Marcel Günthel (24) und Philipp Bertisch (25) studieren an der Bauhaus-Universität Weimar und planen im Rahmen ihrer Diplomarbeit eine außergewöhnliche Reise. Für 10 Wochen gehen beide ab 26. Juli auf die Walz und bieten dabei kleinen und mittelständischen Unternehmen ihre Hilfe in Sachen »kreativer Unternehmensberatung« kostenlos an.

Klar, dass es gibt verschiedene Designer, die bereits auf die Walz gegangen sind (z.B. Gringo Grafico), aber der Ansatz von Marcel und Philipp ist wieder ein Neuer.

Marcel: »Wir wollen damit im Kleinen beweisen, worüber im Großen nur gesprochen wird.« Sicherlich ist es auch eine Resie, wie in dem Buch, aber inhaltlich etwas völlig anderes.

Auf ihrer Facebook-Seite wird das Projekt live dokumentiert. Start: 26. Juli! Aktuell stellen sie sich und das Thema in einem kleinen Film vor.

Wir sind gespannt!

Pressetext:
Zwei Studenten der Bauhaus-Universität Weimar, Marcel Günthel (24) und Philipp Bertisch (25) planen eine außergewöhnliche Reise. Für ihre Abschlussarbeit bedienen sich die beiden Jungdesigner der Jahrhunderte alten Tradition der Walz. Sie werden selbst eine ähnliche Reise antreten, Rituale und Bräuche der Zimmermänner interpretieren und Neue entwickeln.

Die beiden Diplomanden werden ab dem 26. Juli für 10 Wochen quer durch Deutschland reisen und kleinen und mittelständischen Unternehmen ihre Hilfe als “kreative Unternehmensberater” anbieten. Beide wollen durch dieses Projekt in die Wirtschaftswelt Deutschlands eintauchen. Philipp Bertisch erkärt genauer: “Wir wollen kein fiktives Thema als Diplom bearbeiten, sondern mit unserem Projekt etwas mit Relevanz und Nachhaltigkeit entstehen lassen.” Mittelpunkt der Arbeit ist, das gängige Bild des Designers zu erweitern und der heutigen Arbeitsrealität anzupassen – ein guter Designer muss heute nicht nur den Namen und die Lieblingsfarbe des Chefs einer Firma kennen, sondern aktiv mit dem Unternehmen zusammen arbeiten, um dafür die bestmöglichen Konzepte für Angebote, Positionierung und
Kommunikation entwickeln zu können. Deutschlands große Werbeagenturen sprechen oft und viel von “kreativer Unternehmensberatung” – müssen es aber oft dabei belassen, da ihnen aus Sicht der führenden Unternehmen die nötige Kompetenz fehlt. Marcel Günthel sieht darin nur eine Konsequenz: “Wir wollen im kleinen das umsetzen, worüber im großen nur gesprochen wird um zu beweisen, dass Kreative Unternehmen sinnvoll beraten können.”
Der Weg dahin – die Walz.

Unvorhergesehene Ziele

Um es wirklich zu einer Herausforderung für die beiden zu machen, steht ihre Reiseroute nicht fest. Von Ort zu Ort wird getrampt, das Ziel wird das selbe des jeweiligen Fahrers sein. Dadurch knüpfen die zwei Designer bereits erste Kontakte zum Umfeld ihrer neuen Station. Einmal angekommen, muss dann ein Unternehmen gefunden werden, welches bereit ist bei dem Projekt mit zu machen. Dabei haben diese einen großen Vorteil. Wie bei der Walz üblich, muss sich der Unternehmer nur um Kost und Logie kümmern. Nach einer dreitägigen Analyse- und Konzeptionsphase präsentieren die beiden Diplomanden ihre Ergebnisse und Konzeptvorschläge. Dabei steht es dem Unternehmen völlig frei, sich dafür oder dagegen zu entscheiden. Bei einem positiven Ausgang verlängert sich der Aufenthalt für die Umsetzung.
Starke Gemeinschaft Relevanz und Nachhaltigkeit sind Schlagworte mit hoher Konjunktur. Grundlage für alle Konzepte der beiden Bauhaus Studenten ist, dass ihre Lösungen für das Unternehmen als auch die Gemeinschaft ökonomisch, ökologisch und sozial sinnvoll sind. Aus Sicht der beiden müssen “Veränderungen von allen Beteiligten gelebt werden. Wenn sich etwas fremd anfühlt, macht keiner mit.” Darum wollen sie vor allem das jeweilige Umfeld des Unternehmens in ihre Arbeit einbeziehen.

Live dabei sein

Um neben den Unternehmen eine breite Öffentlichkeit zu erreichen, wird das gesamte Projekt online dokumentiert. Auf Facebook kann man sich mit “Wir gehen schon mal vor!” verlinken und wird so immer über neue Ereignisse informiert. Auch ohne eigenen Account hat man Zugriff auf diese Seite.

Gast

Nix neues.

http://www.gringografico.com
http://www.designwalz.de

Jerd

die idee finde ich ja ganz ok. klingt für mich aber nach typischem designabsolventen-enthusiasmus. wolln mal sehen wieviele unternehmen sich zeit für die aktion nehmen. naja. aber sie arbeiten ja für umme. das macht die sache ja evtl. noch attraktiv für den chef!mein tip: sucht euch lieber nen richtigen job. und fahrt vorallem nicht nach berlin.

peter p.

Aha. Na so ein neuer Ansatz... muss es denn einer sein? Nein. Ich finde es immer bemerkenswert, wenn sich jemand zu so einem Projekt durchringt. Schließlich könnte es im schlimmsten Fall in einem totalen Desaster enden. Also respekt für das Vorhaben, aber man muss nicht was "neues" reininterpretieren wo nix neues ist. Es ist ja auch nichts dagegen einzuwenden!!!

Gast

ob neu oder nicht: den hintern aus dem sessel bekommen und ins unbekannte zu fahren braucht mitunter wesentlich mehr mut, als sich gemütlich in einer agentur einzuigeln.
was ich nicht so schön finde: sie bringen den unternehmen mal wieder bei, dass designer idealisten sind, die soooo gerne gestalten, dass sie das auch umsonst machen.
die aktion ist nett, allerdings müssen die beiden auch noch ca. 40 arbeitsjahre in einem auftragsklima überleben, in dem komplette CIs für 300 euro verlangt werden.

Derya

Kostenlos finde ich weder innovativ noch kreativ sondern einfach sehr sehr dämlich und dazu noch ziemlich verantwortungslos.

Erst zwingt/verführt die Werbe- und Medienindustrie Studenten dazu, ohne Bezahlung unter dem Deckmantel eines Praktikums meistens als vollwertiger Ersatz für einen Angestellten mitzuarbeiten, dann irgendwann waren es die Absolventen, die sich ohne finanzielle Gegenleistung ausnutzen ließen. Und jetzt kommt die komplette Perversion des ganzen und gibt sich den romantischen Titel der Designwalz.

Ich bitte die beiden Teilnehmer dieser Aktion sich Gedanken darüber zu machen, was für eine Wirkung Ihre Unternehmung auf Studenten und Absolventen hat. Es entsteht der Eindruck das die Arbeit von Designern nichts wert ist oder das ein Design-Studium an einer staatlichen Hochschule nicht dazu befähigt als bezahlte Arbeitskraft in die Designkarriere einzusteigen.

Wenn die geleistete Arbeit von Marcel und Philipp keinen Wert hat, dann sollen sie das bitte für sich behalten, besser noch, ehrenamtlich Unkraut jäten gehen, aber keinen unfreiwilligen Marketingfeldzug für entgeltlose Mitarbeit von Gestaltern bestreiten.

poffertje

als "noch-studenten" ohne nennenswerte erfahrung wird ihre "beratung" doch angemessend entlohnt. mal sehen wieviele geschäftführer da die türen aufmachen und die zeit investieren. "etwas mit Relevanz und Nachhaltigkeit" ist phrasen dreschen wie die "grossen". leider nervt es auch bei denen. @slanted: aber warum postet ihr das wenn es noch keine ergebnisse gibt? dann wäre es evtl. eine meldung wert. letz see...

Gast

Also wenn ich das lese, frage ich mich ernsthaft, wie zwei Design-Studenten dazu kommen, sich "Unternehmensberater" zu nennen. Diese Selbst-Betitelung ist es im Endeffekt, die ja auch den Berufsstand des Designers ruiniert.

Unternehmensberater haben BWL mit Schwerpunkt Marketing studiert.
Designer entqeder Grafik-, Kommunikationsdesign, VK oder was auch immer.

Jeden Gestalter regt es doch auf, dass sich die Druckbude um die Ecke "Mediendesign XY" nennt, obwohl dort nur ein umgeschulter Fernfahrer sein Corel Draw anschmeißt.

Ein bissl mehr Respekt vor der "anderen" Berufsgruppe würde diesem Projekt nicht schaden.

Gast

»hallo, wir gehen auf die walz, um sie zu beraten, wie sie auf neue ideen kommen. richtig, das mit dem »auf die walz gehen« ist abgekupfert.«

Gast

Also im Film wird gesagt, dass das Problem sei, Design wird zu oft als Handwerk gesehen. Damit das nicht mehr so ist, wollen die beiden auf die Walz gehen? Weil die Walz ja eigentlich etwas handwerkliches ist. Die Argumentation muss mir bitte jemand erklären.

Gast

der satz »wir gehen schon mal vor« ist geklaut vom blond-magazin.

oben links unter dem ›b‹ zu lesen:
http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2007/08/blond.jpg

Frank

Ärgerlich und überflüssig.
Da hat man einem Kunden mühsam verständlich gemacht, was zB. der Begriff "Nutzungsrecht" bedeutet ( sie wollen für ihre Illustration noch mehr Geld, nur weil ich sie nochmal an anderer Stelle verwenden möchte...) und die zwei altklugen Herrschaften kommen um die Ecke und machen alles umsonst....

hans schumacher

Herrje, die Armen, ist ja schon fast wie aufm Gautschfest hier (gute alte Traditionen) sozusagen die modernere, virtuelle Variante … atavistischer Initiationsriten (war auch schon mal Rasterpunkte holen beim Praktikum inner Druckerei so gegen 7.30, dazu wurde man in den – damals noch bestehenden Bleisatz geschickt, und bekam eine Kiste Blindmaterial ausgehändigt, dei man dann hoch in die Litho bringen musste, harhar – würde mich mal interessieren, wieviel ungegautschte sich hier so äußern, die Jungs sind doch ganz sympathisch)

PS: aber: wir wollen uns ja nicht lumpen lassen … das on the road per anhalter, ist das wirklich noch zeitgemäss …

der serienkiller und der junge anhalter sind auf einem dunklen waldweg unterwegs. der junge anhalter sagt: das ist aber ganz schön duster hier … da kriegt man ja richtig angst. darauf der serienkiller: na hör mal, was soll ich denn sagen – ich muss den ganzen weg allein zurück …

cheers, und viel glück

Dein Kommentar

Deine E-Mail wird nicht veröffentlicht.

Der Inhalt des Formulars wird durch einen externen Dienst (Mollom) auf Spaminhalte überprüft (Datenschutzrichtlinien)

Verwandter Artikel

GRINGOGRAFICO

designer on the road for food and fame

heute erreichte mich die e-mail zweier wiesbadener designstudenten, mit einem umfragebogen zum thema "designwalz". ...

in 7 Kommentare

Nächster Artikel

Historia Type Specimen

Neues Type Specimen von Emigre

Interessantes Type Specimen von Emigre, das sich alle Liebhaber der Emigre-Schriften mal näher anschauen ...

in

Vorheriger Artikel

BLICKFANG 2010

Deutschlands beste Fotografen

Blickfang – Deutschlands beste Fotografen 2010 ist erschienen. (wir berichteten: Blickfang 1, 2008, Blickfang 2, ...

in , 1 Kommentar