TYPO Berlin Tag 3: Nadine Chahine, 17 Uhr / Dialog mit dem Nahen Osten

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Dialog zwischen den Kulturen ist eine Herzensangelegenheit für Nadine Chahine. Die gebürtige Libanesin ist Schriftgestalterin und die Expertin für das Arabische bei Linotype.

Zuerst räumt sie auf mit allen Klischees, wie lustig, dass immer alle nur an Kamele, Wüste und Sand denken, wenn es um den arabischen Raum geht, dabei ist diese Region doch so unglaublich vielfältig. In Dubai ist alles im Superlativ, riesige Gebäude usw. Dubai ist Konsum, Shopping, sehr westlich orientiert. Yemen ist traditionell, Beirut ist Party. Die arabische Gesellschaft ist wie eine Zwiebel, immer wieder entdeckt man neue Seiten. Die westlichen Medien allerdings haben eine bestimmte Erwartungshaltung an die arabische Gesellschaft und zeigen auch nur das, was diesem Klischeebild entspricht. Das kritisiert Nadine Chahine vehement. Auch in der arabischen Region hat jeder eine Familie und will ein schönes Leben, darin gleichen wir uns alle.

Kalligrafie ist eine sehr angesehene wertvolle arabische Kunst, sie ist unglaublich facettenreich, es gibt unzählige Alternates. Es gibt zwei Stile im Arabischen, den »manuscript style«, diese Zeichen sind statisch und streng, und es gibt den »modern style«, der ligaturenartiger funktioniert und sehr dynamisch ist. Nadine Chahine kombiniert beide Stile in ihren Schriftentwürfen.

Zuerst zeigt sie ein Redesign einer arabischen Tageszeitung, es folgt die Schrift Koufiya, die im Lateinischen und Arabischen identisch in Harmonie und Rhythmus sind. Desweiteren die Frutiger Arabic, die genau wie die Frutiger luftig wirkt, zwar nicht im gleichen Rhythmus läuft, aber eine sehr seriöse Ausstrahlung hat, sodass Dubai Airport und diverse Banken diese Schrift verwenden. Die Univers Arabic besitzt auch die Neutralität der Univers, die Palatino Arabic allerdings weicht stark von der Palatino ab, denn oberstes Gebot ist die Funktionalität. Die Palatino Arabic ist eine Buchschrift und muss vor allem in großen Mengen gut lesbar sein, während die vorher genannten Headlineschriften sind, in großer Menge das Auge schnell ermüden lassen.

Nadine Chahine schwärmt von der Shilia, kein Entwurf von ihr, aber eine Schrift mit unendlich vielen Variationen und Parametern, man kann sich richtig austoben, wenn man mit dieser Schrift arbeitet.

Sie betont: »typography is the voice«. Und die Stimme bleibt gleich egal in welcher Sprache man spricht, das ist ihre Maxime beim Entwickeln der arabischen Versionen von Schriften.

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