SPACE FOR VISUAL RESEARCH / Workshop, manual and compendium

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Bilder stehen im Zentrum zeitgenössischer Kommunikation. Keine Botschaft, keine Gestaltung und keine Forschung verläuft bilderlos. Wir befinden uns im Zeitalter des Bildes, doch die hierfür notwendige Kultur des Entwerfens ist im Rückstand. Der SPACE FOR VISUAL RESEARCH schlägt eine Lehre, ein Labor und ein Handbuch vor. Er zielt auf abstrakte Bilder ab, die unabhängig von visuellen Referenzen funktionieren und in der freien Urheberschaft des Designers entstehen.

Markus Weisbeck, der den SPACE FOR VISUAL RESEARCH 2013 zusammen mit Mathias Schmitt und Michael Ott an der Bauhaus-Universität in Weimar gegründet hat, führt im Interview mit Alex Marashian in das Programm des Projektes ein: »Es ist möglich, eine Methode für das systematische Lehren von Form durch Abstraktion zu entwickeln. Wenn man Grafikdesign mit abstrakten Bildern praktiziert, ist man mehr auf die Gestaltung fokussiert und weniger von Fragen der Bedeutung des Sujets abgelenkt.«

Die gleichnamige Publikation löst als Labortagebuch in 13 Bildstrecken von 16 Designern den Anspruch ein, verschiedene Modi der Abstraktion im Experiment mit optischen, chemischen, physikalischen und digitalen Werkzeugen aufzuzeigen. Dabei stoßen die einzelnen Bildentwürfe stets an die Grenzen von Abbildung, Ikonizität und Modellhaftigkeit.

Der Künstler Liam Gillick beschreibt in seinem Essay das notwendige Scheitern jeder Darstellung in der Abstraktion und wertet diese Krise in ein kritisches Potential abstrakter Gestaltungen um. Die von Karl Schawelka vorgelegte Ästhetik zeichnet historische Linien der produktiven Abstraktion von Formen in der Natur durch die Kunst zwischen Pattern Recognition und Einbildungskraft nach.

Die Überführung der Wahrnehmung in eine Form ist schließlich das Großprojekt von Max Bense. Sophia Gräfe führt in das Denken des Informationsästhetikers und in die Gestaltungstheorie der 1960er Jahre ein. Im Versuch, das Denken ästhetisch und die Bilder als denkend zu begreifen eröffnet sich das Curriculum des SPACE FOR V I SUAL RESEARCH: »Die bewusste Forschung am Zusammenhang von Wissen und seiner Darstellung, die eine Bildrhetorik unseres Denkens und Fühlens schult.« Mit zwei künstlerischen Interventionen von Jason Dodge und E. Roon Kang und einem Originalprint von Enno Pötschke.

SPACE FOR VISUAL RESEARCH
Workshop, manual and compendium

Gestaltung: Enno Pötschke
Herausgeber: Markus Weisbeck, Michael Ott & Mathias Schmitt
Verlag: Spector Books
Veröffentlichung: November 2014
Umfang: 184 Seiten
Sprache: Deutsch/Englisch
Ausführung: 4 verschiedene Hardcover inkl. Originalprint von Enno Pötschke
ISBN/ISSN: 978-3-944669-80-9
Preis: 26 Euro

www.spaceforvisualresearch.com

Der SPACE FOR V ISUAL RESEARCH arbeitet seit 2013 als Arbeitsraum und Labor für experimentelle Forschung an neuen grafischen, abstrakten und visuellen Welten im Kontext der Bauhaus- Universität Weimar. Er ist Werkstätte und Denkraum zugleich und unterstützt die Notwendigkeit einer entdeckenden Suche nach neuen Ästhetiken. Der Arbeitsraum stellt Experimentreihen zur Verfügung, die den Startpunkt von Interpretationen und Neuformulierungen bilden. Ihre Essenz wartet darauf, in einem progressiven Kontext umgesetzt zu werden.

HOLISTISCHER ANSATZ

Grafikdesign ist die Disziplin der visuellen Gestaltung von Texten und Bildern. Oftmals liegen seine Elemente, wie beispielsweise Fotografien, dem Designer als gegebenes Quellenmaterial vor. Wirft man einen genauen Blick in die Geschichte des Grafikdesigns, so findet man die visuellen Meilensteine vielmehr im Bereich einer umfassenden Autorschaft. In diesen Fällen wurden die Bilder oder Illustrationen vom einzelnen Designer selbst als grafische Lösung entwickelt. Der S PAC E FOR VISUAL RESEARCH lehrt Designer ihren Geist und ihre Werkzeuge in diese Richtung zu öffnen. 

Die Publikation SPACE FOR VISUAL RESEARCH ist das Labortagebuch für diese Schule der Visuellen Forschung. Sie ist das Protokoll visueller Experimente, die Verfahren der Physik, Chemie, Optik und Reproduktionstechnik als Ausgangspunkt der Bildproduktion wählen. Der Zufall wird als natürlicher Wegbegleiter der Versuchsreihen dokumentiert. Die entwickelten Bilder verstehen sich als Zwischenergebnisse der Untersuchungen. In seinem Ansatz strebt SfVR keine abbildbare Lesbarkeit der Experimente an, sondern fokussiert die formale Ästhetik der erarbeiteten Kompositionen. Die den Bildreihen beiseite gestellten technischen Erklärungen eröffnen wiederum die Möglichkeit der individuellen Reproduktion der angestellten Bildexperimente. Die zusätzlich beauftragten Interviews und Fachessays sowie eine handverlesene Literaturliste machen SfVR zu einem Nachschlagewerk für die Theorie Visueller Forschung.

Image Credits von oben nach unten:
Space for Visual Research – Cover, Spector Books 2014
15 minutes intuition, Peter Schwartz, SFVR 2014
15 minutes intuition, René Schwolow, SFVR 2014
Bauplastik, Markus Weisbeck, SFVR 2014
Chaos Pendulum, Christian Krüger, SFVR 2014
Polymerpalmen, Mathias Schmitt & Michael Ott, SFVR 2014
Schaumpilz, Johannes Siebler, SFVR 2014
Transparent cut, Mathias Schmitt & Michael Ott, SFVR 2014
Flip image, Michael Paul Romstöck, SFVR 2014

visual dreams

Zurück zum Bild trifft es ziemlich gut. Auch wenn die Fotografien technisch gesehen nicht alle ausgereift sind, so ist die Bildaussage bzw. der Aufbau im Fokus und bis auf das Buchthema gut gelöst wie ich finde.

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