Typo London - Tag Zwei / Lawrence Weiner, Neville Brody und Impressionen

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Unsere Highlights des zweiten Tages der TYPO London waren die Vorträge von Lawrence Weiner und Neville Brody.

Als heute Lawrence Weiner die Bühne betrat, wurde es ganz schön still im Publikum. Er verzichtete vollkommen auf visuelle Unterstützung, stand ganz alleine auf der Bühne und beeindruckte den Saal allein mit seinen Worten. “I'm not sure why I'm here!”, mit diesen Worten begann er seine Rede. Damit wollte er ansprechen, was er als Künstler an einer Design-Konferenz zu suchen hätte. Die Beziehung zwischen Design und Kunst zog einen roten Faden durch seine Rede. Zu Beginn ist eine grosse Distanz zwischen diesen zwei Begriffen, die aber während seiner Rede immer kleiner wird. Dies kann auch chronologisch auf sein Leben zurückgeführt werden. Zu Beginn seiner künstlerischen Karriere war für ihn die Beziehung zwischen Künstler und Designer nicht existent. Die einzige Relation die er fand war, dass die Designer immer sehr nett zu ihm gewesen seien. Es war erst später, als er anfing seine eigenen Plakate zu entwerfen, als er einen gewissen Respekt und Sinn für Design bei sich selbst entdeckte. Zu dieser Zeit war er ein grosser Fan der Franklin Gothic (Extra Condensed) und als er begriff, dass er die eine Schrift nicht für alles anwenden konnte, sah er es als einzige Alternative, eine eigen Schrift zu entwerfen. Je länger er sprach, desto mehr konnte man eine gewisse Ehrfurcht im Zuschauerraum spüren. Er kam auf die Definition von Kunst zu sprechen. Für ihn kann Kunst auch etwas sein, was gar nicht realisiert wurde. Schon alleine die sprachliche Beschreibung eines Konzeptes könne Kunst sein. “Art is made from Anger” und sie sei vor allem dazu da herauszufinden "how you can bring your self to be albe to make your life function". Er ist sich auch durchaus der grossen Verantwortung bewusst, die er als Künstler mit sich trägt, und macht sich viele Gedanken darüber, wie seine Arbeit das Leben der Leute in der Gesellschaft beeinflusst. Heute sagt er sogar, Design sei politisch gleichbedeutend wie Kunst. Nichts desto trotz konnte man immer eine leise Kritik gegenüber Design, vor allem kommerziellem Design, in seiner Stimme hören. Er beendete seinen Vortrag mit den Worten: “My goal is not to fuck up their day. It's to fuck up their whole life”.

Neville Brody setzte den Fokus seiner Rede auf experimentelles Arbeiten mit Typografie im Zusammenhang mit dem Re-launch von FUSE und Beispielen einiger seiner aktuellen Arbeiten. FUSE ist ein Magazin Projekt der späten 80er das für den spielerischen Umgang mit digitaler Typographie bekannt geworden ist. Bis in den frühen 90er Jahren entstanden 18 Magazine, aus denen Brody jetzt das Buch FUSE 1-20 zusammenstellt. Dafür ergänzte er die Magazine mit den Ausgaben 19 und 20. Dieses überwiegend kuratorische Projekt war dazu bestimmt, Grenzen zu durchbrechen und mit experimentellen Mitteln neue Wege zu finden. Die Magazine befassen sich mit experimenteller Schriftgestaltung, welches so weit an die Grenze getrieben wurde, bis gar keine richtige Schrift mehr gestaltet wurde, sondern nur noch abstrakte Formen der Typografie annahm. Die Sammlung stellt 200 unterschiedliche Typefaces vor, von verschiedenen namhaften Designern wie Cornel Windlin, Erik Spiekermann, David Carson und Gerard Unger. Das Wiederaufkommen des Experimentierens, der Verspieltheit und das Brechen von Regeln erklärt Brody sich durch die aktuellen Vorgänge unserer Zeit. Er sprach über sehr politische Themen wie die London Riots. Die grosse Trennung von Arm und Reich in England brachte ihn zu der Aussage: “the government makes me so fucking angry”. Er sehnt sich nach einem “Western Spring” in Anspielung auf den arabischen Frühling. Er glaubt fest an eine “knowledge and cultural Revolution” angetrieben durch die Fortschritte der Technologie. Er sprach auch noch kurz seine Antipathie gegenüber dem Postmodernismus an, wobei ich mir ein Grinsen nicht verkneifen konnte. War ich doch erst letzte Woche im V&A in der aktuellen Ausstellung Postmodernism, wo unter anderem Neville Brodys Plakate gezeigt werden.

Impressionen:

Gast

Dieses Zitat von Ken Olsen wurde aus dem Kontext gerissen. Er bezog sich damals auf Computer, die das Haus steuern – mit automatischen Türen etc. Er hatte selbst einen Computer zuhause.

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