Vergangenes Wochenende sprach Daniel van der Velden von Metahaven auf dem VOCO Designfest in Würzburg über sein “Design for WikiLeaks”.
Er zeigte einige seiner aktuellen Entwürfe und Denkansätze für ein Erscheinungsbild für WikiLeaks. Der Vortrag war ein regelrechter Krimi, da Daniel van der Velden die aktuellen Ereignisse rund um WikiLeaks und um den international ausgesprochenen Haftbefehlt gegen Julian Assange wegen Vergewaltigungsverdacht unmittelbar miterlebte und sich auf seine Arbeit auswirkte.
Eindringlich bat er die Zuhörerschaft am Ende seines Vortrags:
“Support WikiLeaks Now!”
Auch die Designer rund um das Schriftenlabel Lineto fordern seit gestern auf ihrer Homepage dazu auf WikiLeaks zu unterstützen.
Hier ein Auszug:
“But this is not about Julian Assange. In our view, Wikileaks is one of the most important websites currently operating, and regardless of what you may personally think of Julian Assange (and no matter what information you base your judgment on), we are convinced it is very necessary to keep Wikileaks going.
That's why we call on you to support the project and make a donation today. You can donate here. We did today. When will you?”
Die Lage hat sich für WikiLeaks inzwischen weiter zugespitzt. Nach aktuellen Pressestimmen wurde Julian Assange heute von der britischen Polizei verhaftet.
Ich finde es sehr interessant dass bekannte Designer ganz offiziell dazu aufrufen WikiLeaks zu unterstützen und frage mich ob Designer eine besondere Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit haben, da sie durch ihre Gestaltung öffentliche Meinungen mitformen.
Was sagt ihr?
>>> Sollten Designer politisch sein und wenn ja müssen wir es noch viel mehr in unserer Arbeit zum Ausdruck bringen?
>>> Und aktuell: Braucht WikiLeaks unsere Unterstützung?
Metahaven auf dem VOCO Designfest:




Auf der Website von Lineto:


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in Bücher, Design 1 Kommentar






Felix
"But this is not about Julian Assange. In our view, Wikileaks is one of the most important websites currently operating, and regardless of what you may personally think of Julian Assange (and no matter what information you base your judgment on), we are convinced it is very necessary to keep Wikileaks going."
IMO ist das genau der Knackpunkt. In den Medien dreht sich alles nur noch um Assange als Person, aber die Bedeutung von WikiLeaks und das internationale Vorgehen gegen die Seite und das Recht auf Information, dass mit Füßen getreten wird, treten völlig in den Hintergrund.
HeKaTe
Es handelt sich um ein Projekt welches man unterstützen kann, nicht aber um eine Person die es zu unterstützen gilt. Wikileaks ist in erster Linie eine Idee zur Veränderung politischer Verhältnisse und als solches sollte man dieses Projekt a priori bewerten. Ergo: Ich unterstütze Wikileaks.
Felix
Ich habe gespendet!
PRO WIKILEAKS!
Gast
ja
Florian Pfeffer
Ich finde es extrem schwierig, die Vorgänge sowohl um WikiLeaks als auch um Julian Assange zu bewerten. Das geht gerade alles sehr, sehr schnell und der emotional aufgeladene Hype macht es nicht einfacher, einen differenzierten Standpunkt zu finden. Ich stelle mir in diesem Zusammenhang drei Fragen:
1
Warum wurde Assange verhaftet?
Es war schon im Fall des Regisseurs Roman Polanski so, dass es eine enorme Symphatie-Welle für Polanski gab, in deren Umfeld die (erwiesene und von Polanski eingestandene) Vergewaltigung eines minderjährigen Mädchens zu einer Petitesse herabgestuft worden ist. Auch hier ist die (unterstellte und nicht bewiesene) Straftat von dem aufgeputschten Umfeld nicht mehr zu trennen und es werden Gerüchte kolportiert (auch von Assange selber), dass es sich hier um eine Falle/Verschwörung handeln würde. Sollte aber eine Straftat vorliegen (nach schwedischem Recht) kann doch niemand ernsthaft gegen eine Auslieferung von Assange an Schweden argumentieren. Es wäre allenfalls ein Skandal, wenn Schweden Assange an die USA ausliefern würde.
2
Wie wichtig/bedeutsam ist WikiLeaks?
Auf der Homepage von Lineto heisst es, dass WikiLeaks eine der wichtigsten Websites ist, die zur Zeit online ist. Angesichts dessen, was WikiLeaks bislang veröffentlicht hat, ist es zweifelhaft, ob eine solche Aussage wirklich haltbar ist oder nicht vielmehr Ausdruck der weltweit aufgeputschten Diskussion. Es ist viel zu früh, eine Aussage über die Bedeutung von Wikileaks zu machen, weil noch überhaupt nicht abzuschätzen ist, was die Folgen der Veröffentlichung von "CableGate" sein werden.
Aber: WikiLeaks ist im Moment sehr wichtig als Symbol für freie Meinungsäusserung und die Art und Weise, wie wir im Westen unsere ureigenen Werte mit Füßen treten. Viel enthüllender, bloßstellender und peinlicher als der INHALT der Cables ist die REAKTION der USA (und anderer Länder) im Anschluss auf die Enthüllung. Der Erfolg ist nicht, die Cables veröffentlicht zu haben, sondern diese Reaktion provoziert zu haben. Aber auch das ist nicht neu und wurde schon früher schon an vielen Stellen deutlich und enthüllt: Wir im Westen sind nicht notwendigerweise die "Guten" - wer hätte das gedacht?
3
Inwiefern laufen WikiLeaks und deren Unterstützer Gefahr missbraucht und manipuliert zu werden?
Israel ist glücklich mit den Enthüllungen - Russland nicht. Dementsprechend fallen die Reaktionen aus. Laut Russlands Präsident Medjedew zeigen die Cables "den zynischen Charakter der Aussenpolitik der USA" - und das aus dem Mund eines russischen Präsidenten! Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr. Es ist nur eine Frage der Zeit bis sich die Geheimdienste darauf besinnen werden, WikiLeaks zu benutzen anstatt es zu bekämpfen. Die Arbeitsweise von WikiLeaks macht die Website extrem anfällig für Betrug und Manipulation. WikiLeaks behauptet zwar, die Echtheit von veröffentlichten Dokumenten zu verifizieren - das klingt bei 250.000 veröffentlichten Dokumenten nicht besonders galubwürdig - und: auch Fälscher sollen gute Methoden haben.
Im Jahr 2000 haben viele Menschen geglaubt, dass mit der DotCom-Economy eine neue Wirtschaft begonnen hätte und die alten Regeln nicht mehr gelten würden. Nun glauben viele Menschen, dass mit WikiLeaks neue Regeln in den Medien aufgestellt würden, die die politischen Verhältnisse wandeln würden.
Für eine solche Einschätzung ist allergrößte Skepsis angebracht.
Ich glaube an keinen heilsbringenden Messias der Wahrheit und Transparenz in Form einer Website.
Ich glaube auch nicht, dass wir unbedingt WikiLeaks verteidigen müssen.
Ich glaube aber sehr wohl, dass unsere Freiheit in Gefahr ist und dass die größten Feinde der Freiheit mitten unter uns sitzen. Vor diesen Feinden müssen wir uns schützen.
Mark
Ich bin weder gegen Assange – noch gegen die USA. Ich empfinde die pauschale Parteiergreifung vieler für nicht richtig! Das Thema muss von allen Seiten betrachtet werden.
ANJAG
Abgesehen davon auf welcher Seite man bezüglich Wikileaks steht, setzt Daniel mit seiner Initiative ein Zeichen. Anstatt einer weiteren Portolio Show zeigt er an einem ganz konkreten Projekt, dass Designer-Sein bedeutet gesellschaftliche Verantwortung zu tragen, dass es Zeit ist Position zu beziehen, kritisch zu sein und in Aktion zu treten. Interessant finde ich, dass er einen transparenten Einblick gewährt in Metahavens Design- und Recherche Prozess.
Siehe auch seinen Vortrag auf dem Symposium "I Don't Know Where I'm Going But I Want To Be There" in Amsterdam:
http://vimeo.com/18088132
und:
http://www.nytimes.com/2011/01/16/magazine/16fob-consumed-t.html?_r=1&re...
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