Vieles wurde schon tausendfach diskutiert. Vieles schon tausendfach gelesen.
Trozdem: der Diskurs ist immer wieder interessant!
Typotheque ist eine Fontlibrary über die wir in kürze berichten werden. Interessant u.a. auch das dortige Diskussionsforum.
Diskussionswütig ist z.B. auch Erik Spiekermann. Spiekerblog
Wer von Euch Pitcht? Unter "weiterlesen" weiterlesen, was Erik zu diesem Thema z.B. geschrieben hat. Und Diskutieren...
Einen Pitch nennt man das kostenlose Vorführen von Ideen und Entwürfen. Auf englisch bedeutet das Wort „Pech“.
Immer wieder lese ich: „...aus einem Pitch um den Etat für ... ging ... siegreich hervor...“ Wie gerät das Wort „siegreich“ dort hinein? Ein Pitch ist eine Vorstellung von Entwürfen im Wettbewerb unter mehreren Agenturen bzw Büros. Das englische Verb bezeichnet das Werfen mit dem Baseball, das englische Substantiv bedeutet schlicht Pech, und zwar das Zeug, das mit Schwefel untrennbar zusammenhält. Pech haben auch die Teilnehmer eines solchen Zufallswurfes, die leer ausgehen. Wer zum Pitch einlädt, bei dem es gewöhnlich ein Anerkennungshonorar gibt, das kaum die Kosten für die Farbdrucke deckt, meint Entscheidungshilfen zu bekommen für eine Kommunikationsaufgabe. In Wirklichkeit ist es aber so, als ginge der Auftraggeber nacheinander in mehrere Restaurants, esse von jedem Tellerchen ein wenig und erkläre anschließend, er habe jetzt keinen Hunger mehr und bezahle nichts, weil ja kein Gericht seinem Geschmack entsprach.
Wer also an einem Pitch teilnimmt, bei dem Entwürfe zu einem Bruchteil des Wertes verkauft – sprich: verschenkt – werden, den sie eigentlich wert sind, ist ein dreifacher Versager. Er versagt uns die Wertschätzung, die unsere Arbeit verdient, und er versagt sich ein angemessenes Honorar für das Wertvollste, das wir anzubieten haben: unsere Ideen und deren Visualisierung. Er versagt drittens dem Auftraggeber die Erfahrung, dass Gestaltung als Problemlösung nur im Dialog funktioniert. Für einen Pitch zu arbeiten ist wie sich zu einem Blind Date mit vielen Teilnehmern gleichzeitig zu verabreden. Wer als Auftraggeber einen Pitch veranstaltet ohne die Eingeladenen gründlich kennen gelernt zu haben, könnte genausogut Lose ziehen lassen unter den Mitgliedern eines Berufsverbandes. Wer sich hingegen mit einigen Designern über die Aufgabe ausführlich unterhält, braucht keinen Pitch mehr. Er weiss dann, wem er vertrauen kann.
Warum meinen aber immer mehr Auftraggeber, sie müssten „pitchen“ lassen und viele Designer, sie müssten teilnehmen? Weil Dummheit, Faulheit, Eitelkeit und Feigheit – die vier apokalyptischen Reiter des Gewerbes – so heftig mit den Hufen trampeln, dass der Vernunft schwarz vor Augen wird, pechschwarz.
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Heinrich
lars, guter standpunkt!
ich habe zwar auch schon ein paar mal entwürfe gemacht, ohne zu wissen ob es was wird, es war kein richtiger pitch eher eine chance für mich die sich dann doch ausgezahlt hat.
es waren aber kleine »fische«.
größere firmen die pitchen lassen haben einen unsicheren marketingentscheider, der nicht weiss was der firma gut tut.
sinnvoller wäre es vorher ein paar büros sich genauer anzuschauen und festzustellen wer der richtige wäre, das würde aber arbeit bedeuten und ein wenig erfahrung.
tja, die meisten sind aber faul und lassen sich alles »liefern«.
oft bekommen sie aber nur die fast food lösung und kein massanzug.
gut fand ich die story über c&a vor ein paar jahren, der typ fand factor design gut und hat sie beauftragt die ganzen marken und verpackungen neu zu machen, die sachen sind gut geworden, ich denke alle waren glücklich.
nike
spiekerblog ist klasse, allerdings schreibt er nich so regelmäßig. btw. http://www.underconsideration.com/speakup/ und http://typographi.com/ sind auch sehr interessant.
kai
vor kurzem hatte Ich auch noch die meinung von lars....doch:
wir waren vor kurzem so eitel, faul und dumm und haben an einem pitch teilgenommen und der faule auftraggeber entschied sich für uns.
Nun:
unsere ersten entwürfe haben ihn nicht ganz überzeugt, kein wunder, denn wie du schon richtig sagst, muss das alles im dialog passieren..tut es jetzt auch und es ist eine sehr fruchtbare zusammenarbeit.
der ausschlaggebende punkt war einfach: wir präsentierten 5 minuten ..danach unterhielten wir uns ca. 45 Minuten über unser designverständnis, problematiken beim erstellen eines CDs, erfahrungswerte mit andern agenturen...und so weiter...
Die Pitchsituation schliesst also das persönliche Gespräch nicht aus....wir hatten einen Bruchteil an grafischer Vorarbeit gegenüber den Mitbewerbern geleistet...aber im Gespräch wurde klar, von wem Sie anscheinend mehr erwarten dürfen.
die Moral von der geschicht, pauschalisieren ist nicht:
Ich denke, man hat als agentur die chance, an einem pitch teilzunehmen und gewisse regeln zu brechen um in zukunft den begriff pitch neu zu definieren....einfach nur sagen, da mach Ich nicht mit...ist destruktiv...vielleicht verstehen ja die auftraggeber nach und nach, worauf es ankommt..und irgendwann bleibt vom grossen pappenmarathon "nur" noch das persönliche gespräch übrig....unser auftraggeber hats verstanden! macht hoffnung, oder?
Lars
kurze richtig stellung: der text ist nicht von mir, sondern von erik! und der dekt sich mit meiner haltung! desshalb habe ich diesen abgedruckt.
kai
mein text ist von mir...nur mal so zur info!
CHR15
sehe es ähnlich wie kai: es muss von fall zu fall entschieden werden. helfen würde in den meisten fällen ein klärendes gespräch vorab oder zumindest ein persönliches briefing inkl. re-briefing.
genauso verhält es sich ja auch mit der teilnahme an wettbewerben, die ja oft auch nur als solche getarnt, versuchen design-anregungen von hochmotivierten büros einzuholen. das ist mieseste ausbeute und genau so asozial wie fahrrad-diebstahl.
Lars
Was sagen Architekten zu diesem Thema? Eine Berufsgruppe welche permanent an Wettbewerben teilnimmt, und das nicht mit einer Chance von 1 zu 5 sondern oft 1 zu 200?
Gast
aber Hallo sind nicht die Designer diejenigen die am lautesten nach Urheberrecht schreien?!
sollte man noch mal zur Schule gehen und richtig zittieren lernen? Ich meine schon!
danke
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