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Heute stelle ich euch ein Type Label mal auf eine andere Weise vor – Slanted im Interview mit dem sympathischen niederländischen Grafiker und Type Designer René Verkaart von Characters.

AL: Wie bist du zum Typedesign gekommen?
RV: Meine ersten Eindrücke der Typografie habe ich mit 11 Jahren gesammelt. Ich habe damals immer amerikanische Comics gelesen (Batman, Spiderman, Fantastic 4, Wolverine, usw.) und habe die Comic-Figuren immer nachgezeichnet und mit eigenen Schriftzüge versehen.
Dann habe ich Typedesign für viele Jahre wieder ‘vergessen’, bis es auf der Kunstakademie wieder zum Vorschein gekommen ist. 1995, Im 3. Schuljahr habe ich meinen ersten digitalen Schriftzug »BorVer« gemacht, zusammen mit meinem heutigen Kollegen von Stoere Binken Design. (Auf der Website ist der Satz “destroy lives in the name of justice without knowing” in der »BorVer« gesetzt.)
AL: Welche deiner Schriften gefällt dir am besten?
RV: Bis jetzt gefällt mir »Insider Black Roman« vielleicht am besten, weil ich fette Schriften einfach liebe. Dabei finde ich »Insider« generell sehr gelungen, weil es ein sehr funktionaler Schriftzug geworden ist. Es sollte eine Corporate Schrift werden, die für die Gestalltung von Büchern, Magazinen und Firmenbroschüren verwendet werden kann.
Am Interessantesten finde ich die komplette »Nordic« Familie (bald erhältlich bei Fountain). Sie hat am meisten Charakter von allen meinen Schriften und ist bis jetzt auch am meisten verwendet worden. Sie ist sowohl im kreativen- als auch im Corporate-Bereich einsetzbar. Ich drücke mich da bewusst so aus, da Corporate oft nicht viel mit Kreativität, sondern mehr mit Funktionalität zu tun hat, leider.

AL: Was inspiriert dich zu deinen Schriften?
RV: Es klingt vielleicht langweilig, aber wirklich ALLES kann mich zu meinen Schriften inspirieren. Die meisten meiner Schriften aber haben ihren Ursprung in meinen Urlauben. »Nantua«, »Nantua Flava» und »Vagebond« habe ich z.B. während eines Snowboard-Urlaubs in Chamonix entworfen. »Nordic Narrow« und »Nordic A« in Nord-Deutschland bei meinen Schwieger-Eltern. »Reethi Rah« habe ich gerade vor einer Woche während meines Urlaubs auf den Malediven entworfen. Wir waren auf der Insel Reethi Rah im One Resort. Die atemberaubende Landschaft und das tolle Resort haben mich so inspiriert, dass ich nicht widerstehen konnte einen Reethi Rah-Schriftzug zu entwerfen. In den nächsten Monaten werde ich daran arbeiten und hoffe so bald wie möglich den ersten Release auf meiner Website präsentieren zu können.
Viele andere Schriften sind Custom Typefaces im Auftrag von Kunden, z.B. »Accelerator«, »Insider«, »Kryptonite«, »SBD Block« und »Siventi«. Das sind alles Schriftzüge für Verpackungen, Produkt-Flyer, Corporate Design, usw.

AL: Hast du irgendwelche Vorbilder?
RV: Nicht wirklich eigentlich. Ich kann Dir gerne ein paar interessante Typografen nennen, wenn das was bringt. Ich finde zum Beispiel Fred Smeijers, Underware, Hoefler & Frere-Jones, Storm Type Foundry und Porchez Typofonderie sehr interessant. Aber dass das Vorbilder für mich sind, kann ich nun wirklich nicht sagen.
Ich möchte meinen eigenen Stil entwickeln und mich nicht einengen lassen durch irgendwelche Vorbilder.

AL: Was gefällt dir am Type Design?
RV: Es ist schlicht und ergreifend mein Flow! Es rückt mich aus meinem gestressten Alltag heraus und relaxt mich total. Es erleuchtet meine dunklen Tage und gibt mir die Energie, die meine ganze Kreativität anfeuert. Es fesselt mich und befreit mich gleichzeitig. Wenn ich mit meinen Schriften beschäftigt bin, vergesse ich alles um mich herum. Ich versinke in der Welt der Kurven, Proportionen und Micro- und Macrobetrachtung.
Weil meine Schriften leider noch eine ‘Nebenaktivität’ sind, arbeite ich eigentlich nur am Wochenende daran. Deswegen möchte ich meiner Frau vom ganzem Herzen danken für ihr grenzenloses Verständnis und Miteifern. Sie ist für mich eine große Hilfe und sehr wichtige Kritikerin.

AL: Gibt es etwas daran, das dir eher lästig ist?
RV: Ja, dass ich keine Texte mehr normal lesen kann, aber gezwungen bin, jeden Buchstaben wahrzunehmen. Ich befinde mich momentan in einer totaler Micro-Welt; die Welt der einzelnen Buchstaben.
Nein, das war nur ein Spaß. Das wirklich lästige ist diese sehr technische Seite, z.B. Kerning, Spacing, Family Metrics, Open Type programmieren, usw. Um eine umfangreiche Schriften-Familie machen zu können ist eine technische und mathematische Einsicht sehr wichtig. Und in Mathematik war ich schon immer sehr sehr schlecht! Mann muss die komplette Übersicht behalten um alle Faktoren durch die ganze Familie konsistent zu halten. Viel Kopfarbeit.

AL: Worauf legst du besonders wert?
RV: Ich lege besonders viel Wert auf Charakter in Zusammenhang mit Funktionalität und Hochwertigkeit. Weil ich hauptsächlich als Grafik Designer tätig bin, betrachte ich meine eigenen Schriften auch aus diesem Blickwinkel. Es ist mir wichtig, dass eine Schrift eine starke Persönlichkeit zeigt und dabei gleichzeitig sehr vielseitig professionell einsetzbar ist.
Schriften sind ein sehr wichtiger Bestandteil der Kommunikation. Durch Schriften kann man sich ausdrücken, zeigen wer man ist. Der gewählte Schriftzug muss haargenau zu der Botschaft passen, sei es einen Logo, ein Brief oder eine Website.
Deswegen habe ich den Name ‘Characters’ gewählt. Es ist ein Wortspiel, weil ein ‘Character’ sowohl einen Buchstaben als auch den Charakter darstellt. Für mich sind beide nah miteinander verbunden.

AL: Danke, René!


Skizze Insider


Insider


Shell Shock


Vagebond


Nordic Narrow

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