TYPO Tag 2, Roger Law, 19 Uhr / Die Kunst des Diebstahls (Originalität ist eine Illusion)

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Roger Law ist ein britischer Künstler, der einst die satirischen Puppen für die Fernsehsendung „Spitting Image“ erschuf. Vor allem Margaret Thatcher und Ronald Reagan waren beliebte und oft karikierte Figuren. Zuvor zeichnete er Comic Strips für britische Zeitungen und beginnt auch an dieser Stelle mit seinem Vortrag, bei dem er uns offenbaren will, woher seine Ideen kommen, wo er sich bedient, geklaut und abgekupfert hat.

Roger Law hat seine Helden. James Gillray, ein britischer Karikaturist im 19. Jahrhundert, ist vermutlich der für ihn bedeutendste. Er vergleicht 3 Karikaturen: die von Gillray, seine eigene Version und die Version von Steve Bell, dem Cartoonist des Guardian. Law ist davon überzeugt, dass Gillrays Zeichnungen so brillant waren, dass er von jeder Generation wiederentdeckt und als Inspiration genutzt wird. 

Es ist ein Prinzip der Satire, Widersprüche miteinander zu verknüpfen und dadurch Schwächen umso deutlicher hervortreten zu lassen, die Überzeichnung, die Übertreibung. Das funktioniert unter anderem aber nur, gerade weil das Original gesellschaftlich verankert ist, wie man am Beispiel des Abendmahls deutlich sieht, Roger Laws Version „Margaret´s Last Supper“.

Als die Satiresendung eingestellt wird, entscheidet sich auch Roger Law für einen radikalen Schritt, er geht nach Australien, er nennt es „I transported myself to Australia.“ 

Keramik und vor allem feines Porzellan hatte er schon länger im Blick, die Haltbarkeit des Materials faszinierte ihn sehr. Es gab z.B. einen Ronald-Reagan-Coffee-Pot. 

Er reist in Australien umher und geht neue Wege, lässt sich von Lebewesen aus dem Meer, der Natur also, inspirieren, beispielsweise vom „mudskipper“ (Schlammspringer), ein Wesen voller Leben und Vielfalt. Hierbei trifft er auf die unglaublich detailreichen naturwissenschaftlichen Zeichnungen von Ernst Haeckel, dem deutschen Meeresbiologen aus dem 19. Jahrhundert. 

Mit seiner Faszination für Porzellan landet auch in der Porzellanstadt Jingdezhen in China. Normalerweise wird dort Massenkeramik produziert, nur so können die Familien davon leben. Der künstlerische Zugang zum Material ist ihnen fremd, Roger Law gelingt es dennoch eine junge Familie von seinen Einzelstücken zu überzeugen. Sodass er heute zwischen China und Australien pendelt und begeistert in diese andere Welt eintaucht.

Letztendlich ist es so, sagt er, wenn du zeichnen kannst, kannst du alles machen, was du willst, „Only the sky is the limit“.

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