Schrulle! Psycho! Junkie! / Diplomarbeit von Moritz Altreuther zum Thema Gewohnheit

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»Die Gewohnheit ist ein Seil, wir weben jeden Tag einen Faden, und schließlich können wir es nicht mehr zerreißen.« (Thomas Mann)

»Schrulle!«, »Psycho!« und »Junkie!», die Diplomarbeit von Moritz Altreuther, beschäftigt sich in drei Zeitungen auf insgesamt 96 Seiten mit unterschiedlichen Aspekten zum Thema Gewohnheit. Die Medien sind einzeln lesbar oder konsekutiv. Der Leser wird durch Layout, Bildsprache und grafische Elemente emotional mit den Inhalten vertraut gemacht.

Zur Visualisierung des Themas Gewohnheit wurde als Metapher unsere Sehgewohnheit analysiert und entsprechend der Steigerung der »Macken« von der Schrulle bis zum Junkie, auf Gestaltungsmittel entsprechend angewandt. Hier fällt besonders die außergewöhnliche Headlineschrift auf. Sie besteht nur aus Glyphen, die eigentlich eine andere Bedeutung haben. Im Kontext verwandeln sich die Glyphen zu Buchstaben und die Headlines werden lesbar. Ebenso irritierend ist die verwendete Bildsprache in den drei Zeitungen. Zu sehen sind weggeblitzte Portraits, gedrehte Situationen oder falsch fokussierte Szenen. Auf den zweiten Blick erkennt man jedoch das Gestaltungsprinzip, welches dem Content angepasst wurde.

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Interview mit Moritz Altreuther:

Slanted: Gib uns bitte ein paar Informationen über Dich.
10 Semester Kommunikationsdesign Studium an der HS Niederrhein, ein Praxissemester bei Magma Brand Design in Karlsruhe.
Eine Freundin, zwei Kinder. Freiberufler.

Slanted: Was ist Deine Grafikdesign Richtung? Wie würdest Du Deinen Stil bezeichnen? Wo liegen Deine Stärken?
Ich mag Typo, Editorial, CI-Projekte und Fotografie.

Slanted: Wo arbeitest Du am liebsten?
Ich arbeite gern im kleinen Büro unter netten Kollegen aber auch draußen beim Fotografieren oder in der Werkstatt beim Drucken. Ich steh auch auf das Handwerkliche, was nicht in erster Linie mit dem Rechner zu tun hat. Man hat dann immer so ein direktes Erfolgserlebnis. Toll etwas mit den eigenen Händen geschaffen zu haben.

Slanted: Was inspiriert Dich?
Zur Zeit lasse ich mich von meinen Futzemännern inspirieren, es ist immer wieder verblüffend, wie die zwei unsere Welt sehen und kommentieren.

Slanted: Welche Bedeutung hat für Dich Design?
Ich hab da mal einen tollen Spruch gelesen:
Good design is all about making other designers feel like idiots, because that idea wasn’t theirs.

Slanted: Warum hast Du diese Arbeit gemacht? Wie bist Du auf die Idee gekommen? Was steckt dahinter?
Ich hab ewig gebraucht um mich auf ein Thema festzulegen. Im Semester vor meiner Diplomarbeit hatte ich mich intensiv mit Aufmerksamkeitsgesetzen und Sehgewohnheiten beschäftigt. Alles Mögliche ist mir durch den Kopf gegangen, als ich dann angefangen hatte zu diesem Thema zu recherchieren, sind mir direkt jede Menge Ideen zur Umsetzung eingefallen.

Slanted: Was möchtest Du mit Deiner Arbeit erreichen/aussagen?
Der Leser soll sich durch Layout, Bildsprache und Grafische Elemente in die beschriebenen Situationen hineindenken können und ein besseres Gefühl für die Thematik entwickeln. So wird es möglich, sich mit den Texten zu identifizieren und Seiten an sich zu entdecken, die häufig verdrängt werden oder wenig Beachtung erfahren.

Slanted: Wie oder wo wäre die ideale Anwendungsweise?
Die Zeitungen könnten eigentlich überall aushängen. Am besten sogar an Orten, an denen man mit solchen Themen gar nicht rechnet. In der Kneipe oder in der Bahn vielleicht.

Slanted: Arbeitest Du eher darauf los oder gibt es lange Konzeptionsphasen?
Am Anfang eines Projekts arbeite ich gerne einfach drauf los ohne lang nach zu denken, einfach mal sehen was daraus entsteht. Wenn ich mich dann aber für etwas entschieden habe, halte ich mich gerne an ein klares Konzept.

Slanted: Wie lange hast Du an Deinem Werk gearbeitet?
Ein Monat kreatives Nichtstun, zwei Monate Recherche, ein Monat Gestaltung, zwei Wochen Produktion.

Slanted: Wer hat Dich betreut und wie hast Du davon profitiert?
Betreut wurde ich von Prof. Nora Gummert Hauser und Diplom Designer Lars Harmsen. Beim Feintuning kurz vor knapp haben die beiden mir ordentlich in den Arsch getreten.

Slanted: Hast Du Deine Arbeit hand gemacht (gedruckt, veredelt etc.)?
Die Arbeit ist komplett hand gemacht. Das Zeitungspapier hat nur 52gr/m2, daher musste ich die Bögen einzeln in Passepartouts einkleben, damit der Plotter das Papier anständig einziehen konnte. Außerdem wurden die Zeitungshalter mit kleinen Icons besiebdruckt.

Slanted: Hast Du Vorbilder? Welche Arbeiten gefallen Dir?
Mir gefallen Arbeiten von Designlab, von onlab oder von this Studio und bestimmt noch viele andere.

Was sind Deine Pläne für die Zukunft?
An tollen Projekten arbeiten und halbwegs davon leben können.

Slanted: Dabei wünschen wir Dir viel Glück. Macht’s gut und bis bald.























Gast

Dies ist wirklich eine großartige Arbeit – ich bin begeistert von der Perfektion, die in die kleinsten Details reicht. Dies beweist, dass Leidenschaft und Liebe zum Detail eine große Rolle in diesem Beruf spielt, wenn man sich wirklich von der Konkurrenz abheben möchte. Herzlichen Glückwunsch zum Diplom!

Julia

schweiß, lange nächte, abgeschnittene fingerkuppen...wie man sieht hat es sich mehr als gelohnt! druckerpartner für immer!

nora

Sehr schöne Arbeit ... wie immer im Bereich Editorial finde ich die fotografische Dokumentation der Arbeit nicht annähernd so gut, wie die „echten" Exemplare ... aber anders lässt es sich ja kaum machen ;-) All das was bei einer Printpublikation eben auch wichtig ist ... Format, wie fühlt sich ein Papier an, wie blättert sich das, welche visuellen und sprachlichen Metaebenen eröffnen sich allein durch weiterblättern ... kommt bei Fotos einfach nicht rüber. Eigentlich müsstest du dein „How-to" Filmchen noch irgendwo online stellen ...

Gast

überzeugend.

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