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Angst als Voraussetzung für Mut

Anlässlich der gerade erschienen slanted #12 Ausgabe, die sich als „Bühne für außergewöhnliche und intelligente Arbeiten von Frauen“ versteht, habe ich die Berliner Fotografin Esther Suave interviewed. Esther „zu fassen“ erwies sich als schwer. Denn Sie will sich nicht fassen lassen.

Den Namen hat sie sich zugelegt, inspiriert hat sie der Mädchenname der Mutter. Aus dem Spanischen übersetzt würde das so viel wie flauschig heißen, aber da liegt man meilenweit daneben: Vier Jahre vor ihrem Abi geht sie nach Zimbabwe um in einer Lepra-Kolonie mit an zu packen. Kaum zurück in Berlin lebt sie auf der Strasse, schläft in leeren Fabriken. So ist ihr Leben ein ständiges Ausreißen, Trampen, für Hilfs-Organisationen arbeiten – und fotografieren.

Nach dem Abi arbeitet sie für einen Berliner Fotografen. Schnell stellt sie fest, dass sie hier lernt, was sie mal nicht machen will. Hochzeiten sind fotografisch nicht ihr Ding. Immer wieder arbeitet sie für Hilfsorganisationen oder soziale Projekte. Auch mit der Kamera. In Berlin für das Heroin-Programm, welches als solches dann nicht statt findet, fotografiert sie inmitten der Szene. Ihre Straßenkontakte von damals helfen. Und so entstehen Bilder, die so sind wie sie sind. Der Fotograf stilisiert seine „Serie“ nicht hoch, und das Objekt will nicht provozieren. 1 Woche lang 24h. Wer die Bilder sieht, weiß sofort welche ich meine.

Ich hab ihr das mit der Midlife-Crisis nicht abgenommen – mit 25 halte ich die für verfrüht. Dennoch ihre Begründung: Shit, ich bin zu alt um an Jungend-Fotowettbewerben teil zu nehmen und – das wurmt sie am meisten: irgendwie kriegt man keine harte Kritik mehr. Als Phänomen umgekehrt zum Welpen-Schutz? Irgendwie schon, man bekommt zwar viele Kommentare, einfach durch die Online-Präsenz der Bilder, aber Kritik, die einen weiter bringt bekommt man da selten. Dabei bräuchte sie das mal – sagt sie selbst.

Und wie ist das jetzt – siehe oben, slanted #12 – mit Frauen? Esthers Portraits sind echt nah dran. Natürlich tun Frauen unter Frauen Dinge, die sie unter – bzw. „vor“ Männern nicht tun würden. Da hört es aber auch schon auf. Wo ich (ein Kerl) eindeutig feststellen konnte, dass es sich bei Esther um eine sensible Fotografin handelt, war als sie sagt: Ich hab schon Angst. Vor Klischee-haften Bildern. Wenn ich irgendwo bin, fotografiere ich erst mal alles. Und dann noch mal um die Bilder wegzulassen, die jeder dort oder in diesem Umfeld machen würde.

Und so zeigen wir hier eine Serie von Esther Suave. Unsere Besucher können ja mal raten, wo diese Aufnahmen entstanden und uns sagen, warum sie das glauben. Und weil man auf Esthers Website (http://www.esthersuave.com/) auch ganz einfach nachlesen kann, wo die Bilder entstanden – gibt es auch nix zu gewinnen.

Ich bedanke mich für das angenehme Gespräch bei Esther und freue mich auf Bilder aus Transnistrien!

Um auf professioneller Ebene an Esthers Bilder zu gelangen, ist man bei Favorite Picture in Berlin an bester Adresse: http://www.favorite-picture.com/

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