Interviews

Visual Diversity Sri Lanka / Designreport von Patrick Mariathasan und Marvin Hüttermann

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Visual Diversity Sri Lanka beschäftigt sich mit den Ursprüngen und aktuellen Facetten der kreativen Landschaft Sri Lankas. Vorgestellt werden Hauptakteure, ihr Schaffen und ihre Motivation. Designreports sind Teil einer weltweiten Agenda mit dem Ziel internationale Strömungen, Ausprägungen und Unterschiede im Design zusammenzutragen und aufzuzeigen. Mit »Visual Diversity Sri Lanka« wird nun ein Designreport über die südasiatische Republik Sri Lanka veröffentlicht.

 

Das Projekt beschäftigt sich sowohl mit den Ursprüngen als auch mit den aktuellen Facetten der kreativen Landschaft Sri Lankas. Vorgestellt werden Hauptakteure, ihr Schaffen und ihre Motivation. Die in dem Report enthaltenen Informationen werden in Form von Texten, Interviews und ausgewählten Arbeitsbeispielen der vorgestellten Designer, Künstler, Fotografen, Illustratoren und Architekten dokumentiert. 

 

Während eines einmonatigen Aufenthaltes auf der Insel wurde vor Ort Kontakt zu 27 renommierten Kreativen des Landes hergestellt. Das gesammelte Material – die Interviews und dokumentarische Eindrücke des Landes – wurden fotografisch sowie filmisch festgehalten.

Als Resultat der Arbeit entstand ein Buch, welches dem Betrachter einen tiefgehenden Einblick in die Geschichte und die Gegenwart der visuellen Vielfalt Sri Lankas ermöglicht.

 

Wir haben Marvin und Patrick ein paar Fragen zur Arbeit gestellt:
Ihr seid nach Sri Lanka gereist, um die aktuellen Verhältnisse der Kunst- und Design-Szene zu studieren. Was hat euch an Sri Lanka am meisten beeindruckt? Wie seid ihr dort empfangen worden?

Am meisten hat uns wohl die Gelassenheit der Menschen allgemein und ihre Freude an Farbe beeindruckt: Die alltäglichen Gegensätze in der Bevölkerung und der Landschaft, die Einfachheit und der Reichtum an Kultur und Geschichte. Und zwischendurch begegneten uns immer wieder Werke, egal ob Bauten, Malereien, Grafiken oder Fotografien von einer Qualität, die unsere Erwartungen übertroffen und die Arbeit an dem Projekt befeuert haben. Und wir haben definitiv nicht alles gesehen. Hatten wir den Kontakt erst einmal hergestellt und uns verabredet wurden wir meist sehr herzlich empfangen. Der Weg dahin erforderte an manchen stellen aber doch überraschend viel Glück, Diplomatie und Kalkül.

 

Ihr habt sowohl mit Designstudenten als auch mit Stars der Szene Gespräche führen können. Vermutlich steckt jede Menge Organisation hinter der Reise. Wie seid ihr vorgegangen?

Bei unserer Abreise wussten wir nicht was uns erwartet – unser Notfallplan wäre ein Fotobuch über Sri Lanka gewesen. Wir hatten zuvor über das Internet versucht Kreative zu finden und Kontakte herzustellen, was aber erfolglos blieb. Glücklicherweise fiel die Colombo Art Biennale in den von uns vorgesehenen Zeitraum der Reise, weswegen wir schnell 250 Handouts mit Projektdefinitionen und Kontaktdaten anfertigten und den Beginn der Reise auf den Start der Colombo Art Biennale legten. Mit zwei Kameras, zwei Laptops unzähligen Objektiven, Stativen, Fotohintergründen und einem Scanner im Gepäck ging es dann los. Wir sind dann vor Ort direkt bei der Pressekonferenz zur Eröffnung aufgetaucht, haben uns vorgestellt und fleißig Handouts verteilt. Ab da lief dann alles über Mundpropaganda gemischt mit einer gesunden Prise Hartnäckigkeit und Motivation. Kommuniziert wurde mit dem Handy und über Emails, die wir Abends in Gesellschaft von unzähligen Moskitos verschickten und Morgens wieder lesen und beantworten konnten. Die Zeit in Sri Lanka läuft anders – terminliche Absprachen waren schwierig und wir mussten sehr spontan sein. Gereist sind wir ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus, Zug und Tuk Tuk, was zu dem einen oder anderen Abenteuer geführt hat. Unsere Tage gingen meist von 6.30 Uhr morgens bis 1.00 Uhr Nachts. Etwas Ruhe brachte die Unterkunft, die wir über unsere vierwöchigen Reise in einem Vorort von Colombo gemietet hatten. Von diesem Knotenpunkt aus bereisten wir die Insel.

 

Könnt ihr uns einen kleinen Einblick in eure Ergebnisse der Reise geben? Wie setzt sich die Szene dort zusammen? Was habt ihr darüber in Erfahrung bringen können? Mit welchen Erfahrungen seid ihr zurück gekommen?

Ziel unseres Reports und mit ein Grund warum wir den Namen von Designreport in Visual Diversity änderten, war, soviel wie möglich von der visuellen Kultur Sri Lankas aufzugreifen und aufzuzeigen. Das hat ganz gut funktioniert und so haben wir ein breites Repertoire an kreativen Tätigkeiten kennenlernen können. Eigentlich gibt es dort wie bei uns Alles. Uns ist keine kreative Tätigkeit bekannt, die wir dort nicht auch finden konnten, oder von deren Vertretern uns nicht berichtet wurde. Hinzu kommen Sri Lanka spezifische Bereiche wie die Batik oder beispielsweise die Schildermaler. Hinzu kommt, dass in Sri Lanka alle Weltreligionen sehr präsent sind. Weshalb wir beispielsweise auch mit Mönchen und Wissenschaftlern über alte Tempelmalereien gesprochen haben. Neben Englisch sind Tamil und Sinhala Amtssprachen. Gibt es Tamilen noch in Indien, findet man die Singhalesische Bevölkerung, Kultur und Sprache nur auf Sri Lanka.  

Wir haben die Szene in drei Generationen unterteilt. Es gibt die ältere Generation aus der Große Namen wie Geoffrey Bawa, Laki Senanayake, Barbara Sansoni oder Sybil Wettasinghe hervorgegangen sind. Diese Generation ist international bekannt und hat zeitlose Werke geschaffen. 

Die Treffen mit diesen »Berühmtheiten« waren sehr unterschiedlich. Geoffrey Bawa ist bereits vor einigen Jahren verstorben. Wir konnten aber seinen alten Wohnsitz und die Gärten seines Bruders besichtigen, die in der Architekturszene sehr bekannt sind. Laki Senanayake trafen wir nach einer halben Tagesreise in einer kleinen Hütte, die er sich an einem kleinen selbstgebauten Stausee im Dschungel errichtet hat. Dort arbeitet er an seinen Skulpturen und Malereien und genießt es den Vögeln zuzuhören. Sybil Wettasinghe trafen wir in einer kleinen bescheiden Wohnung in Colombo, wo sie uns aus ihrer Kindheit in einem kleinen Dorf berichtete und wie dies ihre unzähligen illustrierten Kinderbücher beeinflusste. 

Dann gibt es die Generation ihrer Schüler oder Kinder. Menschen die mit diesen Namen aufgewachsen sind und darauf aufbauen konnten. Auch sie sind Größen in ihrem Bereich und bekannte Namen in Sri Lanka und sie haben noch aktiven Einfluss auf die Szene. Zu ihnen zählen wir beispielsweise den Architekten Chelvadurai Anjalendran oder den Fotografen und Galeriebetreiber Dominic Sansoni, dessen Bar im Zentrum der Hauptstadt zusätzlich als wichtiger Szenetreff gilt. 

Und dann gibt es die dritte Generation derer, die während des langjährigen Bürgerkrieges aus dem Land geflohen sind, im Ausland gelernt und nun wieder zurückgekehrt sind. Für uns ist das ebenso die Generation der Studenten, die nun von diesen Rückkehrern aber auch von beispielsweise zugezogenen Europäern lernen, mit dem Internet aufwachsen und durch das Ende des Krieges auch die Chance haben sich mit weniger traditionellen Berufen auseinanderzusetzen. Für uns ist die Szene sehr lebendig und sehr überschaubar und sie wächst. Die Geschwindigkeit wurde uns schon im letzten Jahr bewusst als wir Visual Diversity Sri Lanka in Kooperation mit dem Goethe-Institut auf dem Sri Lanka Design Festival vorstellen durften. Es gab neue Gesichter und mehr Wissen und Möglichkeiten. Wir sind uns nicht sicher, ob dies eine Chance oder den Verlust der eigener Identität bedeuten kann.

www.visualdiversitysrilanka.com
www.facebook.com/designreport.srilanka

Marvin Hüttermann
www.huettermann.info

Patrick Mariathasan
www.behance.net/mariathasan

Visual Diversity Sri Lanka
Report, Buch, Buchtrailer, Ausstellung

Konzept, Umsetzung, Gestaltung: Marvin Hüttermann, Patrick Mariathasan
Hochschule: Fachhochschule Düsseldorf
Betreuer: Prof. Victor Malsy, Dipl. Des. Jens Müller MA
Umfang: 560 Seiten
Format: 20 x 26 cm
Sprache: Englisch
Specials: 6 minütiger Buch-Trailer, 5 eigene Fotostrecken, diverse Sammlungen gestalteter Medien (Geld, Straßenschilder, etc.), gedruckt auf drei verschiedenen Papiersorten, 
Tropenholz-Schuber mit gelasertem Titel und eingelassener Sri-Lanka-Rupie

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