TYPO Berlin Tag 2: Ruedi Baur, 12 Uhr / Die Schrift, Inhalt, Ort und Zweck: eine Dauerbeziehung

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Wie schön, Ruedi Baur hält einen Vortrag zu »sustain«, kündigt der Moderator an und klingt dabei freudig überrascht. Normalerweise bekommt man doch von ihm Dinge, die anders sind, als man eigentlich dachte.

Ruedi Baur beginnt seinen Vortrag dann auch mit den Worten: Das Thema, das sie uns hier anbieten, ist kein Geschenk. Aber es hat ihn nicht losgelassen, er wird über »sustain« sprechen und wer Bilder von seinen Arbeiten erwartet hat, der wird enttäuscht sein und könnte ruhig gehen.

Nachhaltigkeit birgt Widersprüche in sich. Im Kapitalismus geht es um Effizienzsteigerung, die Moderne ersetzt Altes durch Neues, all das ist nicht nachhaltig.

Und was ist typografische Nachhaltigkeit? Freude an der Arbeit, eine gewisse Dauerhaftigkeit der Objekte, ein gewisser Zeitraum der Benutzung. Gestaltete Dinge müssen sich visuell so darstellen, wie lang sie leben. Wenn sie kurz leben, sollte man genau das sehen, so wie sie sind. Genau das Gegenteil sah Baur bei der Architektur der Schweizer Expo, sie schien auf 30 Jahre Lebensdauer angelegt zu sein, sehr erschreckend!

Ein Vortrag ohne Bilder ist wie eine Mahlzeit ohne Fleisch, sagt Baur und zeigt uns dann doch Projekte. 

Ein guter Tag hat 100 Punkte, ein Nachhaltigkeits-Projekt des Berliner Studios. Aber selbst ein Radfahrer, der sich vegetarisch ernährt und auf wenigen Quadratmetern wohnt, kommt nicht mal in die Nähe der 100 Punkte. Das Fazit aus diesem Projekt: Nachhaltigkeit ist nicht nur Bürgersache, sondern eine kollektive Sache. Es müssen von der Politik und Industrie Angebote gemacht werden, sodass der Bürger auf 100 Punkte kommen kann. Im gegenwärtigen System ist das unmöglich. Leider wurde dieser Gedanke von der Politik abgelehnt und es gab nur eine moralische Kampagne, die dem Bürger sagte, du musst das und jenes machen. Sehr enttäuschend für Ruedi Baur.

Wir wissen, dass wir einfacher leben müssen, aber der Konsum hindert uns daran.

Wir sind keine perfekte Ingenieursgesellschaft, wir müssen eine schöne Gesellschaft werden, mit Freude, Euphorie, nichts muss perfekt sein. 

Berlin braucht keinen entpersonalisierten, unästhetischen, perfekten neuen Flughafen, Tegel muss bleiben!

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