin.

Von dem Rechtsstreit habe ich tatsächlich auch gehört. Wie ist er damals eigentlich ausgegangen?

YB

Ich würde lieber von Referenzen sprechen, da es immer manche gibt. Man kann schon vergleiche machen, aber das ist immer sehr persönlich. Jeder sieht sachen mit ein anderen blick. Wenn man von neue Magazine redet, kommt Jop Van Bennekom immer vor. Er hat was gebracht was kaum gab, und dadurch eine Szene eröffnet vielleicht?
Ich finde das den Vergleich mit 032c auch den Subjekt nicht trifft, für mich sind es doch zwei verschiedene Sachen.

Aber zu sagen das SB was von Slanted kopiert hat mit der Jason Farrer seite ist lächerlich, unterstreichen ist jetzt verboten? Das Magazin ist 500 Seiten breit, das manche Titelseiten wie etwas anders aussehen passiert einfach. Man kann sowieso nicht ein Magazin durch ein paar internet bildern beurteilen, eigentlich am besten mit mehrere ausgaben wenn es möglich ist. SB hat jetzt 3 Ausgaben, was schon ein Erfolg ist, wenn man weiss wie schwierig es ist, so ein Produkt heraus zu bringen.

Es geht auch um editorial entscheidungen. Natürlich ist nicht alles neu, wo gibt es doch das?? Die Richtung ist aber schon was einzigartig und original. Es trifft sein Ziel. Das es nicht an jeder anspricht ist doch natürlich. Ich hab kein Interesse an Mode, dadurch sprechen mich manche sachen auch nicht. Bei mir mehr in Fotos als im Umgang mit Typografie der doch geschmacksvoll ist. Es sieht auch nicht aus wie jeder trend magazin mit Akkurat oder eine "coole neue" typo wie man bei typeneu so oft sehen kann. Doch hat es eine eigene und passende Sprache. Man muss es nicht mögen, aber wenn man es nicht sieht, hat man warscheinlich was verpasst: http://www.bpfoundry.com/fonts/cuts.htm?font=18

maxime buechi

Dear All.

I find (most of) the above comments interesting and I do not have as a habit to intervene in such discussions, but I would indeed stress the fact that most graphic styles going on in Sang Bleu were already established with the first issue that came out in 2005 when 032c didn't look like it does now and Metal had just published a first issue that very much looked like a watered-down Fantastic Man (to their credit, they improved a lot afterwards).

I will not argue on the question of authorship and originality in design, especially in editorial (magazine) design as I will look like I'm trying to justify something, which I'm not. But I can just say I am amazed that such irrelevant notions still seem to be so vivacious.

Styles in graphic design, like in any other applied art are tools, and now more than ever. Designers have at their disposal all these but the questions of the graphic languages should never be disconnected from the question of the purpose/intention they serve. If anyone ask me, I will tell you exactly where and how I drew inspiration from other designers or whatever else, so will do any honest designer. But I feel somewhat tiresome to still have to address this.

To me if anyone held Sang Bleu in their hands and, for even a few minutes, gave some attentions to some things they usually wouldn't have given any attention to, then my goal is reached 100 fold. After that, if I happen to be David Carson or John Smith, I care very little about.

Anyway, thank you Lars for the lines full of praise. Publishing a magazine from A to Z independently is not easy and such support helps a lot. And thank you to everyone who takes part in the debate, because debate—not consensus—is part of the goal too.

Yours truly.

Pascal

Okay, habe verstanden. Viele finden es schön.

Aber kann mir einer mal erklären warum? Ich finde es immer noch langweilig und schon gesehen...sry! Mit der Frage nach dc habe ich genau das bezweckt was Sven sagt, solche Fragen finde ich auch überflüssig-das ergibt sich oder eben nicht.

Meine Kritik an der unterstrichenen Typo war ja auch nur ein Example, ich kenne auch alle anderen Bestandteile die hier abgebildet wurden, und habe wie gesagt das Magazin schon in der Hand gehalten-Meinung bleibt.

Ausserdem finde ich das Magazin hat keine Aussage und bevor jemand sagt, dass das nicht wichtig ist-ich finde das ist das wichtigste bei einem Magazin...ich kann keine Haltung erkennen, ausser einer Trittbrettfahrer Schönmacherhaltung...sry...

Post new comment

Deine E-Mail wird nicht veröffentlicht.

Wir freuen uns über Deine konstruktive Meinung und behalten uns vor, gehaltlose, persönlich verletzende und themenfremde Kommentare zu löschen.

Wenn Du nicht angemeldet bist, wird Dein Kommentar von der Redaktion zuerst geprüft und dann freigeschaltet.

By submitting this form, you accept the Mollom privacy policy.

Verwandter Artikel

Sang Bleu Issue 5

spring/summer 2010

Über 600 Seiten voll einzigartiger Fotografien und spannender Artikel erwarten dich im SANG BLEU ISSUE 5, das aus ...

in 9 comments

Nächster Artikel

GSD 08 PLATFORM

A YEAR OF RESEARCH THROUGH STUDIO WORK, THESES, EXHIBITIONS, AND CONFERENCES AT THE HARVARD UNIVERSITY SCHOOL OF DESIGN

"More than a mere recording of the achievements of students and faculty, lectures, publications, and exhibitions, ...

in ,

Vorheriger Artikel

Tabakindustrie ködert Kinder

Plakatwettbewerb

Studentinnen und Studenten der Fachrichtung Grafikdesign von Universitäten, Akademien, Fachhochschulen und ...

in 2 comments