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16. Leipziger Typotage

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Am Samstag fanden die 16. Leipziger Typotage mit dem Thema »Druckkunst 2.0« statt. Am Anfang standen vielversprechende Fragen der Moderatorin Ulrike Stoltz wie: Ist das Internet für das Buch heute das, was die Fotografie für die Malerei war? Wie entwickelt sich die Buchkunst weiter? Ist das BücherMACHEN heute interessanter als das BücherREZIPIEREN? Dann folgten 7 Vorträge.

Der mit Abstand beste Beitrag kam von Robert Klanten vom Gestalten Verlag. Er erklärte uns seine Sicht auf die Arbeit der Gestalter in der heutigen Zeit. Er teilte seine Ansichten in drei Teile: Digitalisierung, Materialisierung und Identität.
Durch die Digitalisierung passiert im Grafikdesign jetzt das gleiche wie in der Popmusik in den 90er Jahren, durch die Technik kann jeder Grafikdesign machen, er braucht nur einen Rechner, Internet und einen Hauch kriminelle Download-Energie. Es entsteht die Generaion Slash/Slash, zu der beispielsweise der Künstler Paul Griffiths gehört, der seine Kollektion babycakes clothing auschließlich über myspace vertreibt und das sehr erfolgreich.
Materialisierung heißt, dass im Gegenzug zur virtuellen technischen Welt die »echte« Handarbeit extrem gefragt ist. Künstler und Designer haben das Bedürfnis, mit Papier zu arbeiten, zu experimentieren, »alte« Techniken wiederzubeleben, Beispiel Letterpress, wodurch sie Kleinstauflagen ihrer Kunst verkaufen können. Magazine erarbeiten großflächige Themenstrecken, der Leser kann sich Zusammenhänge erblättern, Informtionen wurden für ihn gefiltert. Beides, die hochtechnisierte Welt und die haptische, materialgebundene, traditionelle Welt werden nebeneinander existent bleiben.
Und Teil 3, die Identität, oder auch »human touch« im Grafikdesign. Es geht um das Menscheln, die Persönlichkeit der Künstler und Designer, der gewollte Fehler, die bewußte Verweigerung, Zerstörung, Löschung. Die verbreitete Manier ein Poster im Portfolio zu präsentieren mit einem Foto, auf dem es eine Person mit beiden Händen hochhält. Die Aussage: Da steckt ein Mensch dahinter, nicht copy&paste und Technik, sondern eine reale Person mit eigenem Stil. Nicht Monographien sind gefragt, sondern Kompilationen, eine eigene Sichtweise in Form gebracht, persönliches, handwerkliches.

Fesselnder Vortrag, nebenbei liefen eine Menge Beispiele über den Beamer, auch die Diskussion danach war sehr inspirierend, auf den Punkt gebracht. Es fielen Thesen wie: Durch das Internet ist alles gleichzeitig da, die ästhetische Kultur befindet sich in einer Endlosschleife.

Die anderen Vorträge plätscherten im Vergleich dazu so dahin, Redner waren Veronika Elsner von Elsner & Flake, der Schriftengestalter Erhard Kaiser, Marc Mittelstaedt, Prof. Rutherford und Prof. Hartmann von der Bauhaus-Universität Weimar, Edition Kopfnote und Wolfgang Schubert, der enthusiastisch über sein sehr spezielles Thema, den Lichtdruck referierte. Das alles stand stark unter dem Licht der Bewahrung der Traditionen, was natürlich sehr passend zum Veranstaltungsort war, dem Museum für Druckkunst Leipzig, ich dem Ganzen jedoch leider keine neuen Erkenntnisse abgewinnen konnte.

Als Frau Elsner nach dem zukünftigen Umgang mit Schrift-Lizenzen gefragt wurde, sagte sie bezeichnenderweise: “Dazu haben wir Schriftenverleger uns noch nicht entschieden”. Das klang ein bisschen so wie, erstmal abwarten, wie lange dieser Internethype noch dauert, vielleicht fällt ja auch alles wieder in sich zusammen. Nicht gerade am Puls der Zeit, würde ich sagen.

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