Zan – die Frau / Schleierhaft / Diplomarbeit von Peymaneh Luckow an der Ruhrakademie Schwerte

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In ihrer Diplomarbeit beschäftigt sich Peaymaneh mit den Frauen im Iran. Frauen wie ich und du, Mütter mit gleichen Interessen und Wünschen. Dennoch werden Frauen in der Öffentlichkeit stark vernachlässigt.

Durch Medien und Internet werden wir jeden Tag mit Informationen aus allen Ländern fast bombardiert und können uns eventuell ein Bild machen, wie diese Menschen leben ... Ihr Diplom besteht aus zwei separaten Büchern:

»„Zan – Die Frau« besteht hauptsächlich aus freien Arbeiten, Illustrationen und Kollagen. „»Schleierhaft«“ ist ein reines Foto-Buch, welches die besten Bilder einer Reise in den Iran enthält.

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Im Interview mit Peymaneh:

Slanted: Gib uns bitte ein paar Informationen über Dich und/oder die Firma, für die Du arbeitest.
Ich heiße Peymaneh Luckow und bin 31 Jahre jung. Im Oktober 2008 habe ich mein Diplom an der Ruhrakademie Schwerte mit Auszeichnung erhalten. Nun möchte ich mich als Freelancer in den Bereichen Grafikdesign und Fotografie verwirklichen. Seit 2006 findet Ihr alles über mich auf meiner Homepage www.peymaneh.de.

Slanted: Was ist Deine Grafikdesign Richtung? Wie würdest Du Deinen Stil bezeichnen? Wo liegen Deine Stärken?
In meinen Arbeiten vereine ich westliche und orientalische Einflüsse. Eine besondere Richtung kann ich nicht benennen da ich mich noch weiter Entwickeln möchte und so zu allen Seiten hin offen bleibe. Meine Stärke ist die Präsentation. Mein Talent ist die Vielseitigkeit und gute Ideen. Eine davon könnte auch für Sie sein...

Slanted: Wo arbeitest Du am liebsten?
Im Sommer findet Ihr mich mit meinem MacBook im Park um die Ecke. Ein alter Baum unter dem ich dort sitze ist mein liebster Arbeitsplatz

Slanted: Was inspiriert Dich?
Was meine Augen sehen, meine Ohren hören und mein Herz fühlt

Slanted: Warum hast Du diese Arbeit gemacht? Wie bist Du auf die Idee gekommen? Was steckt dahinter?
Als gebürtige Iranerin wollte ich ein Bild der Frauen in der Islamischen Republik zeigen dass nicht immer dem entspricht, was bekannt ist. Meine Diplomarbeit zeigt Iranerinnen, die sich ihre Freiräume im Alltag schaffen und mutig versuchen das System zu unterlaufen. Das Diplom besteht aus zwei separaten Büchern: „Zan - Die Frau“ besteht hauptsächlich aus freien Arbeiten, Illustrationen und Kollagen. „Schleierhaft“ ist ein reines Foto-Buch, welches die besten Bilder aus meiner Reise in den Iran enthält. Auf die Idee haben mich meine Mitmenschen gebracht die mich in den 13 Jahren in Deutschland immer wieder auf das Leben der Frauen im Iran angesprochen haben.

Slanted: Was möchtest Du mit Deiner Arbeit erreichen/aussagen?
einige Fragen beantworten :) und Interesse wecken...........

Slanted: Wie/Wo wäre die ideale Anwendungsweise?
In der Bücherei oder im Internet (da dort für jeden zugänglich!)

Slanted: Wie lange hast Du an Deinem Werk gearbeitet?
4 Monate vor meiner Reise in den Iran habe ich mein Konzept erstellt. Nach den 6 Wochen vor Ort mit intensiven Recherchen (Fotografien, Interviews führen, Printmedien sammeln etc.) habe ich noch ca. 6 Monate gebraucht bis ich meine beiden Werke in den Händen halten durfte.

Slanted: Wer hat Dich betreut und wie hast Du davon profitiert?
Herr Prof. Störr (Gründer und fachlicher Leiter der Ruhr Akademie Schwerte), Kurt Schrage und Thomas Hilbig waren meine Betreuer. Die drei haben mir von Anfang an gezeigt, dass sie Voll und Ganz hinter mir stehen und haben mich in allem unterstützt. Sowohl während meines Aufenthaltes in Teheran, als auch später haben sie mich durch ihr Feedback und ihre Kritik inspiriert und weitergebracht.
Vielen dank dafür.........

Slanted: Hast Du Deine Arbeit handgemacht (gedruckt, veredelt etc.)?
Gedruckt wurde auf der HP Indigo

Papierformat:
Zan: 300 x 430 mm
Schleierhaft: 150 x 210 mm

Schrift:
Helvetica Neu, versch. Persische Kaligrafien und die eigene Handschrift

Druckerei:
Digitaler Offsetdruck
Fabinstinct
Kohlenstr. 36
D-44795 Bochum

Umschlag:
Stoff (handarbeit) aus dem Iran

Umfang:
Zan: 221 Seiten
Schleierhaft: 92 Seiten

Slanted: Hast Du Vorbilder? Was interessiert Dich an dieser/n Person/en? Welche Arbeiten gefallen Dir?
Majid Abbasi (Grafikdesigner, Designgruppe 5th Color)
» Unsere Designer sind entschlossen, neue Wege zu gehen, indem sie versuchen, sich in ihren Arbeiten von der iranischen Kultur inspirieren zu lassen, ohne dabei Klischees zu verfallen. « Majid Abbasi
Reza Abedini (Grafikdesigner)
Martin Parr (Fotograf)
Stephen Shore (Fotograf)

Slanted: Was sind Deine Pläne für die Zukunft?
Mich privat und beruflich selbst zu verwirklichen! Vielleicht findet sich ja noch ein Verlag der Interesse hat

Slanted: Viel Erfolg und Danke für das Interview.

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Fotos zu Zan:






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Abb. von Schleierhaft:



Gast

Mit sowas kann ich überhaupt nichts anfangen. Was soll das sein? Ich will aufgrund der wenigen abgebildeten Seiten kein Urteil fällen, aber da passt gar nicht zusammen!

Julia

Hallo Peymaneh,
kompliment für die gelungene Abschlußarbeit sowie für den aussergewöhnlichen Webauftritt.

Deine Bilder sind sehr gelungen und sie wiederspiegeln sehr interessante Momente.
Es macht sehr viel Spaß Sie anzuschauen.

Gruß und noch mal´s Kompliment.

Julia

Peymaneh

Lieber Gast :)
Es handelt sich hierbei nur um Ausschnitte (Zan 221 Seiten, Schleierhaft 92 Seiten) meiner beiden Bücher und nicht um eine zusammenhängende Serie.
Zur Präsentation selbst gehörte noch eine ausführliche Einführung und ein Kurzfilm.
Das Thema selbst ist sehr komplex und nur als Gesamtprojekt zu beurteilen.
Im Projekt selbst steckt viel Liebe, Emotionen und eine Menge Leidenschaft.
Lg
Peymaneh

Gast

Das Thema is interessant, allerdings spricht mich diese Arbeit rein optisch nicht an. Die Fotoreihen und Illustrationen können auch nicht überzeugen.

Ali Reza

Salam Peymaneh
Nehme dir die Kommentare diverse Gäste ;) nicht zu herzen.
Ich bin selbst Perser und finde deine Arbeit soweit man das hier beurteilen kann ganz toll.
Danke das du dich mit diesem Thema beschäftigt hast.
Du kannst stolz sein Perserin zu sein
p.s
Haben Sie lieber Gast schon einmal fremde Menschen fotografiert in einem Land wie dem Iran?
Warte auf die Fotoreihe.............
Mowafagh bashi Peymaneh khanom

Gast

ich finds toll.

Malus

Es geht hier nicht um Corporte Design oder Erstellung von "schöne" Illustrationen. Für mich schaut das ganze nach einer Aufklärung aus! Eine Verbindung zwischen Politik & Machtlosigkeit. Genau das macht diese Arbeit so interessant ...
'Wer sich mit dem Thema beschäftigt stellt fest, dass im Iran das fotografieren von Frauen absolut verboten ist. Ich weiss nicht, wie du (Peymaneh) diese Bilder gemacht hast?!? Dazu gehört viel Mut & "Glück" ;-)

Ich würde gerne mehr Bilder sehen ... vielleicht stellst du auf deiner Homepage mehr Fotos online.

Liebe Grüße
Malus

Bernie

Hallo Peymaneh, soll man den Titel Deines Werkes auch als "Schleier-Haft", bezogen auf Gefängnis, verstehen?

Peymaneh

Hallo Bernie
Das Adjektiv »schleierhaft« steht im deutschen Sprachgebrauch für ein Rätsel, das bei jemandem Unverständnis über einen bestimmten Sachverhalt hervorruft. Im Kontext der vorliegenden Arbeit ist der Fokus auf die Lebenssituation von Frauen in der islamischen Republik Iran gerichtet. Dabei handelt es sich um eine fotografische Arbeit, deren inhaltliche Brisanz im Detail steckt und aus einem eurozentrischen Blickwinkel betrachtet zwangläufig zu Irritationen führen muss.
Laut staatlicher Diktion sind Iranerinnen dazu verpflichtet, in der Öffentlichkeit ein Kopftuch oder einen Chador, einen schwarzen Schleier als körperliche Verhüllung zu tragen. Auf diese Weise soll der als Respekt vor dem anderen Geschlecht gedeutete begehrende Blick von Männern auf den weiblichen Körper kontrolliert werden.
Lg
Peymaneh

Bernie

Liebe Peymaneh,

es ist mir schon klar, worauf Ihre Arbeit hinzielt, das ist recht offensichtlich, und ja, ich kenne mich, wenn auch nur grob, mit der Lebenssituation persischer Frauen aus.

Es ging mir um die Frage, ob Sie in dem Wort »Schleierhaft« eine ebensolche »Schleier-Haft« sehen, denn als solche Einengung sowie Knebelung persönlicher Freiheit ist dieser Umhang ja zu betrachten. Die Erklärung die Sie anführen, wird dem Sachverhalt leider nicht ganz gerecht, denn wir wissen ja um die Situation, sie ist uns kein Rätsel sondern oftdiskutiertes Thema. So wie das neue “Ehegesetz“ in Afghanistan, das Frauen z.B. zum Sex mit Männern alle vier Tage verpflichtete. Denn es wurde, Allah sei gepriesen, wieder gestoppt, siehe http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,617461,00.html

Aber nur weiter so Peymaneh, Ihre Arbeit hat Potential, wie ich auf Ihrer Webseite sehen kann. Sie haben übrings unter dem Link »Über mich« einen klitzekleinen Vertipper: Dilpom-Kommunikationsdesignerin.

Viele Grüße!

Max

Ich kenne mich zwar nicht gut mit dem Thema aus, dennoch habe ich oft von persische Freude gehört wie die Lebenssituation drüben ist. Die Frauen werden nicht wie Tiere behandelt SONDERN der Iran ist das liberalste, demokratischste Land der Region überhaupt..wenn man sich Afghanistan oder Iraq anschaut! Im Iran können Frauen wählen und "dürfen" als Busfahrerin oder Taxifahrerin arbeiten. Für uns in Europa völlig normal aber im Asien ist es Leider sehr selten. Genau das macht diese Arbeit so interessant ...

Was ich hier nicht ganz verstehe ist, wieso man 2 getrennte Arbeiten machen musste?! Die Verbindung Fotografie und freie Arbeiten wäre perfekt gewesen. Man hat hier fast das Gefühl, es wären zwei unterschiedliche Aussagen!

Gibt es eine Möglichkeit sich diesen Kurzfilm sich anzuschauen?

Viel Erfolg & Grüße aus HH
Max

Gast

Ich finde diese Korinthenkackerei von manchen hier echt absurd.
Die Arbeit ist klasse!
Gruß

peymaneh

Lieber Max,

Du hast recht, dass Frauen im Iran nicht wie Tiere behandelt werden, habe ich auch hier nicht aussagen wollen!!
Wenn man den Iran mit Afghanistan oder dem Irak vergleicht gibt es da doch gewaltige unterschiede.
Im Iran besuchen Frauen Schulen und Universitäten.
In der Familie hat die Frau eine gehobene Stellung.
Auch im Berufsleben begegnet man vielen Frauen.
Aber dennoch gibt es viele negative unterschiede zum Leben in der westlichen Welt.
– In der Islamischen Republik Iran müssen Frauen außerhalb der eigenen 4 Wände eine geeignete Kopfbedeckung tragen.
– Frauen, die sich in der Öffentlichkeit mit unzüchtiger Kleidung zeigen, müssen mit einer Gefängnisstrafe, Auspeitschungen oder einem Bußgeld rechnen.
Dieses wird durch die Sittenpolizei überwacht.
dazu gehören z.B.:
-kurze Hose
-eng anliegende Mäntel
-Schuhwahl (wenn Füße lackiert sind) etc.

– Die Hälfte der iranischen Bevölkerung sind Frauen. Nur 8% der Frauen im entsprechenden Alter sind berufstätig.
Ein Mann hat das Recht, seiner Frau eine Berufstätigkeit zu untersagen.

– Frauen und Männer betreten und sitzen getrennt in öffentlichen Verkehrsmitteln.

– Selbst an den Universitäten gibt es getrennte Ein- und Ausgänge für Männer und Frauen.

– Vom Studium mancher Fächer sind Frauen völlig ausgeschlossen.

– Das iranische Zivilrecht geht dabei davon aus, dass Frauen grundsätzlich nur die Hälfte" eines Mannes wert" sind.

Verstöße gegen diese Gesetze können auch heute noch die Verurteilung zum Tode bedeuten (z.B durch hängen oder Steinigung)

– Über die Hälfte aller Hinrichtungen werden vor Zuschauern durchgeführt.

Zwischen Dezember 2006 und November 2007 hat die IMRA (Iranischen Menschenrechtsaktivisten) folgende Fälle registriert, in denen das iranische Regime gegen Frauen vorgegangen ist.

-114 Gerichtsurteile gegen Studentinnen
-58 Verhaftungen von Frauenaktivistinnen und Politikerinnen
-3 Morde an Frauen im Gefängnis und an der Teheraner Universität durch Staatsicherheitskräfte
-37 Ausgesprochene Todesurteile durch Steinigung
-6 Vollstreckte Todesurteile am Galgen

Anläßlich dieser vielen schockierenden Fakten und den damit verbundenen Fragen und Vorstellungen möchte noch einige Worte dem Thema ' der Frau im heutigen Iran' widmen.

Im Wesentlichen sind die Frauen dieses Volkes wie all die vielen Abermillionen Frauen der ganzen Welt, - mit den gleichen Wünschen, mit dem gleichen Sinn für das Menschliche, Gute und Schöne.
Die iranische Mutter ist wie die meisten Mütter dieser Erde durchdrungen von der gleichen aufopfernden Liebe zu ihren Kindern.
In einer von Männern geprägten Gesellschaft erkämpft sich die moderne Iranische Frau immer mehr Freiheiten.

Als letztes möchte ich noch sagen, dass ich die persische Kultur und seine Menschen von ganzen Herzen liebe.

ps. Das Thema in 2 Büchern zu präsentieren habe ich für mich selbst entschieden.
Das Fotobuch war eine reine Dokumentation meiner Reise.
Die Umsetzung unserer Diplom-Themen wurde uns selbst überlassen.

Lg
Peymaneh

Gast

Super arbeit!!!! +++++
Kompliment und Hut ab...ich würde das buch sofort kaufen :)

HD Schellnack

Ich bin nicht ganz neutral, weil ich die Sache ja im embryonalen Zustand noch mitbetreut habe, bevor Jürgen und Kurt es in den sicheren Hafen begleiteten - aber das Endergebnis ist liebevoll gemacht und das sieht man. Aus den wenigen Bildern kann man nicht so viel ziehen und es wirkt vielleicht deshalb gerade bei den Illus für Aussenstehende etwas schwer nachvollziehbar, aber ich bin sicher das die beiden Bücher ein Augenschmaus sind.

Ganz nebenbei finde ich ja genial, dass man bei Slanted so viele Diplomsachen sieht - eigentlich eine Publikation an sich wert, oder? Ein Mag, dass nur Diplome zeigt :-D.

Britta

hey peymaneh!
das ist ja wahnsinn! habe auch schon vom iF-award gehört! ich freue mich total für dich! du hast es dir mit der klasse diplomarbeit mehr als verdient!

bis hoffentlich bald!

Reinhart Regin Reuschel

Deine Arbeiten sind in mehrfacher Hinsicht LEUCHTEND! Einmal von der Farbigkeit, dann von der starken Fokussierung auf ein Detail (spot focusing), von der kontrastreichen grafischen Umsetzung – ich finde sie ungewöhnlich und ungewöhnlich gut:-))

Reinhart Regin Reuschel

An HD Schellnack: Ja, ich bin auch dafür, dass so eine schöne Arbeit publiziert und käuflich zu erwerben ist.

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