Weltformat 2015 – Impressionen / Gastbeitrag von Boris Brumnjak

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Boris Brumnjak ist Kommunikationsdesigner, Autor verschiedener Bücher zu Design bzw. Typografie und mit Leib und Seele Sammler von Plakatkunst. Wenn Ihr die neuesten Trends der Design- und Druckwelt kennenlernen wollt und die Puste für ein längeres, inspirierendes Gespräch habt, ist der passionierte Marathonläufer für Euch bereit. Für Slanted hat er sich auf derm Weltformat Festival 2015 umgesehen:

Nun schon zum siebten Mal findet in Luzern das »Weltformat Plakatfestival« statt. Während neun Tagen gibt es an diversen Standorten in der schönen Innerschweizer Stadt vielseitige und spannende Ausstellungen zu zeitgenössischer Plakatgestaltung zu sehen. Ein Fokus liegt dieses Jahr auf der Tradition von Schweizer Tourismusplakaten. Hinzu kommen mehrere Rahmenveranstaltungen wie Workshops, Symposien, ein Grafikbazar und eine Abschlussparty.

Am Samstag, 26. September, wurde das Festival mit der Eröffnung der »100 besten Plakate – Deutschland Österreich Schweiz« sowie der Bekanntgabe der Gewinnerin des diesjährigen Studentenwettbewerbs offiziell eröffnet.

Zum fünften Mal hat das Plakatfestival Weltformat einen Wettbewerb für Studierende ausgeschrieben. Das Thema: »visueller Skandal«. Frei nach dem Zitat »l’affiche est un scandale visuel« (das Plakat ist ein visueller Skandal) von Raymond Savignac sollen verschiedene Möglichkeiten zur Gewinnung von Aufmerksamkeit untersucht werden. Zu gewinnen gibt es neben des Preisgelds von 1500 Franken auch einen schweizweiten Plakataushang der APG|SGA. Von über 950 eingereichten Wettbewerbsbeiträgen von 450 Studierenden hat eine Jury unter der Leitung des Grafikers Claude Kuhn 20 verheissungsvolle Plakate für den Final nominiert. Die Gewinnerin des diesjährigen Wettbewerbs heisst Anna Demidowicz von der Uniwersytet Artystyczny Poznań in Polen. Wir gratulieren ganz herzlich!

Die Schweizer Plakatgeschichte hat quasi mit dem Tourismusplakat angefangen. Über Jahrzehnte hat das Plakat die Schweiz auf emotionale und gestalterisch maßgebende Weise nach außen repräsentiert und bis heute nichts von seiner Ausstrahlung verloren.

Statt stilvoll gestaltete Plakate wie in den vergangenen Jahrzehnten werden heute jedoch vielmehr auf Werbekonzepte und Erscheinungsbilder abgestützte Fotoplakate produziert. In dieser Ausstellung haben sich 24 renommierte Plakatgestalter/innen und 12 Studierende der Studienrichtungen Graphic Design und Illustration der Hochschule Luzern daran gewagt, frischen Wind in dieses Thema zu bringen. Sie will zeigen, dass der gestalterische Freiraum zu überraschenden und emotional stärkeren Ergebnissen führt.

 

Gleichzeitig werden in der Kunsthalle eine Auswahl von historischen Tourismusplakaten aus der umfangreichen Sammlung des Verkehrshauses präsentiert.

Die Ausstellung »Anschlag – Berlin« beleuchtet die beachtenswerte Vielfalt zeitgenössischen Plakatdesigns aus der Gestaltungsszene Berlins. Dem aktuellen Zeitgeist in der Gestaltung und insbesondere der Gestaltungsszene Berlins folgend, sind 100 Plakate von Newcomern und renommierten Designstudios wie Cyan, LSD, HeSign, EPS51, Ruddigkeit, Ariane Spanier, Fons Hickmann m23, Surface und vielen weiteren zu sehen. Kuratiert wurde die Ausstellung von den Berliner Gestaltern Fons Hickmann und Sven Lindhorst-Emme. 

Weltformat zeigt dieses Jahr exklusiv zeitgenössische Plakate aus Südkorea von sowohl etablierten als auch jungen Gestalter/innen. Deren Arbeiten fallen derzeit international auf und überzeugen durch mutige und ungewohnte Bildwelten. Die Ausstellung wurde vom Südkoreanischen Gestalter Kim Do-Yung zusammengestellt und mit dem wunderbaren Namen “Kill the fathers” betitelt.

Der Wettbewerb »100 beste Plakate – Deutschland Österreich Schweiz« ist 2014 zum 14. Mal im internationalen Massstab ausgeschrieben worden und gilt als wichtige Institution des aktuellen Plakatdesigns. Zahlreiche Grafikdesignerinnen und -designer, Studierende der Fachbereiche Grafikdesign künstlerischer Hoch- und Fachhochschulen, Agenturen, Büros sowie Auftraggeber und Druckereien beteiligen sich alljährlich. Im aktuellen Jahrgang sind dies 575 Einreicher mit über 1800 Plakaten. Weltformat zeigt diese Ausstellung bereits zum zwölften Mal exklusiv in der Schweiz.

Der Stellenwert des Züricher Kino Xenix als Spielstätte des unabhängigen und engagierten Films ist weit über die Grenzen der Zürcher Kulturlandschaft hinaus einzigartig. Ebenso ungewöhnlich und unangepasst wie das Programmkino sind die Plakate, die seit 1981 für die Filmreihen und Retrospektiven entstanden sind. Mittlerweile sind das mehr als 300 Plakate von über 120 Gestaltern, welche mal Interpretation, mal politisches Statement, mal reinen Schönheitssinn zum Ausdruck bringen. »Die Xenix-Plakate tanzen im Vergleich zu üblichen Filmplakaten aus der Reihe. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Im Grunde handelt es sich bei ihnen um Autorenplakate« so Niklaus Troxler. Die Ausstellung versammelt Highlights aus der über 30-jährigen Plakatgeschichte des Xenix, die in ihrer Summe eindrücklich die Programmarbeit des Filmclubs dokumentieren und selbst schon ein Stück Designgeschichte sind.

»Die Plakate des Fotografen und Grafikdesigners Melk Imboden sind der lebendig gebliebenen schweizerischen Tradition der Neuen Grafik verpflichtet, wie sie Josef Müller-Brockmann, Hans Neuburg, Richard Paul Lohse, Carlo Vivarelli und Max Bill in den fünfziger und sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts propagierten. Zugleich jedoch bekennt sich Melk Imboden zu einer individuellen Handschrift. Sie ist Ausdruck persönlichen Zugangs zu Inhalt und Thema einer grafischen Aufgabe. Seine Plakate fallen durch eine starke Rhythmisierung farbig akzentuierter, suggestiver Formen auf. Sie folgen in erster Linie einem konstruktivistisch orientierten Ordnungsprinzip.« Anita Kühnel, Kuratorin der Sammlung Plakat- und Reklamekunst der Kunstbibliothek, Berlin. 

Melchior Imboden ist der Gestalter unseres diesjährigen Festivalplakats. Er zeigt in seiner Ausstellung Plakate und Fotografien aus seiner Reihe »Designer Portraits«.

Zum zweiten Mal findet dieses Jahr die Weltklasse statt. In Zusammenarbeit mit der Fachklasse Grafik organisiert das Weltformat Workshops mit Gestaltern und Gerstalterinnen mit internationaler Ausstrahlung. Dieses Jahr waren das Berliner Gestalterduo Cyan zu Gast. Zusammen mit Daniela Haufe und Detlef Fiedler erarbeiteten die Teilnehmer musikalische Plakate.

Am Dienstag fand das Symposium Weltforum im leeren Pool des Neubads statt.. Nach Vorträgen des diesjährigen Festivalgestalters Melk Imboden und den Workshopleitern Cyan, fand unter der Leitung Bettina Richters ein Podiumsgespräch zum Thema Tourismusplakate statt.

Der Verein Weltformat hat sich zum Ziel gesetzt, das Medium Plakat in all seinen Facetten zu fördern. Mit zahlreichen Ausstellungen wird das Plakatdesign einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Verein ist Anfang 2010 mit dem Ziel gegründet worden, ein jährlich stattfindendes Plakatfestival mit nationaler Ausstrahlung zu veranstalten. Er löste damit den Verein Posters Lucerne ab, der in Luzern jeweils die Ausstellung der 100 besten Plakate aus dem deutschsprachigen Raum gezeigt hatte. Unterstützt wird das Plakatfestival Weltformat 15 von seinen Mitgliedern, der APG|SGA sowie weiteren Partnern.

Weitere Informationen gibt es unter:
weltform.at
www.facebook.com/weltformat

Oder Mitglied werden: plakat@weltform.at

Fotos von: Josh Schaub, Marco Sieber, Boris Brumnjak, Sara Zimmermann, Sandro Egger, Remo Stahl 

lars

Wunderbarer Bericht. 1000 Dank!
Lars

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