Unwetter – Video- und Soundinstallationen / Akademie der Künste, Berlin – bis 20. Juni 2010

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Ascheregen, Flug gestrichen – also nichts wie auf zu Fuss zum regionalen Gemüse. Die Sound- und Videoinstallationen von Unwetter bewiesen zum Auftakt perfektes Timing und liefern die Handlungsanweisungen gleich mit.

„In einer akustischen und visuellen Zusammenschau aus Sinneseindrücken kulminieren die Kräfte der Natur aus der ganzen Welt in einer Installation auf elf Leinwänden. Die Black Box als isolierter Ort in den Untergeschossen der Akademie der Künste betont die Radikalität der klimatischen Veränderungen, die uns alle betreffen.“ (Pressetext)

Einer Einladung der Kollegen der edition 8 folgend, die die Veranstaltung mit Medienarbeit unterstützt haben, läuft man als alter Westberliner zunächst mal bei der Hauptdependance der Akademie der Künste sowie Ort der übergreifenden Ausstellung »Wiederkehr der Landschaft« auf (Hanseatenweg in Tiergarten), dabei liegt die Black Box der Akademie der Künste am Pariser Platz zwischen Brandenburger Tor und Adlon, in Mitte. Damn. Eh schon spät dran. Also auf durch die Landschaft, mit Flyer und guten Ratschlägen versehen (… hat schon lange angefangen, wahrscheinlich schon vorbei, jaja) weiter Richtung Brandenburger Tor. Schließlich angekommen, wird es im Kellergeschoss aber sofort ausreichend radikal für die Katastrophe. 12 Installationen simultan in einem Raum sorgen vor allem für ein akustisches Armageddon (hörte ich da von der Stirnseite ein »keep on moving dont stop now« raus oder war es nur der Tinnitus) und die Bereitschaft, den Raum bald mit den mittlerweile gesichteten Kolleginnen nach intensiverer Betrachtung von zwei, drei Installationen in Richtung Lounge im 4. Stock zu verlassen.

Empfangen wird man vom Video von Guido van der Werve, das an die Stirnseite des in Sichtbeton gehaltenen Raumes projiziert wird. Dort folgt ein Eisbrecher in gemächlichem Tempo einem Flaneur. »Nummer acht: Everything is going to be alright« scheint die allgegenwärtige Bedrohung in eine Vertrauensfrage umzuwandeln.

Simon Faithfull, der auch anschliessend in der Lounge zugegen ist, hat eine ehemalige Walfangstation in der Stromness Bay, in gutem Konservierungszustand an der Nordküste Südgeorgiens im Südatlantik gelegen, und ihre Aneignung durch Wildtiere dokumentiert – der Effekt der Belebung einer sedierten Geisterstadt durch Walrosse und Rentiere wirkt surreal, könnte aber auch nach einem Drehbuch von Franz Kafka angelegt sein. Eine Arbeit, die mehr wie ein Kurzfilm funktioniert – würde ich mir auch noch mal ansehen.

Das auf den Boden projizierte Video von Laura Glusman zeigt die Künsterin, die gegen den Strom des Rio Panara anschwimmt. »Hier geht es ums Überleben« – indeed: »sharks patrol this water, sharks patrol this water. don't you worry about the dayglo-orange life preserver, it wont save you, it wont save you, swim for the shore as fast as you are able, swim« von Morphine's Mark Sandman (R.I.P.) fällt mir da ein – zumindest kehrt Orange auch im Unwetter-Flyer der Kollegen von fernkopie wieder. Allerdings kein dayglo. Schade eigentlich.

Dass die aftershow Party nicht ausufert, liegt am Wetter – es sieht nach Regen aus – der DJ hat schon aufgebaut – die drei Kolleginnen sind auch mit Fahrrad da, Friedrichshain, Kreuzberg, Neukölln sind weit … Matthias, Grafiker, will noch zum Tanzen. Die Schwierigkeiten beim Bierabstellen liegen dann auch eher am kannellierten Designertisch und der schummrigen Beleuchtung – hat das geklirrt – aber beruhigend auf dem Heimweg zu wissen, egal ob man sie in die Antarktis schickt, ob man sie mit Videokameras bewaffnet oder mit der Klimakatastrophe beschäftigtt, Künstler immer wieder das tun was sie am besten können: von der conditio humana berichten.

Gast

Sieht aber die Bilder irgendwie interessant aus.

hans schumacher

aber definitiv … falls das vielleicht nicht ganz so rüberkommt, ansehen wenn man die Gelegenheit dazu hat – das Simon Faithfull Video würd ich mir gerne noch mal ansehen, die Präsentation fand ich sagen wir mal gewöhnungsbedürftig und um den Sound einzelner Installationen zu würdigen eher abträglich. Im Sinne der Gesamtaussage aber definitiv gelungen ;-)

man mache sich sein eigenes Bild – und der Eisbrecher war ganz gross.

(sorry für den Berufsironiker: kommt davon wenn man zwischen den Georg Kreisler Everblacks, der Alfred Kubin Gesamtausgabe, dem Hieronymus Bosch Katalog und Doré's Historie vom heiligen Russland aufwachsen muss. Cheers.)

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