Bei einem Besuch in Genua durfte ich im Plakatarchiv einer traditionsreichen Kulturinstitution der Stadt, der Villa Croce, wühlen. Dabei fanden sich so manche kleine Zeitzeugen der typografischen Kultur aus der Zeit Ende 70er, Anfang 80er.
Inwieweit dies für andere Länder Europas repräsentativ war oder ob Italien in diesem Punkt ca. 10–15 Jahre hinter Deutschland und der Schweiz lag, sei mal dahin- und somit zur Diskussion gestellt.
Hoffe, ihr habt auch Spaß damit.
(Danke, Elena)

Visuelle Schrift in Genua

Post-its (oder: Merkzettel)

Formationskurse für Erwachsene

Polnische Avantgarde

Deutsche Grafik in der 80ern

Gesammelte Poster von Michele Spere

In Abeit (oder: Baustelle)

Europäische Museen im Gespräch

Moderne jugoslavische Kunst
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Michael
am besten gefällt mir die farbliche gestaltung im regal :)
Gast
Sieht mir stark nach Schweizer Typografie aus. Nur nicht ganz so gut ;)
lars
sind die plakte mit bleisatz gedruckt worden?
heute würde der enorm hohe anteil an freiraum zum überzeichnen und spryen einladen. (ein unbedingt zu vermeidendes gestaltungsmittel bei wahlplakten - bloß kein freiraum, keine weiße fläche!)
besonders schön finde ich das letzte schwarze plakat bei dem die spannung wundervoll einfach inszeniert ist: nicht nur, dass die typo im extrem oberen eck in einer relativ kleinen schriftgröße sitzt, sondern die unteren bögen zu den geraden beschleunigung, weiterführung und bewegung ausdrücken. wunderbare kunst der reduktion. im vergleich ist das "garfik der 80er jahre brd" schnöde bis langweilig.
Bernie
Ist ein bisschen arg reduziert.
Gast
gefällt mir gut und was am meisten rausstich (auch gerad im Kontext der Meire Diskussion. Weißraum wird von mündigen Lesern als Designgeste gelesen + womit er sicher recht hat).
Viele ältere Plakate schaffen es, en weißraum umzudrehen. Er spricht nicht von Designgeste sondern von amateurismus. herausgehoben sei die auf 45° gestellte typoplakat geschichte!
schwest*er
der akt des reduzierens alleine ist keine kunst, intelligentes und auf den punkt gebrachtes reduzieren ohne informationsverlust schon. mein favorit ist das erste plakat: Scrittura visuale a Genova. ein komma als G, das angepasste halbierte versal-s und alles optisch noch fein ausgeglichen – molto bello!
schwest*er
was die titel der poster bedeuten. ob gestaltung funktioniert oder nicht kann man doch erst bewerten, wenn man weiß, welche botschaft transportiert werden soll. erst dann kann man über weißräume und reduktion sowie ihren sinn sprechen. also, hier die übersetzten themen der plakate:
01 _ visuelle schrift in genua
02 _ post-its (oder: merkzettel)
03 _ formationskurse für erwachsene
04 _ polnische avanguarde
05 _ deutsche grafik in der 80ern
06 _ gesammelte poster von michele spere
07 _ in arbeit (oder: baustelle)
08 _ europäische museen im gespräch
09 _ moderne jugoslavische kunst
Gast
ich muss die plakate gar nicht unbedingt (in wörtern verstehen). ich verstehe sie visuell (oder bilde es mir ein). das reicht.
CHR15
… und natürlich lassen sich manche plakatbotschaften nur über die sprache dekodieren.
nicht alle, nicht immer, nicht überall – aber um diese einordnung vornehmen zu können, muss man nunmal die bedeutung der worte kennen. da gibt es doch gar nichts zu diskutieren.
das erste plakat als beispiel: weiss der betrachter nicht, es geht um SCHRIFT und GENUA, kann er sich die (geniale) formale lösung nicht erschließen. da kann er noch so visuell intelligent oder formal- und kulturempathisch sein (ganz davon abgesehen, dass es viele auch nicht dekodieren können, wenn sie um den kontext wissen).
michael, ja, ich bekenne …
lars, leider nur offset …
kai
sehr schön! die plakate gefallen mir sehr. idee und grafische wirkung sind eng beeinander...so solls sein!
chris...lang nix mehr gehört!
nora
wie schön ... mal wieder ungesehenes zu betrachten. bei all dem visuellen overkill den man sonst so zu sehen bekommt, bin ich ja ab und zu schon ganz dankbar, dass es auch noch gestaltung dieser art gibt. Und wie wir wissen, ist dies ja nur scheinbar alt ... das gab es vor den 80-ern und auch heute wieder. Interessant finde ich dann auch die tatsache, dass parallel zu dieser zeit in italien im bereich produkt design eine ganz andere strömung in bewegung geriet: im februar 81 gründete ettore sottsass die gruppe memphis, die weit über ein jahrzehnt hinaus die produktwelten wesentlich beeinflusste.
Bernd Kuchenbeiser
Liebe Elena, liebe Leute,
ich muss Euch enttäuschen - diese Plakate können kaum stellvertretend für die italienische Plakatgestaltung stehen sind sie doch fast ausnahmslos (bei 4 und 5 bin ich nicht sicher) von einem Mann gestaltet, der vielleicht die italienische Avantgarde angeführt hat - nicht nur in Typografie und Plakatgestaltung übrigens - aber nie die Beachtung gefunden hat, die ihm zustehen würde:
A.G. Fronzoni.
Fronzoni hat den Begriff des Gestalters sehr umfassend verstanden, und nicht nur im bereich der visuellen Gestaltung grossartiges geleistet, sondern auch in den Bereichen Architektur, Innenarchitektur, Produkt- und Ausstellungsdesign. Reduktion und Subtraktion waren seine Gestaltungsmittel, radikal seine Entwürfe – fast ausnahmslos in Schwarzweiss.
Die hier gezeigten Arbeiten sind während einer Legislatur-Periode entstanden, in der Fronzoni, beauftragt von der damals regierenden linken Stadtverwaltung 3 Jahre lang alle künstlerischen Veranstaltungen der Stadt Genua kuratiert und typografisch in Szene gesetzt hat.
Nach einem kleinen Buch, das 1996 im Verlag Lars Müller erschienen ist, (A.G. Fronzoni - Man hielt mich für verrückt, doch mal ließ mich gewähren - hier und da findet man ein Exemplar antiquarisch) und das u.a. von mir herausgegeben und gestaltet wurde bereiten wir seit einigen Jahren eine große Monografie über A.G. Fronzoni vor, die nun endlich 2008 erscheinen soll.
Über neugierige E-Mails zum Thema und Newsletterwünsche freue ich mich.
Bernd Kuchenbeiser
info(at)kuchenbeiser.de
CHR15
bernd, das sind ja großartige informationen – vielen dank dafür. es freut mich, dass ich unbewusst etwas raum für fronzonis werk schaffen konnte.
wird die monografie wieder bei lars müller publishers erscheinen?
hab kurz einige infos recherchiert:
– Angiolo Giuseppe Fronzoni, geb. 1923 in pistoia
– autodidakt; grafik-designer, architekt, produkt-designer, lehrer, verleger)
– gründet, gestaltet und verlegt das magazin PUNTA 18 jahre lang
– 1965 mitherausgeber und gestalter von CASABELLA
– 1966 Restaurierung des palazzo balbi, genua
– 1975 gründung und leitung des istituto di communicazione visiva, mailand
– 1982 gründung eigener gestaltungsschule, mailand
– ausstellungen in mailand, london, new york, buenos aires, turin, brno
Gast
Brav gegoogelt, chris!
CHR15
das buch heisst:
TYPO – WANN, WER, WIE – könemann verlag
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